Telefonat mit Russland

„China zur Zusammenarbeit bereit“: Xi Jinping sichert Putin Unterstützung zu

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Am 4. Februar trafen Wladimir Putin (links) und Xi Jinping in Peking persönlich zusammen.
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China steht weiter an der Seite Russlands: Zum ersten Mal seit Ende Februar haben Wladimir Putin und Xi Jinping über den Ukraine-Krieg gesprochen.

München/Peking - Zum zweiten Mal seit Beginn des Ukraine-Kriegs haben Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin miteinander telefoniert. In dem Gespräch am Mittwoch (15. Juni) sicherte Xi laut Angaben des chinesischen Außenministeriums Russland seine Unterstützung zu. „China ist bereit, die russische Seite in Fragen, die mit Kerninteressen und wichtigen Anliegen wie Souveränität und Sicherheit zusammenhängen, weiterhin zu unterstützen und die strategische Zusammenarbeit zwischen beiden Ländern zu intensivieren“, sagte Xi demnach. Weiter sei Peking „bereit, mit der russischen Seite zusammenzuarbeiten, um die bilaterale praktische Zusammenarbeit zu fördern“.

In der Mitteilung des chinesischen Außenministeriums wurde der Ukraine-Konflikt als „Ukraine-Frage“ bezeichnet. China habe „die Ukraine-Frage und ihre Vorzüge stets unabhängig von der Geschichte beurteilt und sich aktiv für den Weltfrieden und die Stabilität in der globalen Wirtschaftsordnung eingesetzt“, sagte Xi Jinping. „Alle Parteien sollten sich für eine angemessene und verantwortungsvolle Lösung der Ukraine-Krise einsetzen. China ist bereit, weiterhin die ihm gebührende Rolle zu spielen.“

China im Ukraine-Krieg: Jetzt reagiert auch Russland-Präsident Putin

Putin hat Xi laut chinesischem Außenministerium in dem Gespräch zugesichert, „die multilaterale Zusammenarbeit mit China zu verstärken und konstruktive Anstrengungen zur Förderung einer multipolaren Welt und zum Aufbau einer gerechteren und vernünftigeren internationalen Ordnung zu unternehmen“. In Moskau sagte das russische Präsidialamt laut der Nachrichtenagentur AFP, China und Russland wollen ihre Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Energie, Finanzen, Industrie und Transport verstärken. Putin und Xi hätten außerdem über „die Entwicklung der militärischen Beziehungen“ gesprochen. Die Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten solle „angesichts der weltweiten Wirtschaftssituation, die sich durch die unrechtmäßigen Sanktionen des Westens verkompliziert hat“, verstärkt werden.

Zuletzt hatten Xi Jinping und Wladimir Putin am 25. Februar miteinander telefoniert, einen Tag nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine. Damals hatte Xi die „Souveränität aller Länder“ betont, die Invasion aber nicht verurteilt. Zudem sagte Xi, China unterstütze Russland dabei, „das Problem auf dem Verhandlungsweg mit der Ukraine zu lösen“. Zuvor waren Xi und Putin anlässlich der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Peking persönlich zusammengetroffen und hatten sich in einer gemeinsamen Stellungnahme gegen eine Nato-Osterweiterung ausgesprochen.

China im Ukraine-Krieg: Zwischen Unterstützung für Russland und angeblicher Neutralität

Auch wenn China seit Beginn des Angriffskriegs stets behauptet, in dem Konflikt neutral zu sein, sucht die Regierung in Peking immer wieder die Nähe zu Russland und betont die „felsenfeste“ Freundschaft zum Kreml. Zuletzt bezeichnete Chinas Außenminister Wang Yi seinen russischen Amtskollegen Sergej Lawrow als „alten Freund“. Die Sanktionen des Westens gegen Russland lehnt Peking ab, hilft Beobachtern zufolge aber auch nicht dabei, diese zu umgehen. Beim virtuellen EU-China-Gipfel Anfang April hatte Xi Jingping dem Westen die Schuld an der Eskalation des Kriegs in der Ukraine gegeben. „Die Grundursache der Ukraine-Krise sind die regionalen Sicherheitsspannungen in Europa, die sich über Jahre aufgebaut haben“, so Xi damals.

Gleichzeitig verhandelt China seit Kurzem vermehrt über den Kauf russischen Öls. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg kauft Peking russisches Rohöl mit 35 Prozent Rabatt zum aktuellen Weltmarktpreis. „Was wir sehen, ist, dass China aus dieser Situation der Schwäche Russlands einen guten Vorteil ziehen wird“, sagte dazu EU-Handelskommissar Valdis Dombrovskis. (sh)

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