Kurdenhauptstadt Erbil

Iran beansprucht Raketenangriff im Irak für sich

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Die Altstadt von Erbil mit dem Basar und dem Bakhi Shar Park im Dezember 2018.

Nach einem Angriff auf die Kurdenhauptstadt Erbil im Nordirak bekennt sich Teheran zu der Attacke.

Erbil/Teheran - Der Iran hat nach eigener Aussage die Hauptstadt der autonomen Kurdenregion im Nordirak, Erbil, mit Raketen beschossen. Dort gingen am frühen Sonntagmorgen zwölf Raketen nieder, wie das kurdische Innenministerium erklärte.

Sie hätten das US-Konsulat als Ziel gehabt und seien in einem Wohngebiet eingeschlagen. Der kurdische TV-Sender Rudaw berichtete, einige Raketen seien in der Nähe des neuen Konsulats zu Boden gegangen, das sich derzeit noch im Bau befinde. Nach Angaben des Innenministeriums wurde ein Mensch leicht verletzt.

Der Iran beanspruchte den Raketenangriff für sich. Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) erklärten am Sonntag einige Stunden nach dem Beschuss, sie hätten in Erbil eine israelische Geheimdienstbasis mit Raketen angegriffen. Die Attacke sei ein Vergeltungsakt für die mutmaßlichen israelischen Angriffe in Syrien vor rund einer Woche, bei dem zwei iranische Offiziere getötet wurden. Dieser Angriff war Israel zugeschrieben worden.

Der Gouverneur von Erbil, Umid Khuschnau, bezeichnete Behauptungen über eine angebliche israelische Geheimdienstbasis im Nordirak als haltlos. „Es gibt keine israelischen Stützpunkte in der Gegend“, sagte Khuschnau dem Sender Rudaw. Die Raketen hätten ihre Ziele verfehlt. Khuschnau zufolge wurden zwei Zivilisten leicht verletzt.

Sullivan verurteilt Angriff

US-Präsident Joe Bidens Nationaler Sicherheitsberater Jake Sullivan verurteilte den Angriff. Es seien keine US-Ziele getroffen und keine US-Bürger zu Schaden gekommen, sagte er am Sonntag im Gespräch mit dem Sender CBS. Die USA seien im Gespräch mit der irakischen Regierung und jener in Erbil, „zum Teil, um ihnen zu helfen, die Fähigkeit zur Raketenabwehr zu bekommen, um sich und ihre Städte zu verteidigen“, sagte Sullivan.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amts in Berlin erklärte, Deutschland verurteile die von den iranischen Revolutionsgarden reklamierten Raketenangriffe auf das Schärfste. „Angriffe auf diplomatisches Personal, Vertreter und Einrichtungen der Anti-IS-Koalition sind nicht hinnehmbar. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen werden“, sagte er.

Die IRGC warnten Israel, dass eine Wiederholung von Angriffen wie die in Syrien auf iranische Ziele „auf noch konsequentere und zerstörerischere Reaktionen“ des Irans stoßen würden. Der israelische Rundfunk berichtete am Sonntag, auch Israel gehe von einem iranischen Vergeltungsangriff aus. Aus Sorge vor weiteren Reaktionen des Irans sei die israelische Armee an der Nordgrenze in erhöhter Alarmbereitschaft, berichtete der Sender.

Mit dem Iran verbündete irakische Milizen hatten in der Vergangenheit mehrfach Raketen auf von den USA genutzte Ziele abgefeuert. Auch Erbil wurde zuvor bereits angegriffen. Die Raketen wurden aber immer von irakischem Boden abgefeuert.

Der irakische Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi erklärte auf Twitter, bei dem Beschuss handele es sich um einen Angriff auf die Sicherheit des irakischen Volkes. Der Präsident der kurdischen Autonomiegebiete, Masrur Barsani, sprach von einem „Terrorangriff“. dpa

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