Mehr als 150 Todesopfer

Hochwasser in Deutschland: Mann verschlief Erftstadt-Erdrutsch - Haus steht an der Abrisskante

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  • Veronika Silberg
    Veronika Silberg
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Auch Bayern und Sachsen sind inzwischen vom Unwetter betroffen. Im Westen sinkt der Wasserpegel. Noch kann keine Entwarnung gegeben werden. Der News-Ticker für ganz Deutschland.

  • In Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen starten die Aufbauarbeiten. Ein Mann in Erftstadt verschlief den Erdrutsch - und hatte Glück. (18. Juli, Update 15.53 Uhr)
  • Die Zahl der Opfer steigt auf fast 160. (Update 18. Juli, 20.36 Uhr)
  • Im Bayerischen Passau sollen die Pegelstände noch weiter steigen (Update 18. Juli, 17.40 Uhr)
  • Olaf Scholz kündigte am Sonntag Finanzhilfen in Milliardenhöhe an (Erstmeldung).
  • Dieser Ticker wird fortlaufend aktualisiert.

Zahl der Opfer in Deutschland steigt auf fast 160

Update vom 18. Juli, 20.36 Uhr: Die Zahl der bestätigten Todesopfer in Deutschland stieg am Wochenende auf fast 160. Während die Wassermassen in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen vielerorts zurückgingen und Aufräumarbeiten laufen, verursachten heftige Regenfälle in Südostbayern, in der Sächsischen Schweiz und in Österreich weitere Überschwemmungen und Erdrutsche. Sie hatten zwar nicht die Ausmaße wie im Westen - doch war die Lage in Bayern am Sonntag weiterhin angespannt.

Bei ihrem Besuch im Katastrophengebiet sagte Kanzlerin Angela Merkel, es herrsche eine „surreale, gespenstische Situation“ und „Die deutsche Sprache kennt kaum ein Wort für die Verwüstungen, die hier angerichtet wurden.“

Handyempfang in Krisengebieten zurück - Mehr als 700 Vermisstenfälle gelöst

Update 18.28 Uhr: Die Mobilfunkanbieter Telefónica Deutschland und Vodafone haben nach eigenen Angaben das durch die Unwetterkatastrophe beschädigte Handynetz vielerorts wieder herstellen können. Von Telefónica hieß es am Sonntag, seit Freitag arbeiteten Techniker daran im Dauereinsatz. Inzwischen habe man an mehr als zwei Dritteln der Standorte, die von einem Stromausfall betroffen waren, das Mobilfunknetz wieder instandgesetzt. Vodafone teilte am Sonntag mit, weniger als zehn Prozent der Vodafone-Kunden seien noch ohne Handyempfang.

In besonders stark von den Überflutungen betroffenen Orten setze Telefónica auf mobile Basisstationen und nutze Notstromaggregate, um die Mobilfunkmasten mit Elektrizität zu versorgen, erläuterte das Unternehmen. „Wir weisen jedoch darauf hin, dass die Mobilfunkversorgung noch nicht überall die Kapazitäten erreicht wie vor dem Hochwasser“, erklärte ein Sprecher. Daher solle die Kommunikation etwa mit Freunden und Familie aus Rücksicht auf andere betroffene Mobilfunkkunden auf das Notwendigste reduziert werden.

Die Rückkehr an das Mobilnetz hilft auch bei der Suche nach vermissten Personen. In Nordrhein-Westfalen hat die Polizei mehr als 700 Vermisste telefonisch erreicht. Damit sei eine Vielzahl der Vermisstenmeldungen, die bei der Polizei Köln eingegangen waren, aufgeklärt worden, teilte die Polizei am Sonntag mit.

Pegelstände in Passau steigen noch weiter - Hochwasserwarnung für Münchens Isar

Update vom 18. Juli, 17.40 Uhr: In den vom Hochwasser getroffenen Gebieten im Süden Bayerns sollten vielerorts die Niederschläge bis in die frühen Abendstunden abschwächen. Das kündigte der DWD am Sonntag mit. Trotzdem bleibt die Hochwasserlage im Süden und Osten Bayerns bis in den Montag hinein angespannt, denn lokal sei noch mit weiterem Starkregen zu rechnen, auch extreme Sturzfluten seien nicht ausgeschlossen.

