„Ellwangen hält zusammen“ wird gelebt

City-Managerin Verena Kiedaisch informiert, wie Handel und Gewerbe in Ellwangen die Corona bedingten Schließungen gemeistert haben und wie es nach dem Ende des Shutdowns in der Stadt weiter gehen soll.
  • Reges Treiben herrscht wieder auf dem Ellwanger Wochenmarkt vor der Basilika. Foto: AK

Ellwangen. Die Einschränkungen durch die Coronakrise haben die Geschäftswelt, das Gewerbe und den Einzelhandel in den vergangenen Wochen arg gebeutelt. In einem ausführlichen Interview spricht Ellwangens City-Managerin Verena Kiedaisch im Interview mit unserem Mitarbeiter Achim Klemm wie der Handel die schwere Zeit überbrückt hat und was für die Zukunft alles angedacht ist.

Wie haben sich die Geschäftsleute mit den Einschränkungen arrangiert in den rund acht Wochen, wo nahezu alles heruntergefahren wurde?

Verena Kiedaisch: Die Verordnung des Landes, wodurch viele Geschäfte und Gastronomiebetriebe schließen mussten, kam im März sehr kurzfristig. Das hat die Betriebe und auch die Stadtverwaltung erst mal vor enorme Herausforderungen gestellt, denn es gab viele Unklarheiten und offene Fragen. Wer zum Beispiel offen haben darf und wer nicht. Besonders schlimm hat es zum Beispiel die Reisebüros getroffen, die nicht nur keine Einnahmen hatten, sondern mit Stornierungen oder Rückholaktionen der Urlauber zusätzlichen personellen und finanziellen Aufwand hatten. Vielfach haben die Betriebe Soforthilfen oder Kredite in Anspruch genommen. Viele Unternehmen aus Handel und Gastro haben sehr schnell und gut reagiert. Abhol- und Lieferdienste wurden ins Leben gerufen. Die Betriebe haben die sozialen Medien intensiv genutzt. Die Ellwanger Betriebe haben die enormen Herausforderungen nach meiner Meinung sehr gut gemeistert.

Wie haben die Geschäfte die schwere Zeit überbrückt?

Verena Kiedaisch: Wir sind jetzt noch lange nicht im „Vor-Corona-Bereich“. Reisebüros können zum Beispiel noch nicht so richtig wieder Reisen anbieten und auch nicht jeder Betrieb darf öffnen. Fitnessstudios haben bis Anfang Juni geschlossen und auch die Übernachtungsbetriebe sind bis Pfingsten für den touristisch Reisenden noch zu. Die Kunden und Gäste sind noch vorsichtig und zurückhaltend beim Shoppen und Essen gehen. In Ellwangen haben viele Betriebe die Corona-Soforthilfe in Anspruch genommen und auch die besonderen Kreditangebote des Landes angefragt. Die Soforthilfe hat sicher etwas geholfen, um zum Beispiel Mieten zu zahlen. Aber bei einigen war es der sogenannte Tropfen auf den heißen Stein, der aber trotzdem half, die Corona-Krise fürs Erste zu überstehen. Das Land hat jetzt mit dem „Corona-Schutzplan“ weitere finanzielle Unterstützungen angekündigt. Wichtig ist jetzt ganz einfach, dass die Betriebe wieder regelmäßige und gute Einnahmen haben, indem die Kunden einkaufen, essen gehen und Dienstleistungen in Anspruch nehmen.

Wie geht es jetzt weiter, da die Geschäfte wieder geöffnet haben?

Verena Kiedaisch: Die Kunden freuen sich, dass sie den persönlichen Service und die Beratung in den Geschäften wieder in Anspruch nehmen und einkaufen können. Die Schutzmaßnahmen stellen für die Kunden und Geschäftsbetreiber eine Herausforderung dar. Insbesondere für die Gastronomie bedeutet dies erheblichen Mehraufwand. Ich habe aber den Eindruck, dass sich verhaltener Optimismus breitmacht. Aber die Lage bleibt nach wie vor unsicher.

Gibt es Geschäfte, die wirklich zu kämpfen haben und denen eine Schließung droht?

Verena Kiedaisch: Die Textiler hatten zum Beispiel zum Zeitpunkt der Schließungen die Frühjahrs- und Sommermode in den Geschäften, konnten aber ihre Saisonware über die vielen Wochen nicht verkaufen. Ob Schließungen aufgrund der Corona-Krise drohen, kann ich nicht beurteilen. Handel und Gastronomie sind auf jeden Fall motiviert weiterzumachen, um gemeinsam mit ihren Kunden und Gästen die schwere Zeit zu meistern.

Was ist vonseiten des Citymanagements und der Stadt aus geplant? Was für Veranstaltungen und Aktionen sollen für eine Belebung sorgen?

Verena Kiedaisch: Die Planung und Durchführung von Veranstaltungen ist für uns derzeit natürlich extrem schwierig, denn wir müssen uns an die Corona-Auflagen halten. Für den 20. September haben wir den verkaufsoffenen Sonntag unter dem Motto „Made by Hand“ vorgesehen, den wir bereits seit Monaten vorbereiten. Die Realisierung dieser Veranstaltung wäre ein sehr positives Signal. Wir hoffen, dass Großveranstaltungen ab Anfang September wieder möglich sind.

Wie kann man die Leute wieder für sich gewinnen, noch mehr in die Stadt locken und zum Kaufen animieren?

Verena Kiedaisch: Erst einmal möchte ich an alle Kunden ein herzliches Dankeschön richten, die nach der Wiedereröffnung so zahlreich in die Geschäfte gekommen sind, um einzukaufen. „Ellwangen hält zusammen“ wird gelebt. Die Treue der Kunden werden wir in den nächsten Wochen mit einer Aktion von „Pro Ellwangen“ belohnen, die aktuell in der Vorbereitung ist. Lassen Sie sich überraschen. Auch unsere digitalen Angebote haben natürlich weiterhin Bestand. Von städtischer Seite aus bieten wir seit dem Shutdown dem Handel und der Gastronomie an, über ihre Angebote kostenlos auf der städtischen Homepage zu informieren. Wir nutzen die Facebook-Seite des Stadtmarketings „Ellwangens Beste Seiten“ sehr intensiv dafür, Ellwangen mit seinen Einkaufsmöglichkeiten, der Gastronomie und Freizeitangeboten zu bewerben. Passend dazu gibt es das Magazin „Ellwangens Beste Seiten“ und die Homepage: www.ellwangens-beste-seiten.de. Neben unterhaltsamen Geschichten finden die Leser hier auch ein umfassendes Branchenverzeichnis mit Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie in Ellwangen.
Ellwangen, Aalen und Schwäbisch-Gmünd haben vor einigen Wochen gemeinsam mit der SDZ-Medien die Plattform „Hallo-Ostalb.de“ ins Leben gerufen. Hier sind viele Ellwanger Betriebe vertreten. Die Kunden können sich über das Unternehmen informieren, sie können online Gutscheine kaufen und in ersten Webshops kann auch online eingekauft werden. Auch damit möchten wir neue Kunden und Gäste in Ellwangen gewinnen. Unsere Stadt bietet eine sehr hohe Aufenthaltsqualität. Ich kann nur alle Leserinnen und Leser einladen, Ellwangen zu besuchen und sich hier richtig wohlzufühlen.

© Schwäbische Post 28.05.2020 14:18
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