Zeit für Veränderung: neue Materialien, neue Herausforderungen und neue Führung

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Die Gesundheit der Mitarbeiter geht vor: Ergonomieschulung in der Werkstatt.

Wie sich im Flaschnerhandwerk Arbeitsweisen, Verarbeitung und die Vorlieben der Kunden verändern. Florian Geier hat das Unternehmen in Ellwangen zum 1. Januar dieses Jahres übernommen und ist somit der Nachfolger von Peter Stelzer.

Ellwangen. Seit über 85 Jahren gibt es die Flaschnerei Stelzer in Ellwangen. Bei aller Beständigkeit unterlag das Unternehmen doch einem ständigen Wandel. Als Josef Stelzer 1936 das Unternehmen in der Marienstraße gründete, konnte niemand ahnen, wie es weiter wachsen würde. Über Wolfgang und Peter Stelzer blieb die Firma drei Generationen im Familienbesitz, der Betrieb wurde erweitert und in das Industriegebiet Neunheim verlagert. Jetzt übergab Peter Stelzer das Unternehmen an seinen Mitarbeiter Florian Geier.

Klassisches Handwerk und⋌ maschinelle Fertigung

Seit der Gründung hat sich das Unternehmen von der klassischen Flaschnerei zu einem Fachbetrieb für Metallbearbeitung entwickelt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beherrschen heute neben dem klassischen Handwerk auch die maschinelle Fertigung mit neuen Materialien und die Anfertigung von Sonderprodukten für die Industrie. „Die Blecheinfassung an Häusern und Dächern, Dachrinnen, Wind- und Wasserabweisung, das macht ungefähr noch ein Drittel unserer Arbeit aus“, schätzt Peter Stelzer. Flachdachabdichtungen mit extrem langlebigen Kunststoffen wie Sarnafil kamen hinzu. Und auch die Sonderanfertigung von Maschinengehäusen aus Blech für die Industrie, die Peter Stelzer bereits vor der Übernahme des elterlichen Betriebs aufgebaut hatte, macht noch immer rund ein Drittel der Aufträge aus.

Folgen der Pandemie

Wie schnell sich auch im traditionellen Handwerk die Umstände verändern können, das hat Peter Stelzer im Sommer 2021 erlebt, als infolge der Coronapandemie die globalen Lieferketten abgerissen sind und verschiedene Metalle plötzlich Preisrekorde verzeichneten.“Der Materialeinkauf war noch nie so spannend wie in diesem Jahr. Wir wurden fast monatlich mit Preiserhöhungen konfrontiert“, blickt der Unternehmer zurück. „Kupfer ist heute so teuer wie noch nie.“ Wie behilft man sich in einer solchen Situation? Wenn eine Kalkulation schon nach wenigen Tagen Makulatur sein kann? „Unsere Angebote an die Kunden blieben zwei Wochen gültig. Wenn der Auftrag kam, haben wir das Material sofort gekauft, um den Preis halten zu können.“ Die Flaschnerei Stelzer sei durch diese schwierige Marktlage insgesamt gut durchgekommen und das sei auch dem Umstand zu verdanken, dass man einen großen Metallhändler, die Firma Kicherer, am Ort habe. „Es ist von Vorteil, wenn man sich persönlich kennt und bereits seit langem kooperiert“, sagt Peter Stelzer.

Jetzt trägt die Verantwortung für die weitere Entwicklung der Firma sein Nachfolger und Stelzer ist überzeugt, dass die Flaschnerei bei Florian Geier in guten Händen ist. Peter Stelzer wird weiterhin als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für das Klempnerhandwerk arbeiten. „Für den Ruhestand fühle ich mich noch nicht alt genug“, sagt er. ⋌gk

Fuhrpark und Betriebsgebäude der Flaschnerei Stelzer im Industriegebiet Neunheim.
Traditionelles Handwerk: Metallbearbeitung bei der Flaschnerei Stelzer in der Werkstatt.
Blechbearbeitung in der Werkstatt.

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