Pandemie

Epidemiologin besorgt: Corona-Subvariante BA.5 führt zu steigenden Todeszahlen

+
Viele Corona-Regeln in Deutschland sind gefallen. Derweil greift eine besonders infektiöse Omikron-Subvariante um sich. (Symbolfoto)
  • schließen

Die Omikron-Subvariante BA.5 breitet sich weiter aus. Nicht nur die Corona-Neuinfektionen, auch die Todesfälle steigen. Die Impfstoffanpassung hinkt hinterher.

Frankfurt – Der Anteil der Omikron-Variante BA.5 an den Corona-Infektionen in Deutschland steigt immer weiter. Wie das Robert Koch-Institut in seinem letzten Wochenbericht mitteilte, ist sie inzwischen für knapp 66 Prozent der Neuinfektionen verantwortlich. In der Vorwoche hatte der Wert noch bei 52 Prozent gelegen.

Die gute Nachricht: Auch der Corona-Variante BA.5 sei beizukommen, wie die WHO-Epidemiologin Maria Van Kerkhove auf Twitter erklärt. Die Werkzeuge seien bekannt: Maske tragen, Distanz halten, ausreichend lüften und testen. Die Corona-Regeln in Deutschland sind allerdings deutlich lascher als etwa im vergangenen Jahr. So kann sich die Omikron-Subvariante laut der Expertin vor allem deshalb immer weiter ausbreiten, weil sich viele Menschen ohne Maske und Abstand treffen und sich Gruppen durchmischen.

Corona: BA.5 dominiert in Deutschland - Impfstoffe schneller anpassen?

Die schlimmste Folge der steigenden Corona-Zahlen: „Auch die Todefälle stiegen in den vergangenen fünf Wochen an“, erklärt Van Kerkhove. Hintergrund sei, dass viele Infizierte nicht oder nicht ausreichend geimpft seien. Bereits jetzt werden Rufe laut – etwa von Gernot Marx, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) - nach einer fünften Corona-Impfung im Herbst für ältere Menschen. Dabei sind die Impfstoffe noch nicht auf Omikron-Varianten wie BA.5 angepasst.

Angesichts des Wettrennens zwischen Virus und Impfstoffen ist in der Diskussion, ob das Zulassungsprozedere beschleunigt werden sollte. Biontech-Chef Uğur Şahin ist dafür, wie er kürzlich der Financial Times sagte. Er sprach von vier Monaten Zeitvorteil durch ein Verfahren ohne zusätzliche klinische Studien, also beim Menschen. Die für die Zulassung in Europa zuständige Arzneimittelbehörde EMA hat vor einigen Wochen signalisiert, dass man in Abhängigkeit von den eingereichten Daten möglicherweise zu einem ähnlichen Rahmen wie bei der Grippeimpfung kommen könnte. Dabei müssten vor der Zulassung der jährlich aktualisierten Vakzine keine klinischen Daten vorgelegt werden. 

Omikron-Subvariante BA.5: Gesetz der großen Zahlen - Todesfälle steigen

Stand jetzt ist das jedoch noch Zukunftsmusik. Aktuell ist die Zahl der Corona-Neuinfektionen hoch, täglich sterben Menschen in Deutschland an einer Covid-Erkrankung. Und nicht nur hier: „Von den Top-50-Ländern, die einen Anstieg der Todeszahlen verzeichneten, verzeichneten 35 einen Anstieg um 100 Prozent oder mehr“, schreibt WHO-Epidemiologin Van Kerkhove. „Das sind nicht die Trends, die wir sehen wollen.“

Hintergrund muss aber nicht zwangsläufig eine höhere Pathogenität von BA.5 sein. Sicher ist: Das Virus ist infektiöser als frühere Varianten. Dadurch infizieren sich mehr Menschen, wodurch erneut die Gefahr einer Ansteckung steigt. Trifft das Corona-Virus dann auf Ungeimpfte aus Risikogruppen, kommt es mit höherer Wahrscheinlichkeit zu schweren Verläufen oder sogar dem Tod. Bedeutet: Hintergrund der steigenden Todeszahlen sind die hohen Infektionszahlen. Ob die aktuell vorherrschende Omikron-Subvariante tatsächlich auch krankmachender ist, das ist aktuell noch unklar. (fd)

Zurück zur Übersicht: Welt

Mehr zum Thema

Kommentare