G8-Gipfel will 20 Milliarden Dollar für arme Bauern geben

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Der lybische Statschef Moammar Gadhafi (li.)  zeigt das „Victory“-Zeichen, als er am Freitag auf dem Weg zum G8-Gipfel ist.

L'Aquila - Milliardenschwere Hilfe zur Selbsthilfe : Die ärmsten Bauern der Welt können auf 20 Milliarden US-Dollar hoffen. Dies wurde zum Abschluss auf dem G8-Gipfel im italienischen L‘Aquila beschlossen.

Zum Abschluss ihres Gipfels im italienischen L'Aquila stellen die führenden Industriestaaten und Russland (G8) am Freitag die Weichen der Entwicklungspolitik neu. Statt Nahrungsmittel in Hungergebiete zu liefern und so lokale Märkte kaputt zu machen, soll den Landwirten geholfen werden, die Produktion anzukurbeln. Die Initiative wird vor allem von den USA und Japan getragen.

Die ursprünglich geplante Summe von 15 Milliarden Dollar erhöhten die Industriestaaten kurz vor Ende des Gipfels um 5 Milliarden Dollar, wie der Gastgeber, der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, erklärte. Allerdings handelt es sich bei den 20 Milliarden Dollar nur zum Teil um neue Zusagen der Geberländer. Entwicklungshilfeorganisationen kritisierten zudem, die Summe reiche bei weitem nicht aus.

Hilfsorganisationen bemängeln die zu geringe finanzielle Ausstattung

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des Projekts. Die armen Länder, insbesondere in Afrika, leiden massiv unter der schwersten Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren, zumal die Industrieländer ihre angeschlagenen Volkswirtschaften mit gewaltigen Finanzpakten stützen und selbst oft klamm sind.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Industrieländer wollten trotz der Krise die Entwicklungshilfe nicht kürzen. Die G8 stünden zu ihren Verpflichtungen. Merkel wertete den Gipfel, der Fortschritte in der Klimaschutzdebatte brachte, als gelungen: “Die Welt ist ein Stück zusammengerückt.“

Der Abschluss des dreitägigen Treffens ist ganz der Bekämpfung von Hunger, Armut und Bildungsnotstand in den Entwicklungsländern gewidmet. Laut Welternährungsorganisation überschreitet die Zahl der Hungernden aufgrund der Wirtschaftskrise in diesem Jahr erstmals die Milliarden-Schwelle.

Die Staats- und Regierungschefs der G8 trafen am Morgen mit ihren Kollegen aus Algerien, Nigeria, Senegal, Ägypten, Angola sowie Libyen zusammen, das derzeit den Vorsitz der Afrikanischen Union inne hat.

Erstmals bei einer solchen Konferenz saß damit der libysche Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi am Tisch , der politisch über Jahrzehnte isoliert war. Am Vorabend hatte US-Präsident Barack Obama dem Libyer die Hand gegeben - ein historisches Ereignis.

Kritik kam von Hilfsorganisationen. Oxfam begrüßt zwar die G8-Zusage. Völlig unklar sei aber, ob es sich um schon zugesagte Mittel oder frisches Geld handele. “Angesichts des dramatischen Ausmaßes der Hungerkrise sind zudem mindestens 25 Milliarden US-Dollar pro Jahr zusätzlich nötig“, schrieb Oxfam. “Die Zahl der weltweit hungernden Menschen ist allein im Jahr 2008 um 100 Millionen gestiegen.“

Die G8-Staaten wollen künftig regelmäßig überprüfen, ob sie ihre 2005 im schottischen Gleneagles gemachten Versprechen einhalten - etwa das, die Entwicklungshilfe für Afrika bis 2010 um 25 Milliarden Dollar pro Jahr zu erhöhen.

Debatte über Zukunft der G8 geht weiter

Die Debatte über die Zukunft der Gruppe der Acht mit ihren Mitgliedern USA, Kanada, Russland, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und Italien geht weiter.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will im kommenden Jahr darüber entscheiden. Schon zuvor hatte sie gesagt, dass es derzeit zu viele Treffen auf Spitzenebene gebe. Merkel bestätigte, dass sie am Weltfinanzgipfel (G20) am 24. und 25. September in den USA teilnehmen wird.

Der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy dringt auf eine Erweiterung der G8-Gruppe. “Die G8 sind nicht mehr repräsentativ genug, um auf die Wirtschaftskrise zu antworten“, sagte er. Es müssten große Länder wie China und Indien dauerhaft hinzugezogen werden. Frankreich, das 2011 die G8-Präsidentschaft übernehmen werde, werde eine G14-Gruppe einsetzen. “Das ist unverzichtbar.“

Sarkozy stellt Dollar in Frage

Der französische Staatschef griff auch die Rolle des US-Dollars als weltweite Leitwährung an. Dabei kann er auf Unterstützung aus China und Russland zählen. “Man kann nicht bei einer einzigen Währung bleiben“, sagte Sarkozy.

Ein Großteil der internationalen Handelsströme wird bisher in der US-Währung abgerechnet, an den Finanzmärkten ist der Dollar beherrschend.

Merkel und Sarkozy eindeutig zu Iran

Merkel und Sarkozy bezogen klare Positionen im Atom-Konflikt mit Iran. Trotz der Ablehnung des Verhandlungsangebots, will Merkel am Kurs festhalten. “Wir wollen einen nuklear bewaffneten Iran verhindern, aber eben auf der diplomatischen Ebene.“ Sarkozy warnte Israel vor einem militärischen Angriff gegen den Iran. Ein derartiger Schlag wäre die “absolute Katastrophe“, sagte er. “Israel sollte wissen, dass es nicht alleine ist und das Ganze daher mit Ruhe angehen.“

Martin Romanczyk , dpa

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