Harte Arbeit und Vergnügen

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Ein Höhepunkt des Kalten Markts ist der große Festumzug, bei dem die Ellwanger Bürgergarde nicht fehlen darf.

Josef Graf besucht seit 70 Jahren den Kalten Markt. Er ist stolz auf seine vielen prämierten Siegerstuten und erinnert sich hier an seinen ersten Besuch.

Westhausen-Immenhofen. Seit mehrals 70 Jahren besucht der passionierte Pferdenarr Josef Graf den Kalten Markt in Ellwangen. Dass der heuer das zweite Mal hintereinander ausfällt, tut Graf schon weh. „Man trifft so viele alte Bekannte auf dem Kalten Markt und kann an jeder Ecke ein Schwätzle halten“, sagt Graf.

Mit zehn Jahren durfte der Immenhofener zum ersten Mal mit auf den Kalten Markt. „Das war für mich ein aufregendes und prägendes Erlebnis, das mich bis heute nie wieder losgelassen hat“, erinnert sich Josef Graf. Dabei wäre ihm sein Debüt auf dem Kalten Markt von seinem damaligen Schullehrer fast nicht vergönnt gewesen. Lernen gehe nun einmal vor Vergnügen, so die Meinung des Dorflehrers. Sein Vater konnte den Lehrer jedoch glücklicherweise davon überzeugen, dass der Kalte Markt alles andere als ein Vergnügen ist. „Das ist harte Arbeit. Denn bevor es überhaupt auf den Markt gehen kann, müssen die Pferde und Rindviecher fein herausgeputzt werden. Sonst kauft sie ja keiner“, so der Hofbesitzer. Neue Hufeisen, striegeln, Führen lernen und wieder striegeln. Das ganze Pferd muss glänzen.

Im Stroh übernachtet

Bei seinem ersten Besuch ging es gleich mit sieben Pferden auf den Markt. Es lag viel Schnee und so wurden die Schlitten angespannt und los ging's über die Dörfer und Weiler in Richtung Ellwangen, zum Ochsenwirt in der Stadt, wo der Vater von Josef Graf immer ein paar Boxen für die Pferde reserviert hatte. Bei Ankunft mussten zuerst die Pferde versorgt und gestriegelt werden, bevor man sich selbst ins Vergnügen stürzen konnte. „Der Reiterball in der Turnhalle, der war schon was. Da ging es immer erst um 1 Uhr heim und übernachtet wurde im Stroh. Und am frühen Morgen wurde man wieder zeitig geweckt, um die Pferde zu striegeln“, erzählt Graf.

Sein Vater war zu dieser Zeit Vorstand des Pferdezuchtvereins Aalen-Ellwangen und darüber hinaus auch Preisrichter. „Einen Vorteil hatte ich davon nie“, betont Josef Graf. Sein Vater hatte es immer tunlichst vermieden, seinen Sohn bewerten zu müssen.

Damals fand der Kalte Markt auf einer Freifläche statt, wo heute das Kino und der Netto-Markt stehen. Ende der 50er-Jahre wurde die Stutenprämierung dann auf den Schießwasen verlegt.

Josef Graf ist das, was man einen richtigen Pferdeversteher nennt. Für einige Jahre begab er sich zur Ausbildung in das Landesgestüt von Baden-Württemberg in Marbach. „Dort habe ich großartige Erfahrungen mit Pferden gesammelt – und habe ordentlich Reiten gelernt“, so Graf. Seine Ausbildung hat ihm später unter anderem zum württembergischen Meister im Vielseitigkeitsreiten verholfen. „Null Fehlerpunkte und die beste Zeit habe ich da gemacht. Und das unter 150 Teilnehmern. Mein Pferd, die Diana, und ich waren ein Supergespann“, schwärmt Graf noch heute von dem Reitwettbewerb in Langenau.

Dort hatte er auch ein sehr emotionales Erlebnis. „Nach dem Turnier kam ein älterer Mann um die 80 auf mich zu und gratulierte mir zu meinem Sieg. Dabei übergab er mir einen besonderen Pokal, eine Pferdeskulptur, gegossen und geschmiedet aus Eisen. Datiert war die Skulptur auf 1866. Diesen Pokal, so berichtete er mir, sollte er an einen talentierten jungen Reiter weitergeben. Er selbst habe diesen vor vielen Jahren auch so bekommen mit dem Versprechen, ihn dann weiterzureichen. Nun liegt es an mir, diesen Pokal weiterzugeben. Noch warte ich auf den richtigen Augenblick“, erzählt Josef Graf und betrachtet den Pokal mit viel Liebe und Respekt. Und da fällt ihm zum ersten Mal auf, dass es sich bei der Pferdeskulptur um einen Hengst handelt. mab

Die Gespanne sind eine besondere Attraktion auf dem Schießwasen sowie beim großen Festumzug.?
Josef Graf durfte zum ersten Mal vor 70 Jahren den Kalten Markt besuchen und ist bis heute immer dabei.
Von ihrer besten Seite sollen sich die Stuten bei der Prämierung auf dem Kalten Markt zeigen.
Wäre nicht Corona, würden Tausende die Straßen säumen, wenn Reiter, Gespanne und Musikkapellen durch die Stadt ziehen.

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