Vom Rohstein zum Schmuckstück

Edelsteinschleiferin Lea Übel ist steinreich – zumindest was das funkelnde Material während ihrer Arbeit betrifft. Die 20-Jährige hat in der Schmuckindustrie von Idar-Oberstein ihren Traumberuf gefunden.
  • Foto: Thomas Frey/dpa-mag

Smaragde, Saphire, Rubine – Lea Übel hat täglich das in der Hand, wovon viele ihr Leben lang träumen. Denn die 20-Jährige absolviert eine Ausbildung zur Edelsteinschleiferin bei der Firma Groh und Ripp in Idar-Oberstein. „Das ist Feinarbeit, für die man viel Geduld mitbringen muss“, sagt Übel.

Angehende Edelsteinschleifer benötigen ein ausgeprägtes räumliches Vorstellungsvermögen, Fingerfertigkeit und die Gabe, gut beobachten zu können. „Man braucht ein geschultes Auge, um zum Beispiel das Material exakt auf Risse und Einschlüsse zu prüfen und zu bearbeiten und um aus den Rohstoffen herausragende Produkte herzustellen“, sagt Jörg Lindemann. Er ist Geschäftsführer des Bundesverbandes der Edelstein- und Diamantindustrie.

Die Ausbildung zum Edelsteinschleifer wird derzeit neu geordnet, erklärt Brigitte Seyfried vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Ein Grund für die Änderungen ist der technische Fortschritt: So werden Edelsteine zum Beispiel zunehmend mit computergesteuerten Maschinen bearbeitet.

Die Neuordnung tritt voraussichtlich zum 1. August 2018 in Kraft. Schon jetzt benötigen Bewerber und Azubis aber ein gutes technisches Verständnis, um Edelsteine maschinell oder mit dem Laser bearbeiten zu können. Das ist auch Thema in der Berufsschule - neben weiteren Informationen über kostbare Steine natürlich. „Faszinierend ist, wie viele unterschiedliche Edelsteine es gibt und welche Farbenspiele mit dem Schleifen erzielt werden können“, sagt Übel.

Ganz nach Kundenwunsch

Ein klassischer Arbeitstag für einen Edelsteinschleifer sieht so aus: Die Fachkräfte schauen sich vorliegende Kundenbestellungen an und sichten dann die Rohsteine. Anschließend werden die Stücke je nach Verwendung zerteilt oder in Form gebracht. Gibt es Unebenheiten oder Risse, müssen sie weggeschliffen werden. Erst dann wird der Stein genau in die vom Kunden gewünschte Form und Größe gebracht, um seine Brillanz auch vollständig entfalten zu können.

Faszinierend ist, wie viele unterschiedliche Edelsteine es gibt und welche Farbenspiele mit dem Schleifen erzielt werden können.

Lea Übel
Auszubildende zur Edelsteinschleiferin

Nach dem Schleifen wird der Stein poliert. Das Cabochonieren, das Rundschleifen eines Steins, gehört ebenfalls zu den Tätigkeiten von Edelsteinschleifern. Außerdem schleifen sie den Stein in die Fassung eines Schmuckstücks hinein. Und natürlich gehört zu den Aufgaben eines Edelsteinschleifers auch die Kundenberatung.

Keine Tarifbindung

Die Vergütung ist je nach Ausbilder unterschiedlich. Im Handwerk sind Edelsteinschleifereien tariflich nicht gebunden. Lindemann verweist auf eine befragte Schleiferei, die zwischen 650 Euro monatlich im ersten und 750 Euro im dritten Ausbildungsjahr zahlt. In der Schmuck-, Uhren- und Edelmetallindustrie beträgt die Ausbildungsvergütung laut Bundesagentur für Arbeit zwischen 994 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr und 1.150 Euro im dritten Ausbildungsjahr.

Nach der Ausbildung sind Edelsteinschleifer in klassischen Schleifereien, aber teilweise auch in der Schmuckindustrie tätig. Das Einstiegsgehalt dort liegt oft zwischen 2.000 und 2.500 Euro, erklärt Lindemann.

Und wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, kann den Meister machen oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Lea Übel möchte aber erst einmal ihre Ausbildung zu Ende bringen und dann Berufserfahrungen sammeln: „Ein bestimmtes Karriereziel habe ich noch nicht, ich lasse alles auf mich zukommen“, sagt sie. Dann widmet sie sich ihren Steinen. dpa

© Schwäbische Post 04.01.2018 16:40
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