Eine Goldmedaille, mit der keiner rechnet

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Unglaublich, unfassbar: Anna Rupprecht strahlt nach ihrem glänzenden zweiten Sprung auf 98,5 Meter.
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Skispringen, Weltmeisterschaft: Anna Rupprecht ist vor dem Mixed-Wettbewerb zurückhaltend und tippt auf Platz vier. Dann wächst die 24-Jährige des SC Degenfeld über sich hinaus und kehrt als Weltmeisterin nach Schwäbisch Gmünd zurück.

Die Frage war vorsichtig formuliert. Darf man mit ganz viel Optimismus im Mixed auf eine Medaille schielen?" Anna Rupprecht hatte im Vorfeld des Wettbewerbs bei der Heim-Weltmeisterschaft in Oberstdorf eine klare Antwort: "Die Slowenen sind saustark, die Norweger sind saustark, und die Österreicher sowieso. Ich denke, wir werden Vierter!"

Platz vier, das ist bei einem Großereignis der undankbarste Rang. Das weiß auch die 24-Jährige des SC Degenfeld. "Es interessiert nunmal niemanden, wenn du keine Medaille holst." Die Erwartungen waren also nicht allzu groß, als das deutsche Team mit Karl Geiger, Markus Eisenbichler, Katharina Althaus und eben Rupprecht am 28. Februar 2021 um 17.15 Uhr gegen die scheinbar übermächtige Konkurrenz in den Mixed-Wettbewerb startete. "Ich möchte meine besten Sprünge abrufen. Das bin ich den Männern schuldig – dass ich mich voll reinhänge." Es sind die Worte von Anna Rupprecht, die wenig später die Welt nicht mehr verstand. Es war exakt 18.49 Uhr an diesem sternenklaren Sonntagabend, als auf der Anzeigetafel die "1" aufleuchtet. Und zwar für die Außenseiter des Gastgeberlandes. Deutschland ist Weltmeister im Mixed – wie schon bei den drei Wettbewerben zuvor in Falun (2015), Lahti (2017) und Seefeld (2019).

Für Anna Rupprecht war es die WM-Premiere, und bei dieser setzte sie sich gleich die Krone auf. "Es ist unglaublich, was Anna geleistet hat", sagt Bundestrainer Andreas Bauer. "Anna war gemeinsam mit Katharina Althaus das Zünglein an der Waage. Wenn sie nur 96 Meter gesprungen wäre, wären wir nur Zweiter geworden." Gesprungen ist die Gmünderin aber starke 98,5 Meter. "Sie ist komplett über sich hinausgewachsen", sagt Bauer. Rupprecht sei nicht nur weit gesprungen, sie habe zudem einen Telemark gesetzt und dreimal die Note 18,0 erhalten. "Das hat sie vorher noch nie bei einem Wettkampf bekommen", so der Bundestrainer.

Wir hatten so viel Vorsprung ...

Ich denke, wir werden Vierter!

Anna Rupprecht vor dem Mixed

Anna Rupprecht war hinterher wie immer: offen und ehrlich. "Ich habe keine Ahnung, wie ich das gemacht habe ....", sagte sie sichtlich bewegt. "Ich hätte doch nie damit gerechnet, dass wir Gold holen." Aber schon nach dem ersten Durchgang sei ihr klar gewesen, dass es eine Medaille wird. "Wir hatten so viel Vorsprung, so viel konnten wir gar nicht mehr falsch machen." Sie sei deshalb auch entspannt in den zweiten Durchgang gegangen. Einziger Wermutstropfen: Wegen der Pandemie war die große Feier hinterher nicht machbar. "Ich habe mit den Teamkollegen im Hotel angestoßen und nach meiner Heimkehr mit meinem Freund daheim."

Inzwischen ist wieder der Alltag eingekehrt. Am Freitag stand ein Training in Oberstdorf auf dem Programm. "Anna ist sehr, sehr gut gesprungen", sagt Bauer. Und am kommenden Freitag geht's zum Weltcup nach Russland. "Mit dem WM-Titel in der Tasche werde ich dort mit viel mehr Selbstvertrauen antreten."

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