Ehemann von Gesine Lötzsch: Stasi-Verdacht

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Der Ehemann der designierten Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch war nach Stasi-Unterlagen über Jahre Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit.

Berlin - Der Ehemann der designierten Linkspartei-Chefin Gesine Lötzsch war nach Stasi-Unterlagen über Jahre Inoffizieller Mitarbeiter (IM) des DDR-Ministeriums für Staatssicherheit.

In einer handschriftlichen Erklärung vom 29. März 1962 heißt es, durch diese Verpflichtung wolle er seinen Beitrag zum Aufbau des Sozialismus leisten. In dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt, verpflichtete er sich, über die Stasi-Zusammenarbeit “mit keiner Person auch nicht andeutungsweise“ zu sprechen. Lötzsch hatte ihren Mann bisher wegen einer Haftstrafe als Opfer des SED-Regimes dargestellt. In der Links-Fraktion hieß es am Dienstag zu den Vorwürfen, das sei Privatsache. Partei-Vize Klaus Ernst, der sich zusammen mit Lötzsch beim Parteitag Mitte Mai in Rostock für die Doppelspitze zur Wahl stellen wird, nahm sie in Schutz. Er betonte in der “Leipziger Volkszeitung“ (Mittwoch), Lötzsch und nicht ihr Mann kandidiere für das Amt.

Die 48-jährige Lötzsch hatte am Montagabend mitgeteilt, “jedem Versuch, das Schicksal meines Mannes für durchsichtige Kampagnen zu missbrauchen, werde ich entgegentreten“. Sie erklärte: “Ich habe nichts, was ich bisher über meinen Ehemann gesagt habe, zurückzunehmen.“ Sie ging aber nicht direkt auf die Vorwürfe ein, über die zuerst die Zeitung “Die Welt“ berichtete. Gesine Lötzsch hatte ihren heute 78-jährigen Mann Ende der 80er Jahre geheiratet. Sie verwies darauf, dass ihr Mann 1957 wegen Beihilfe zum Staatsverrat verurteilt worden sei und drei Jahre im berüchtigten DDR-Gefängnis in Bautzen saß. Sie kenne die genannten Akten nicht, teilte sie mit. Lötzsch sagte der “Leipziger Volkszeitung“ (Mittwoch): “Ich werde mich dazu nicht äußern. Ich bin die Politikerin. Mein Mann ist Privatmann.“

In den Unterlagen über den Ehemann heißt es, er sei bereits nach zwei Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Nach den vorliegenden Stasi-Papieren wurde er am 23. Dezember 1958 vom Bezirksgericht Halle verurteilt und am 8. November 1960 entlassen. Er gehörte der “staatverräterischen Gruppierung Schörder-Lucht“ an. Unklar ist, ob und wie lange er vor der Verurteilung in Untersuchungshaft saß. Nach der Haftentlassung hat die Stasi Kontakt zu ihm aufgenommen, geht aus dem “Vorschlag zur Werbung eines inoffiziellen Mitarbeiters“ hervor. Aus den Unterlagen wird deutlich, dass der Stasi-Informant mit dem Decknamen “Heinz“ als Sprachwissenschaftler an der Berliner Akademie der Wissenschaften der Stasi bis Mitte der 80er Jahre von Treffen mit in- und ausländischen Kollegen berichtete.

In einer Stasi-Einschätzung hieß es über den späteren Ehemann von Gesine Lötzsch, obwohl der IM eine staatsfeindliche Gruppe begünstigt habe, stehe er jetzt auf dem Boden der DDR und habe seine Fehler ehrlich erkannt. In einem anderen Papier hieß es: “Er erschien regelmäßig und stets pünktlich zu den vereinbarten Treffs und berichtete ehrlich und gewissenhaft.“ Akteneinsicht bei der Stasi-Unterlagenbehörde können nicht nur Betroffene und berechtigte öffentliche Stellen beantragen, sondern auch Wissenschaftler und Journalisten. Bei den Stasi-Akten muss immer berücksichtigt werden, dass ein Teil von Beschäftigten des Spitzelapparates selbst verfasst wurde und auch falsche Informationen enthalten seín können. Oft kamen Passagen von Inoffiziellen Mitarbeitern auch unter Druck zustande.

dpa

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