Streiks in der Gebäudereinigungsbranche: Das ist der aktuelle Verhandlungsstand

  • Gegen die Mogelpackung mit vereinten Kräften: Es drohen massive Streiks in der Gebäudereinigungsbranche.

Schon seit einiger Zeit herrscht Uneinigkeit in der Gebäudereinigungsbranche. Bereits seit letztem Jahr gibt es Streitigkeiten bezüglich tariflicher Details. Jetzt wurde sogar der Rahmentarifvertrag von Bundesinnungsverband gekündigt. Inzwischen hat sich die Situation verschärft, sodass es nicht mehr nur um die fehlende Zahlung von Überstundenzuschlägen geht. Dieser Beitrag verrät, was aktuell in der Branche vor sich geht, woher die Problematik rührt und was im letzten Jahr bereits passiert ist.

Schon im vergangenen Jahr gab es Proteste in der Branche
Keine Frage, die Gebäudereiniger sorgen für eine saubere Winterzeit. Insbesondere in dieser Jahreszeit sind Schmutz und Dreck auf Böden und Fenstern keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Durch die Gebäudereiniger ist das Objekt nicht zur gewünschten Zeit sauber und vorzeigefähig, sondern ebenso langfristig wertbeständig. Dass diese Arbeit mit einer ordentlichen und fairen Bezahlung verbunden sein sollte, steht außer Frage. Leider waren sich die Parteien im November letzten Jahres nicht so einig darüber.

Ungefähr eine halbe Million Menschen sind hierzulande in der Gebäudereinigung tätig. 2018 forderten sie ein 13. Monatsgehalt. Die Forderung nach Weihnachtsgeld wurde vom Bundesinnungsverband des Gebäudereiniger-Handwerks abgelehnt. Sie wiesen auf die Tatsache hin, dass es bereits 2020 zu Erhöhungen des Lohns kommt, welche außerdem zu einem Ausgleich zwischen West und Ost führen sollen. Außerdem vertraten die Arbeitgeber, die Aussage, dass wirtschaftlich kein Spielraum für ein tarifliches Weihnachtsgeld wäre. Die IG BAU setzte sich dennoch für eine zusätzliche Zahlung ein und rief die Arbeitnehmer zu einem bundesweiten Warnstreik auf. Am 24.11.2018 wurde der Streik durch die IG BAU ohne Weihnachtsgeld beendet.

Was ist der Anlass für die erneuten Unstimmigkeiten?
Aktuell ist die Unzufriedenheit der Arbeitnehmer in der Gebäudereinigungsbranche erneut groß. Grund dafür sind neue Arbeitsverträge, die unverschämte und zum Teil schlechtere Konditionen enthalten als vorher.

Dabei geht es beispielsweise um:

  • weniger Urlaub,
  • noch mehr gestrichene Zuschläge und
  • mehr Arbeit auf Abruf.

Der Gebäudedienstleister Krüger & Krüger Facilities Services GmbH hat in diesem Zusammenhang, den Rahmentarifvertrag und den Lohntarifvertrag für alle Beschäftigen der Branche ausführlich und leicht verständlich erklärt. Diese Informationen für Arbeitnehmer sollen dazu dienen, dass jeder Gebäudereiniger über seine Rechte und Pflichten bestens aufgeklärt ist. Auch die IG BAU ruft die Mitarbeiter dazu auf, diese extremen Veränderungen in den Arbeitsverträgen nicht einfach hinzunehmen. Erneut drohen massive Streiks der Reinigungskräfte.

Allgemeines zum Branchenprofil der Gebäudereinigung
Inzwischen hat die Gebäudereinigung das veraltete Klischee der sogenannten „Putzkolonnen“ abgelegt. Immerhin arbeiten viele Betriebe auf hochqualitativer Basis und haben spezielle Methoden entwickelt, um das beste Ergebnis für den Kunden zu erzielen. Laut diesem Branchenreport ist die Gebäudereinigung auch für neue Geschäftsmodelle im Zuge der Digitalisierung wie geschaffen. Dennoch hat sich in den letzten Jahren keine Besserung in puncto Arbeitsbelastung entwickelt. Studien zufolge führt eine zu hohe Arbeitsintensität zu gesundheitlichen Risiken.

