Epilepsie braucht Offenheit

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Oberärztin Tanja Weisbrod, hier auf dem 14. Gmünder Epilepsietag im vergangenen Jahr, ist Patin des Selbsthilfegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V.

Zum 15. Gmünder Epilepsietag wird am Samstag, 16. Oktober, von 14 bis 17 Uhr in die Dietrich Bonhoeffer Schule eingeladen. Es ist eine Informationsveranstaltung für Betroffene, Angehörige und Mediziner.

Schwäbisch Gmünd. Organisiert wird der 15. Gmünder Epilepsietag von der Selbsthilfegruppe für Anfallskranke in Schwäbisch Gmünd und Umgebung e.V. (SHG) mit der Patin der SHG, Oberärztin Tanja Weisbrod vom Stauferklinikum Schwäbisch Gmünd. „Wir freuen uns so richtig, nach einem Jahr der corona-bedingten Abstinenz wieder ein informatives und umfassendes Programm auf die Beine gestellt zu haben“, so Klaus Meyer, Vorsitzender der Selbsthilfegruppe.

Die Dietrich Bonhoeffer Schule ist gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar (Unterm Buch 1, beim mömax Möbelhaus). Die SHG weist darauf hin, dass die Teilnahme nur mit 3G-Nachweis möglich ist. Es besteht Maskenpflicht. Für das leibliche Wohl ist corona-gerecht gesorgt. Der Eintritt ist frei.

Den Auftakt der Veranstaltung macht der Facharzt für Neurologie Dr. med. Dieter Dennig aus Stuttgart mit dem Vortrag „Epilepsie braucht Bewegung: Chancen und Risiken beim Sport“. Menschen mit Epilepsie treiben viel weniger Sport als andere und setzen sich daher langfristig zusätzlichen Risiken eines Bewegungsmangels aus. Dem muss von Beginn der Erkrankung an vorgebeugt werden. Es gibt viele Sportarten, die von Menschen mit Epilepsie ohne höheres Risiko betrieben werden können. Dazu müssen sie laut Dr. Dennig aber gut beraten und motiviert werden.

Neben den medizinischen Aspekten ist es bei den Gmünder Epilepsietagen auch immer ein Anliegen, die sozialen Auswirkungen der Epilepsie zu betrachten. Hierzu wird Benjamin Sturm über seine Erfahrungen mit Sport und Epilepsie berichten.

Nach der Pause beschäftigt sich Dr. Dennig in seinem zweiten Vortrag mit dem Thema der plötzlich unerwarteten Todesfälle bei Menschen mit Epilepsie (Sudden unexspected death in epilepsy - SUDEP). Sie stellen eine erhebliche Bedrohung für einen Menschen dar, der an Epilepsie erkrankt ist. SUDEP tritt vor allem auch bei jüngeren Betroffenen ein. Lange Zeit wurde darüber in epileptologischen Kreisen nicht gesprochen, obwohl SUDEP-Fälle schon seit über 100 Jahren bekannt sind und beschrieben wurden. Dr. Dennig berichtet in seinem Vortrag, dass nur durch offenes Ansprechen der Möglichkeit des SUDEP mit den dafür bestehenden Risikofaktoren solche plötzlichen Todesfälle bei Epilepsie verhindert werden können, wenn auch leider bisher nicht in allen Fällen.

Es besteht die Möglichkeit, nach den Vorträgen Fragen an Dr. Dennig und an Benjamin Sturm zum Thema zu stellen. Zum Abschluss hält Anne Kienle von der SHG das Schlusswort.

„Epilepsie benötigt Offenheit“, so Klaus Meyer, 1. Vorsitzender der SHG für Anfallskranke. Dieser Anspruch ist noch nicht Bestandteil der Gesellschaft. Betroffene und Angehörigen spüren die Vorurteile und der Stigmatisierung durch dieses Krankheitsbild. Die Selbsthilfegruppe ist stolz, mit der Oberärztin Tanja Weisbrod (Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin am Stauferklinkum, Neuropädiaterin) eine Patin an der Seite zu haben, die stets mit Rat und Tat zur Verfügung steht. „Ohne sie wäre eine solche Veranstaltung gar nicht möglich“, stellt Meyer abschließend fest.

Eine aktive Auseinandersetzung mit dem Krankheitsbild ist notwendig. Hier sieht die Selbsthilfegruppe ihre Aufgabe. Neben dem regelmäßigen Gruppenabend (jeweils am letzten Mittwoch im Monat um 19 Uhr) bietet sie einen weiteren Service an. Am 2. und 4. Donnerstag im Monat bietet man Sprechstunden in der Zeit von 16 bis 17.30 Uhr an. Corona-bedingt mussten sowohl die Gruppenabende als auch die Sprechstunden bisher ausgesetzt werden. pm

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