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Zweiter Corona-Booster: Für wen die Impfung sinnvoll ist und für wen nicht

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Die Debatte über den zweiten Corona-Booster sorgt für Unsicherheit. Was spricht für die vierte Impfung? Was dagegen?

Frankfurt – In Deutschland steht aktuell wieder die Debatte über Booster-Impfungen im Fokus. Erst vor kurzem legte SPD-Gesundheitsminister Lauterbach die vierte Impfung auch Menschen unter 60 nahe, und stellte sich damit gegen die Empfehlungen von Experten auf Bundes- und EU-Ebene. Die Diskussion sorgt für Unsicherheit, und das vor einem Herbst, in dem sich die Corona-Lage aller Voraussicht nach wieder verschärfen wird. Was spricht für den zweiten Booster, und wer sollte ihn bekommen?

Sowohl die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) als auch die Ständige Impfkommission in Deutschland (STIKO) empfehlen mittlerweile eine vierte Impfung zum Schutz vor Corona – mit Einschränkungen. Während laut der EU-Behörde Menschen ab 60 Jahren den zweiten Booster erhalten sollten, zieht die STIKO die Grenze bei den 70-Jährigen. Beide Einrichtungen bewerten die Maßnahme auch für besonders anfällige Menschen ungeachtet des Alters als sinnvoll. Karl Lauterbach ging nun im Gespräch mit dem Spiegel über diese Empfehlungen hinaus. Eine vierte Impfung schaffe „eine ganz andere Sicherheit“ und verringere das Risiko einer Infektion sowie einer Erkrankung an Long Covid.

Booster: Karl Lauterbach empfiehlt die vierte Corona-Impfung auch jüngeren Menschen. (Archivbild)

Vierte Corona-Impfung: STIKO-Chef widerspricht Lauterbachs Booster-Empfehlung

STIKO-Chef Thomas Mertens widersprach Lauterbachs Vorstoß prompt. „Ich halte es für schlecht, medizinische Empfehlungen unter dem Motto ‚Viel hilft viel‘ auszusprechen“, sagte er der Welt am Sonntag. Die Übertragung des Corona-Virus werde durch die Booster-Impfungen außerdem nur gering beeinflusst, so der Kommissions-Vorsitzende. Vielmehr gehe es darum, vor schweren Verläufen zu schützen.

Eine Studie aus Israel, wo früh mit der Verabreichung der vierten Impfung begonnen wurde, unterstützt die Aussage von Mertens. Demnach schützt die vierte Dosis zwar besser als die dritte, der Schutz vor einer Infektion hält aber nur kurz an. Das Risiko einer schweren Erkrankung sinkt hingegen auch langfristig, schreiben die Forscher. Auch die Daten des Robert-Koch-Instituts lassen darauf schließen. Den Zahlen des jüngsten Monatsberichts zufolge war die Gefahr, mit einer Corona-Infektion ins Krankenhaus zu müssen, für alle Altersgruppen geringer, wenn sie eine Auffrischungsimpfung erhalten haben. Bei den über 60-Jährigen verneunfachte sich das Risiko einer schweren Erkrankung für Menschen ohne Booster sogar.

Entscheidung über vierte Impfung: Wer braucht den zweiten Corona-Booster?

Sowohl die dritte als auch die vierte Corona-Impfung erhöht also vor allem den Schutz vor einem schweren Verlauf. Letztendlich handelt es sich bei der Entscheidung darüber, Menschen zu impfen, aber immer um eine Risikoabwägung. Bei älteren und besonders anfälligen Personen besteht grundsätzlich eine höhere Gefahr, schwer an Corona zu erkranken oder auch durch das Virus zu sterben. Der Nutzen übersteige also das Risiko, wird die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, von der Süddeutschen Zeitung zitiert. Für jüngere Menschen sei die Gefahr von Nebenwirkungen hingegen stärker zu gewichten.

Konsens besteht jedenfalls darin, dass eine zweite Booster-Impfung für ältere Menschen sinnvoll ist. Ob die Grenze bei 60 oder 70 Jahren gezogen wird, ist dabei zweitrangig, wie sich die Experten einig sind. Für jüngere Personen bleibt die Entscheidung vorerst eine individuelle. Wie selbst Lauterbach in seinem Vorstoß deutlich machte, ist eine Absprache mit dem Hausarzt auf jeden Fall notwendig. (vbu mit AFP/dpa)

Rubriklistenbild: © Moritz Frankenberg/dpa

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