Lebensader des Ostalbkreises

Das letzte Teilstück der A7 zwischen Fichtenau und Heidenheim wurde im Dezember 1987 offiziell eröffnet. Ohne das Engagement der Bürger wäre sie vielleicht nie gebaut worden.
  • Längster Parkplatz im Ostalbkreis: Drei Monate vor der Eröffnung der A7 hatten die SchwäPo und der Musikverein Westhausen zum Fest im Agnesburgtunnel geladen und Tausende kamen. Foto: Archiv

Ostalbkreis. Eine kleine Frage zum Einstieg: Was glauben Sie, in welchem Jahr wurden die ersten Planungen für eine „Kraftwagenstraßenverbindung“ zwischen Würzburg und Ulm erstellt? – Das war 1926! Also 61 Jahre vor der Freigabe des letzten Teilstücks der A7 zwischen Heidenheim und Feuchtwangen im Dezember 1987.

Das Jahrhundertwerk

Vor 30 Jahren, als endlich der Verkehr auf Deutschlands längster Autobahn von Dänemark bis Österreich Fahrt aufnahm, war von einem Jahrhundertwerk die Rede. Das lag nicht nur an der langen Vorlaufzeit, sondern auch an den enorm hohen Kosten des seinerzeit gigantischsten Autobahnbauwerks der Republik. 600 Millionen Mark kostete dieses letzte Teilstück der A7, davon entfielen allein 150 Millionen Mark auf den Albaufstieg mit dem 650 Meter langen Agnesburgtunnel bei Westhausen. Kräftig zu Buche schlugen auch der 460 Meter lange Virngrundtunnel oder die 550 Meter lange und 19 Meter hohe Jagsttalbrücke. An den Kosten drohte das Projekt dann sogar noch im Jahr 1981 zu scheitern. 152.000 Bürger aus Ostwürttemberg und dem benachbarten Bayern beteiligten sich deshalb an einer Unterschriftenaktion pro A7. Die Listen wurden dem Bundesverkehrsministerium in Bonn übergeben. Es hat geholfen.

In die Mitte Europas gerückt

Als vor 30 Jahren der Lückenschluss an dieser letztlich für ganz Deutschland wichtigen Straße vollzogen wurde, war die Wichtigkeit dieser Infrastrukturmaßnahme noch nicht abzuschätzen. Heute weiß man, dass sich ohne die Autobahn A7 das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben in der Region in eine andere Richtung entwickelt hätte. An dieser Hauptverkehrsader, die im Grunde Skandinavien mit Italien verbindet, ist Ostwürttemberg gewissermaßen in die Mitte Europas gerückt. Ohne diese Nord-Süd-Achse wäre heute die heimische Wirtschaft in der harten Standortkonkurrenz chancenlos.

300 Hektar Land versiegelt

Dass sich die Bürger in den 80er-Jahren derart für den Bau einer Autobahn einsetzten, war beispiellos. Es soll aber nicht unterschlagen werden, dass nicht jeder mit dem massiven Eingriff in die ländlich geprägte Landschaft einverstanden war. Insgesamt verschwanden unter der Autobahn rund 300 Hektar Land. Und die Folgen für die durchschnittenen Waldgebiete oder Auswirkungen auf das Grundwasser waren nicht abzusehen.

Im Bus zur Baustelle

Der Bau der Autobahn trieb auf der Ostalb aber noch ganz andere Blüten. In Bussen wurden Ausflügler aufs Härtsfeld zur Baustellenbesichtigung gefahren. Etliche nutzten – natürlich vor der Freigabe für den Verkehr – die A7 für Radfahrten, Wanderungen und sogar für Langlauftouren. Kurz vor der Eröffnung, im September 1987, haben die Schwäbische Post und der Musikverein Westhausen sogar zu einem zweitägigen Tunnelfest in den Agnesburgtunnel geladen – SchwäPo-Fahrrad-Sternfahrt inklusive.

Glücksfall für Geologen

Und wenn an den Wochenenden die Arbeit auf der Baustelle ruhte, fielen Heerscharen von Geologen und Fossiliensammler ein. Begeistert war die Bauleitung von den Scharen der Hobbygeologen nicht. Die Angst war groß, dass sie auf der Baustelle verunglücken könnten. Für die Profi-Geologen war der Autobahnbau quer durch die Schichten des Jura jedoch ein Glücksfall. Unter anderem wurden Knochen eines Fischsauriers freigelegt. Hartnäckig halten sich Gerüchte, es seien von den Straßenbauern noch andere Saurierfunde gemacht worden. Diese seien aber nicht publik gemacht worden, um den Baufortschritt nicht zu bremsen.

Eine Kollegin, rund drei Jahrzehnte alt, zeigte sich dieser Tage sehr erstaunt ob der Tatsache, dass die Autobahn durch Ostwürttemberg erst seit 1987 existiert. Für sie, und wohl für die meisten Bewohner im Ostalbkreis, ist die Region ohne diese Verkehrsader undenkbar.

Noch eine kleine Bemerkung zum Schluss: Schon vor der Freigabe der A7 forderten die Vertreter der Kommunen, des Ostalbkreises und der Wirtschaft den zügigen Ausbau der B29. Wenn man dann an die 61 Jahre Planung und Vorbereitung für die Autobahn A7 denkt ... wom

© Schwäbische Post 24.11.2017 14:27
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