Die Ski liegen bereits wieder in der Ecke

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Das Gold-Quartett von links: Karl Geiger, Anna Rupprecht, Markus Eisenbichler und Katharina Althaus springen am 28. Februar 2021 völlig überraschend zum WM-Titel im Mixed.
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Skispringen: Es ist Liebe auf den zweiten Blick: Anna Rupprecht findet beim ersten Mal keinen Gefallen an ihrem Sport, kommt dann aber nach kurzer Zeit zurück und schreibt eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte – bis hin zur Weltmeisterin.

Es war ein typischer Anna-Rupprecht-Spruch: "Was für ein Scheiß!" So bewertete die 24-Jährige ihren Sprung auf der Großschanze auf 116,5 Meter. Und das nicht etwa im Training. Sondern vor laufenden Fernsehkameras bei der Weltmeisterschaft in Oberstdorf.

Nein, Schönfärberei oder gar den Mund zu halten war noch nie ihr Ding. Anna Rupprecht sagt was ist. Egal, ob es für sie oder auch andere Beteiligte unangenehm ist. "Anna hatte schon immer ein loses Mundwerk", sagt ihr ehemaliger Trainer und Entdecker Thomas Aubele. Und Andreas Bauer bestätigt, dass sich daran nie etwas geändert hat. "Anna sagt immer gerade raus, was sie denkt ..." Wobei nicht nur der Bundestrainer genau das zu schätzen weiß. "Anna ist dabei immer ehrlich." Mama Sandra Rupprecht will da nicht widersprechen. Im Gegenteil. "Sie ist ein typischer Steinbock und will immer mit dem Kopf durch die Wand."

Es ist eine der Charaktereigenschaften, die die frisch gebackene Weltmeisterin schon in jungen Jahren zu einer großen Persönlichkeit gemacht haben. Und die sich damit trotz vieler Hindernisse nach oben gearbeitet hat. Dazu gehören aber der auch ihr eiserner Wille auf der einen und ihre Lockerheit auf der anderen Seite. Bauer: "Wenn sich andere Athleten über äußere Einflüsse den Kopf zerbrechen, fokussiert sich Anna aufs Wesentliche und zieht ihr Ding durch."

Anna Rupprecht war gerade einmal drei Jahre alt, als ihr Vater Martin und ihre Mutter Sandra sie auf Ski gestellt haben. Und nur wenig später zum Skispringen mitgenommen haben. Gemeinsam mit Bruder Julian ist sie damals beim Schülerferienprogramm nach Degenfeld gegangen. "Anna ist zweimal den Auslauf runtergefahren und hat dann die Ski wieder in die Ecke geworfen", erinnert sich die Mama. Doch die Rückkehr ließ nicht lange auf sich warten. Genau so lange, bis Bruder Julian seie erste Trophäe gewann – eine Handy-Hülle mit einem Plüsch-Raben. "Danach wollte Anna Skispringerin werden", erzählt Sandra Rupprecht.

Anna will mit dem Kopf durch die Wand.

Sandra Rupprecht, Mutter

Danach ging es schnell: Anna Rupprecht gewann an ihrem 7. Geburtstag im Schwarzwald ihren Wettkampf. Mit 13 Jahren wird sie zum ersten Mal Deutsche Meisterin. Mit 14 geht sie erstmals bei der Junioren-Weltmeisterschaft an den Start. Mit 15 Jahren feiert sie in Hinterzarten ihr Debüt im Weltcup – gemeinsam mit Teamkollegin Carina Vogt. Und bei der Junioren-WM 2015 in Almaty wird sie erstmals Weltmeisterin.

Doch der Höhenflug wird jäh gestoppt. Als Anna Rupprecht zu Beginn der der Weltcup-Saison 2016/2017 in Lillehammer überraschend auf Platz drei springt, stürzt sie im russischen Nischni Tagil schwer. Diagnose: Kreuzbandriss. Und die Gewissheit, dass ein hartes Jahr mit einer OP und quälender Reha vor ihr steht. Ans Aufhören hat Rupprecht aber nicht gedacht. Im gegenteil: "Anna gibt nie auf", sagt Sandra Rupprecht. Auch nicht 2019, als sie die Gmünderin "den Meniskus zerfetzt" (Rupprecht) und einen Knorpelschaden erleidet. Wie quält sie sich und beißt sich durch. Bis zum großen Tag am 28. Februar 2021: Anna Rupprecht wird Weltmeisterin im Mixed-Wettbewerb.

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Mit 16 Jahren international dabei: Anna Rupprecht im Dezember 2013 beim Weltcup im heimischen Hinterzarten. Die Gmünderin war schon damals für ihren Ehrgeiz und Siegeswillen bekannt.
Anna Rupprecht: schon als Kind erfolgreich.

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