Kein Adé sondern bis bald

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Thilo Rentschler war von 2013 bis 2021 Oberbürgermeister der Stadt Aalen. Hier bei einem seiner Termine im Wahlkampf 2013.

SchwäPo-Chefredakteur Lars Reckermann über die bleibenden Eindrücke nach acht Amtsjahren.

Thilo Rentschler kann ich nur mit privaten Worten verabschieden. Die vergangenen fünf Jahre habe ich seine Arbeit nur aus der Ferne beobachtet. Jetzt ein politisches Fazit seiner Arbeit zu ziehen, wäre unredlich. Da haben meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen eine viel bessere Expertise, weil sie eben näher dran waren.

Dennoch hat der Oberbürgermeister Thilo Rentschler bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich hatte im November 2013, gerade aus dem Ruhrgebiet frisch auf die Ostalb gezogen, noch nicht einmal die Umzugskartons ausgepackt, da lud mich Thilo Rentschler zu einer Rundfahrt durch Aalen ein. Er fuhr den dunklen Dienst-Audi selbst und steuerte sofort das Bahnhofsareal an. Stadterweiterung, neuer Wohnraum. Auf der Karte des Navigationsgerätes zeichnete er seine Vision einer Stadtentwicklung. Danach ging es von Projekt zu Projekt. Gerade einmal einen Monat im Amt, hatte er schon Pläne für Aalen, die, sorry lieber Thilo Rentschler, für zwei Amtszeiten gereicht hätten. Das hat mich allerdings sehr beeindruckt. Ein Macher, ein Anpacker, ein Turbo-Thilo.

Ich konnte mit ihm auch gut streiten. Denn Widerspruch wurde von ihm selten hingenommen. Kritik…? Mhm, eher schwierig. Zumindest in meinen drei intensiven Jahren mit ihm (2013 bis 2016), nahm er vieles sehr persönlich, was indes ausschließlich auf sein Amt und nicht auf seine Person bezogen war. Aber so muss das Verhältnis eines Journalisten zu einem Politiker auch sein. Wir müssen uns streiten. Davon lebt eine Demokratie. Für diesen Disput gibt es übrigens die Medien.

Für seine Ideen kämpft Rentschler wie ein Löwe. Er ist ein politischer Stratege alter Schule. Koalitionen, Mehrheiten, gerne auch einmal auf den Tisch hauen… „Überzeugungstäter“ passt ganz gut, und das Wort hat in diesem Fall eine positive Konnotation. Es gab kaum einen Termin, auf dem er nicht auftauchte. Und wenn er auftauchte, redete er auch immer – gerne als erster, er war halt der Oberbürgermeister. Für meinen Geschmack dauerten einige Reden etwas zu lang, aber der Mann hatte ja nun auch genug zu erzählen.

Viele schätzen diese Nähe. Er war halt immer da, immer vor Ort. Er war seine eigene Marke. Zur Wahrheit zählt aber auch, dass diese Marke auf Aalen einzahlte. Als OB wollte er immer strahlen, etwas aus Egoismus, meist für die Kreisstadt, die er so gerne als Oberzentrum etabliert hätte. Bei mancher Blattabnahme fragten wir uns in der Redaktion, ob er ein Double angeheuerte hatte, weil bei mehreren Fototerminen an einem Tag der OB immer ins Bild lächelte.

Nun also etwas Neues, die IHK. Auch dort der Chef. Was auch sonst? Deshalb von dieser Stelle auch kein „Adé“, sondern ein „bis bald“.

Lars Reckermann

Chefredakteur

Thilo Rentschler in Bergmannstracht bei der feierlichen Saisoneröffnung des Tiefen Stollens im Jahr 2019.
Im gelben Sessel: Chefredakteur Lars Reckermann fühlte 2014 Thilo Rentschler auf den Zahn.

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