Auch, wenn der Jahreswechsel grundsätzlich einen höheren Mindestlohn für Gebäudereiniger gebracht hat und Azubis besser bezahlt werden, hat sich an den allgemeinen Bedingungen für die Arbeitnehmer nichts geändert. Problematisch ist das vor allem auch für Zuwachs in der Branche, denn durch die unattraktiven Rahmenbedingungen wirkt die Arbeit nicht gerade anziehend auf den Nachwuchs.

Dumping-Methoden sind hier definitiv der falsche Weg. Anerkennung wäre wichtig. Es geht darum, dass die Gebäudereiniger für ihre Arbeit geschätzt werden möchten. Sie fühlen sich wie Arbeitnehmer zweiter Klasse und arbeiten wohl in der untersten Lohngruppe. Dabei ist die Arbeit als andere als leicht und auch die allgemeine Bezahlung in der Branche reicht nicht aus, um damit reich zu werden. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Arbeitsnehmer ein tarifliches Weihnachtsgeld fordern.

So sieht die aktuelle Situation aus und das tut die IG Bau für die Branche
Aktuell lief seit dem 15. August eine Verhandlung zum Tarif mit der IG BAU. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat es allerdings an dieser Stelle noch kein Ergebnis gegeben, das alle Beteiligten zufriedenstellt. Aus diesem Grund drohen mittlerweile bundesweite Streiks in verschiedenen Objekten. Dass allerdings eine schnelle Lösung hermuss, ist spätestens seit dem 31. Juli deutlich, denn an diesem Tag wurde der bis dato gültige Rahmentarifvertrag vom Bundesinnungsverband gekündigt.

Aus diesem Grund können Arbeitgeber auch aktuell neue Verträge aufsetzen, die sich nicht mehr an die bis noch vor kurzem geltenden Standards halten. Weniger Urlaub, gestrichene Zuschläge und ständiger Arbeitsabruf sind die Folge, was den Arbeitnehmern immer mehr zu schaffen macht. Insbesondere beim Urlaub ist die Streichung eine Zumutung. Statt den bisher 28 oder 30 Urlaubstagen sollen Mitarbeiter jetzt nur noch das gesetzliche Minimum von 20 freien Tagen erhalten. Bei den gestrichenen Zuschlägen handelt es sich um Überstunden und spezielle Aufgaben wie OP-Reinigungsarbeiten.

Die IG BAU setzt sich seit jeher für die Interessen und Rechte der Gebäudereiniger ein, wie dieser Folder deutlich macht. Tarifverhandlungen gehören zum Spezialgebiet der Gewerkschaft. Dass aktuell noch keine Lösung erzielt wurde, ist zwar belastend, aber zeigt auch, dass das letzte Wort in dieser Angelegenheit nicht ganz so einfach zu sprechen ist, wie gedacht.

Darüber hinaus kümmert sich die IG BAU wie folgt um seine Mitglieder:

  • Absicherung für Beruf und Freizeit,
  • kostenlose Weiterbildungen, Workshops und Seminare,
  • Vorteile bei 32 Partnern,
  • günstiger Urlaub und
  • Rechtsschutz, der im Mitgliedsbeitrag enthalten ist.

Bis September müssen Arbeitnehmer der Gebäudereinigungsbranche aktuell weiterbangen. Denn erst am 30.09.2019 wurde ein neuer Termin zu weiteren Tarifverhandlungen angesetzt. Übrigens ist auch das schon im letzten Jahr geforderte Weihnachtsgeld ein Thema der Debatten, welches bei den Verhandlungen als einer der schwierigsten Punkte gehandhabt wird. Angeblich sei es laut Arbeitgebern zu schwer, dieses zu finanzieren.

Ausblick: Wie wird es weitergehen und wann ist mit einer Einigung zu rechnen?
Wann, wie und wo mit einer Einigung und einem neuen gültigen Tarifvertrag zu rechnen ist, steht momentan nicht fest. Was jedoch sicher ist, ist, dass die Stimmung im Lager der Arbeitnehmer zusehends schlechter wird, insbesondere im Hinblick auf die verschlechterten Konditionen in den Arbeitsverträgen. Die IG BAU hat dazu aufgerufen, diese Einschnitte nicht hinzunehmen, weshalb erneute bundesweite Warnstreiks in der Gebäudereinigungsbranche nicht auszuschließen sind.

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© Schwäbische Post 22.08.2019 11:16
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