Große Sorge gilt dabei auch Passau. Hier sollen die Wasserstände noch weiter steigen, möglicherweise werde knapp die höchste Meldestufe vier erreicht. In der Nacht soll die höchste Stufe erreicht werden - Die Donau sollte eine Marke von acht Metern übersteigen. Es könnte damit zu größere Überschwemmungen in bebauten Gebieten kommen.

Aber auch für München und Umgebung gibt es nach dem starken Regen im Alpengebiet jetzt eine Hochwasserwarnung für die Isar.
Der Hochwassernachrichtendienst Bayern erwartete am Pegel München/Isar, dass der Fluss am Montagfrüh kurzzeitig die Meldestufe Zwei überschreiten werde - Das bedeutet Warnung vor Überschwemmungen und „Ausuferungen“.

Hochwasser in Österreich führt zu Evakuierungen

Auch in Österreich blieb die Hochwasserlage am Sonntag angespannt. Wassermassen hatten am Samstagabend Teile der Altstadt von Hallein nahe Salzburg an der bayerischen Grenze überflutet. Dutzende Bewohnerinnen und Bewohner mussten am Sonntag vorsorglich ihre Wohnungen verlassen. Auch in Kufstein in Tirol standen Teile der Stadt unter Wasser.

Söder betroffen am Königssee: Niemand wird alleine gelassen

Update vom 18. Juli, 17.30 Uhr: Auch in Bayern hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) den vom Hochwasser betroffenen Menschen Hilfe und Unterstützung zugesichert. „Wir lassen da niemanden allein, ganz sicher nicht“, sagte Söder am Sonntagnachmittag in Schönau am Königssee. Unabhängig von in Aussicht gestellten Hilfen des Bundes werde man auch in Bayern überlegen, wie man helfen könne. „Wir trauern um alle Opfer, wir beten mit den Angehörigen, wir wünschen allen, die noch betroffen sind, alles Gute“, sagte Söder. Zudem dankte er den Rettungskräften, die Übermenschliches leisteten.

Erftstadt: „Ich war total am Ende“ - Mann verschlief Erdrutsch

Update vom 18. Juli, 15.53 Uhr: Erftstadt ist eines der am schwersten vom Hochwasser betroffenen Gebiete. Während sich das Wetter langsam bessert, werden auch immer mehr Einzelgeschichten und Schicksale bekannt. So auch das von Bernd Dudeck: Sein Haus steht direkt an der Abrutschkante, an der mehrere Häuser mit einem Erdrutsch weggerissen wurden. Er wurde erst am Morgen geweckt und hatte den Erdrutsch in der Nacht nicht mitbekommen. Er war völlig am Ende von der Nacht zuvor, den Fluten, die in sein Haus drangen. Sein Keller mit seinem Büro stand unter Wasser, durch die Fenster kam Wasser.

„Mehrmals hat es im Dachgebälk geknarzt. Viele Hausbesitzer kennen das, es knackt kurz, und dann ist es wieder still. Aber diesmal war anders. Das Knarzen dauerte zehn, fünfzehn Sekunden. So, als wenn sich das ganze Haus bewegen würde. Da war mir klar, dass irgendetwas Schlechtes im Gange ist“, wird der Mann auf Focus Online zitiert. Er sei in der Zwischenzeit bei Freunden untergekommen und in Sorge um sein derzeit unbewohntes Haus, das er innerhalb von nur 20 Minuten verlassen musste.

Unwetter und Hochwasser in Deutschland: Zahl der Todesopfer in RLP und NRW bei mehr als 150

Erstmeldung: Koblenz/Bonn - Menschen stehen vor den Trümmern ihrer Existenz, räumen die zerstörten Überreste des Unwetters mit aller Kraft beiseite. Bei der schwersten Hochwasserkatastrophe in Deutschland seit Jahrzehnten wurden in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen unzählige Häuser zerstört. Brücken, Straßen und Bahnstrecken liegen in Schutt und Schlamm.

