Herzliche Grüße aus Ecuador

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Isabel Dietrich

Isabel Dietrich ist seit 49 Jahren in der Missionsarbeit tätig. Seit 30 Jahren übernimmt sie die Mutterrolle in ihrem Kinderheim.

Am Ende eines einschneidenden Jahres möchte ich alle in meiner alten Heimat herzlich grüßen. 49 Jahre sind es her, seit ich von Neuler mit einem Priester in die Missionsarbeit nach Ecuador aufbrach. Weil dort viele Kinder so sehr leiden, übernahm ich vor 30 Jahren eine „Mutterrolle“ in dem von mir gegründeten Kinderheim. Diese Aufgabe beansprucht mich ganz, so dass ich annehme, erst im Himmel in Ruhestand zu gehen.

Leider wird auch hier in Ecuador die Adventszeit vorgezogen, weil eine Zeit des Wartens sich für den Betrieb von Geschäften nicht lohnt. Alles dreht sich um die Fülle der Glitzerwelt, Konsum und Geschenke. Nur in den Kirchen erinnert der Adventskranz mit vier Kerzen an das Warten auf die Heilige Nacht.

Und doch, es gibt hier im Land große Wartezeiten, die kein Ende nehmen: warten auf nicht existierende Sozialleistungen, einen Arbeitsplatz, soziale Gerechtigkeit, ein gesichertes Einkommen, ein Ende der Pandemie, Zurückgang vom Drogenhandel, weniger Gewalt und auf mehr Sicherheit. Unsere Kinder warten auf Adoption in eine richtige Familie oder ein zurück in ihre eigene Familie. Auf der ganzen Welt gibt es ein großes Warten: Ende vom Krieg, eine neue Heimat, auf das Ende von Naturkatastrophen oder Flucht, auf globale Lösungen und auf einen Sinn, der uns trägt. Warten vor allem auf Verstehen, Zuneigung, Liebe und Friede. Es liegt in den Händen aller Menschen, Hoffnung zu geben und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, damit die Hoffnung sich erfüllen kann.

Wir haben im Moment über 70 Kinder. Die Schulen sind immer noch geschlossen. Es wird digitaler Unterricht angeboten. Das stellt uns vor so viele zusätzliche Probleme und Hindernisse, da wir nicht genügend Notebooks und Drucker haben.

Um einen kleinen Einblick in die Fülle meiner Aufgabe zu vermitteln, hier ein paar Kinderschicksale: Ein hübsches 12-jähriges Mädchen wird von den Eltern verkauft, in die Prostitution mit Drogen eingeführt. Es gelang ihr auszubrechen und Hilfe zu suchen. Ein kleines Mädchen wird von der Polizei auf dem Gehsteig gefunden. Es weiß nicht, wo die Mutter ist. „Ich habe seit einer Woche in einem Hauseingang geschlafen und in einem Restaurant erbettelte ich ein wenig zu essen.“ Zwei Jugendliche aus Venezuela: Das Mädchen ist 13 und der Junge 14 Jahre. Die Mutter wurde vor einer Woche aus bisher ungeklärten Gründen ermordet. Geschwister: 13 und eineinhalb Jahre. Sie lebten in einem Zelt am Strand. Die Mutter ist drogensüchtig. Ein zwei Monate altes Baby, unterernährt und außerdem „abhängig“ durch die Drogen der Muttermilch. Die Liste könnte noch weiter verlängert werden. Oh, welch erfolgreiches Jahrhundert, aber auch oh trauriges Jahrhundert, wo die soziale Ungerechtigkeit zum Himmel schreit. Welcher Ungewissheit geht diese von Gott abgewendete Welt entgegen? Wir sind in großer Not, denn der Staat hat uns seit vier Monaten wieder nicht bezahlt, obwohl der Zuschuss für die Ernährung unserer Kinder, das kostbare Wasser und die teure Babymilch ist. Den Heiligen Abend begehen wir bei tropischer Hitze und einem einfachen Essen mit Reis, wie jeden Tag. Gott sei Dank reicht es für ein Geschenk für alle Kinder.

Höhepunkt aber ist die Christmette mit dem Krippenspiel unserer Kinder. Gott wird Mensch, geboren in einem Stall. Mit ihren offenen Herzen lieben unsere Kinder das Jesuskind in der Krippe, knien nieder, beten und singen. Jetzt ist Weihnachten! Es gibt für mich Hoffnung, dass „meine Kinder“ die bei uns erlebte Liebe, Fürsorge, Bildung, Werte und den Glauben in ihrem Leben weitertragen zum Wohle von vielen. Möge Weihnachten auch in Ihren Herzen Einzug halten.

Danke

Danke an alle, die mich mit einer Spende unterstützt haben und an alle, die mir helfen. Von ganzem Herzen ein gesegnetes Weihnachtsfest, ein Jahr der Freude, der Zufriedenheit und des Friedens Ihre Schwester Isabel Dietrich, Ecuador, Südamerika

Wer für die Arbeit von Schwester Isabel Dietrich und ihre Kinder in Ecuador spenden möchte, kann dies bei einem Spendenkonto bei der KSK Ostalb machen:

Spendenkonto: KSK Ostalb, Katholische Kirchenpflege, 73491 Neuler,

IBAN: DE 76 6145 0050 0110 0295 00, BIC: OASPDE6AXXX , Kontakt: Tel: 07961/4457 oder 07366/7265 (Für eine Spendenbescheinigung bitte unbedingt Adresse angeben)

Isabel Dietrich

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