Über 200 Jahre gelebte und lebendige Festtradition

Mit der königlichen Genehmigung eines Messetags begann vor über 200 Jahren die Erfolgsgeschichte des größten Volksfests der Region.
  • Darauf muss 2020 verzichtet werden: Der große Festumzug durch die Bopfinger Altstadt ist alljährlich ein farbenprächtiger Höhepunkt der Ipfmesse. Archivfoto: opo

Bopfingen. Die Ipfmesse ist legendär, für fast alle Bopfinger ohnehin das Größte und ganz unbescheiden eines der bedeutendsten und beliebtesten Volksfeste in ganz Deutschland. Jedes Jahr strömen rund 250.000 Besucher in der ersten Juliwoche auf das Festgelände am Fuße des Ipfs, dem Bopfinger Hausberg.

Vom Jahre 1241 an bis ins Jahr 1806 behauptete Bopfingen seine Selbstständigkeit als Freie Reichsstadt. Dann wurde die Stadt dem Königreich Württemberg zugeschlagen. Schon lange wurden auf und unter dem Ipf Märkte abgehalten, doch erst im Königreich Württemberg beginnt die Geschichte der Ipfmesse, wie man sie heute kennt.

Eine Bitte steht am Anfang

Es war am 10. Juli 1811, als König Friedrich I. von Württemberg der Stadt Bopfingen mit seinem Besuch die Ehre erwies. An diesem Tag soll der König auch den Ipf bestiegen haben, auf dem – so wird vermutet – an jenem Tage in Markt stattgefunden haben soll. Rund ein Jahr später, am 24. Mai 1812, richtete der Stadtmagistrat ein Bittgesuch an den König. Die Bopfinger baten mit diesem Schreiben an ihren Landesherrn um das Recht, alljährlich ein Volksfest mit Markt auf dem Ipf abhalten zu dürfen. Vorgeblich als Jahres- und Gedächtnisfeier für den königlichen Besuch. Am Hofe erkannte man die Möglichkeit, dass so ein Markt der verschuldeten Stadt Bopfingen von Nutzen sei. Deshalb erging am 12. Juni 1812 die königliche Verfügung: „Der Stadt Bopfingen wird erlaubt, am 10. Juli einen Jahrmarkt abzuhalten, das Volksfest soll aber bei gegenwärtigen Zeiten noch ausgesetzt bleiben. Unser Minister des Innern wird das Weitere hiernach besorgen.“ Damit hatte die Stadt Bopfingen die Erlaubnis zur Ausrichtung der Ipfmesse.

Sonntags war Marktverbot

In den ersten Jahren der Ipfmesse waren oftmals geringe Besucherzahlen ein Handicap für den Marktumsatz – wenn der 10. Juli nicht zufällig auf einen Sonntag fiel, blieben die Besucher aus. Ab dem Jahre 1821 begannen deshalb Bemühungen um einen Ipfmess-Sonntag. Märkte waren jedoch nach altwürttembergischem Recht am Sonntag verboten. Daher kündigten die Bopfinger auch regelmäßig die „ausnahmsweise“ Abhaltung einer sonntäglichen Ipfmesse an. Aber schließlich wurde im Jahr 1839 der Sonntag als Bopfinger Messtag legalisiert.

Vom Sturm ins Tal gefegt

Der Stadt Bopfingen wird erlaubt, am 10. Juli einen Jahrmarkt abzuhalten.

König Friedrich I. in einer Verfügung vom 12. Juni 1812

Bis 1837 wurde die Ipfmesse auf dem Plateau des Ipfs veranstaltet, 200 Meter über der Stadt. Wäre das so geblieben, hätte sich das Fest wahrscheinlich nicht zu seiner heutigen Größe entwickeln können. Die Überlieferung macht für die Verlegung auf den Sechtaplatz im Jahre 1837 einen fürchterlichen Sturm verantwortlich. Der soll unter den Mess-Buden auf dem Ipf, die keinen Schutz vor dem Wind hatten, erhebliche Zerstörung angerichtet haben.

Ein weiteres Hindernis für rentierliche Einkünfte, vor allem für die Händler und Schausteller von außerhalb, war die kurze Dauer des Marktes. Im Jahre 1842 erhielt die Stadt Bopfingen deshalb die Erlaubnis, den bisherigen Vieh- und Kramermarkt im Oktober auf den Ipfmess-Montag zu verlegen. Beim Ipfmess-Montag gehört heute die alljährliche Bauernkundgebung zum festen Programm.

1904 kam es zur Genehmigung des Ipfmess-Dienstags, der sich schon Jahre zuvor als zusätzlicher Mess-Tag eingeschlichen hatte. Heute ist es der Einkaufstag der Ipfmesse. 1961, zur 150. Ipfmesse, kam noch ein vierter Tag, der Ipfmess-Samstag, hinzu. 1991 erhielt die Ipfmesse schließlich einen fünften Messtag, den Ipfmess-Freitag – bis heute der offizielle Beginn der Ipfmesse.

Doch die Bopfinger sind schon längst einen Schritt weiter. Seit einigen Jahren ist der inoffizielle Start der Ipfmesse bereits am Donnerstag, mit der großen Ipfmess-Countdown-Party. Mit ihren über 200 Jahren lebendiger Tradition wird die Ipfmesse auch die Corona-Pandemie überstehen.

Mehr Interesse? – Das Ipfmess-Buch ist etwas für Mess- und Geschichtsfans. Der Dokumentationsband „200 Jahre Ipfmesse“ ist ein Kompendium rund um die Geschichte der Ipfmesse und vollgepackt mit historischen Fotos. Das Buch ist für 24,80 Euro an der Pforte der Stadt Bopfingen erhältlich.

© Schwäbische Post 03.07.2020 15:59
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