Vier Tage nach Beginn der verheerenden Katastrophe ist die Zahl der Todesopfer in den am heftigsten getroffenen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz auf mehr als 150 gestiegen. Allein im Kreis Ahrweiler kamen nach Angaben der Polizei mindestens 110 Menschen ums Leben, 670 wurden verletzt. In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der bestätigten Todesopfer bis zum Sonntag bei 45, darunter vier Feuerwehrleute.

Hochwasser in Deutschland: Nach den Überschwemmungen beginnt der Wiederaufbau - Bilder von Schlamm und Trümmern

Hochwasser-Katastrophe in Deutschland: Suche nach Vermissten geht weiter - Noch keine Entwarnung

Immer noch suchen Einsatzkräfte weiter nach Toten und Verletzten, sodass sich die Opferzahl noch weiter erhöhen könnte. In Rheinland-Pfalz wird die Suche nach Vermissten in der Luft fortgesetzt. Hubschrauber haben Luftbildaufnahmen des betroffenen Gebiets gefertigt. Das Absuchen des gesamten Geländes soll am Sonntag bis zum Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen sein.

Während sich die Wassermassen in beiden Bundesländern langsam zurückziehen, bleibt die Lage allerdings angespannt. Zwar sind keine weiteren Unwetter angekündigt, immer noch drohen allerdings neue Erdrutsche oder Dammbrüche als Folge der Katastrophe.

Hochwasser-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen: Weitere Gefahr durch Dammbruch und Krater

So auch in Erftstadt bei Köln, auch hier suchen zahlreiche Menschen in den Trümmern nach ihren Angehörigen. (95 Vermisste Stand: Sonntag, 12.00 Uhr). Sorge bereitet außerdem der Stadtteil Blessem. Hier entstand durch die Fluten ein riesiger Krater. Mindestens drei Wohnhäuser und ein Teil der Burg stürzten ein. Fachleute sollen am Sonntag die Stabilität des Untergrunds prüfen.

Blessem: Experten sollen die Abbruchkante des riesigen Kraters untersuchen - Folge eines Erdrutsches.

Auch bei Euskirchen an der Steinbachtalsperre südwestlich von Bonn in Nordrhein-Westfalen kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Hier droht der Damm zu brechen. Das Wasser fließt bislang langsamer ab als erhofft. Aus der Talsperre wird Wasser abgelassen, um Druck von dem Damm zu nehmen.

Olaf Scholz verspricht Finanzhilfen für Hochwasser-Gebiete: es geht um Milliarden

Doch auch wenn diese Gefahren beseitigt sind, wartet auf den Westen Deutschlands eine riesige Herausforderung: der Wiederaufbau. Bundesfinanzminister* Olaf Scholz (SPD*) stellte am Sonntag Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht. „Es braucht einen nationalen Kraftakt“, sagte er der Bild-Zeitung. Der SPD-Politiker verwies auf vergangene Krisen und kündigte Soforthilfen und die Grundlage eines Aufbauprogramms an. Es ginge um Milliarden.

Heftige Unwetter in Bayern und Sachsen: Hochwasser, Überschwemmungen und Erdrutsche

Während Anwohner, Feuerwehr, Polizei und Rettungskräfte im Westen des Landes immer noch mit den Folgen des Hochwassers kämpfen, traf das Unwetter am Samstagabend auch Teile von Bayern und Sachsen. Heftiger Regen sorgte im Berchtesgadener Land*, sowie im angrenzenden Österreich für Überschwemmungen. Einsatzleiter Anton Brandner sprach von dramatischen Szenen. Bilder eines reißenden Stroms durch eine österreichische Innenstadt* sorgten für Aufsehen. In Bayern kamen zwei Menschen ums Leben. Ein Opfer starb dem Landkreis zufolge an einer natürlichen Ursache.

Auch in Teilen Sachsen sorgten immense Regenfälle für Überschwemmungen und Erdrutsche. Örtlich fielen innerhalb von 24 Stunden mehr als 100 Liter pro Quadratmeter. In der Sächsischen Schweiz waren mehrere Ortslagen von Städten und Gemeinden vorübergehend nicht erreichbar. (vs/dpa)*Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © Thomas Frey

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