Negev-Wüste

Israel: Historisches Gipfeltreffen setzt Zeichen gegen Iran

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Die Außenminister von Bahrain (l-r), Ägypten, Israel, den USA, von Marokko und den Vereinigten Arabischen Emiraten haben sich in der Negev-Wüste getroffen.

Diplomatischer Erfolg für Israel: Die Außenminister von vier arabischen Staaten und den USA kommen in der Negev-Wüste zusammen. Die Atmosphäre ist entspannt, doch die Themen könnten kaum ernster sein.

Sde Boker - Bei einem historischen Gipfeltreffen in der Negev-Wüste sind Israel, die USA und vier arabische Staaten näher zusammengerückt und haben so ein Zeichen gegen den Iran gesetzt.

Sie wollten sich künftig regelmäßig auf hoher Ebene treffen, sagte der israelische Außenminister Jair Lapid am Montag in Sde Boker im Beisein seiner Amtskollegen aus den USA, Ägypten, Bahrain, Marokko und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE). „Wir haben entschieden, den Negev-Gipfel zu einem dauerhaften Forum zu machen.“

In einer symbolischen Geste stellten sich die sechs Minister am Ende in eine Reihe und reichten sich über Kreuz die Hände. Zuvor hatten sie über unterschiedliche Themen gesprochen.

Ein regionales Gegengewicht zum Iran

Vor allem Israel hat die Sorge, die von den USA angestrebte Rückkehr zum internationalen Atomabkommen mit dem Iran werde letztlich den Weg Teherans zum Bau von Nuklearwaffen ebnen. Es sieht sich durch den Erzfeind in seiner Existenz bedroht. Vor allem die Golfstaaten teilen diese Sorge. Der demonstrative Schulterschluss mit den verbündeten arabischen Staaten dient auch als klares Signal gegen aggressive Aktivitäten Teherans in der Region. „Die gemeinsamen Fähigkeiten, die wir aufbauen, machen unseren gemeinsamen Feinden Angst und schrecken sie ab - vor allem den Iran und seine Verbündeten“, sagte Lapid.

Für Israel bedeutet der Gipfel in herzlicher Atmosphäre die Art von Akzeptanz in der Region, von der es immer geträumt hat. Eine solche Zusammenkunft sei noch vor einigen Jahren undenkbar gewesen, sagte auch US-Außenminister Antony Blinken. Der Ort des Gipfeltreffens könnte symbolischer nicht sein: in dem Wüstenort Sde Boker, in dem Staatsgründer David Ben Gurion begraben liegt.

Israel hat binnen 18 Monaten diplomatische Beziehungen mit Bahrain, den VAE, Marokko und Sudan aufgenommen. Zuvor hatte der jüdische Staat nur mit Ägypten und Jordanien Friedensverträge unterzeichnet. Als Hauptmotor der Annäherung galten wirtschaftliche Erwägungen.

Marokkos Außenminister Nasser Bourita sagte jedoch auch: „Wir sind heute hier, weil wir ehrlich, aufrichtig und tief an Frieden glauben.“ Der VAE-Außenminister Abdullah bin Sajid sagte zu Lapid: „Jair, Du bist nicht nur ein Partner, Du bist ein Freund.“

Palästinenser bleiben außen vor

Bei dem Gipfeltreffen in Sde Boker war kein palästinensischer Vertreter dabei, auch Israels Nachbar Jordanien blieb fern. Während sich die sechs Außenminister in Sde Boker näherkamen, traf Palästinenserpräsident Mahmud Abbas in Ramallah demonstrativ den jordanischen König Abdullah II.

Blinken und seine arabischen Amtskollegen betonten allerdings, die neue regionale Zusammenarbeit sei kein Ersatz für eine Friedenslösung Israels mit den Palästinensern. Beide Seiten müssten „ein gleiches Maß an Freiheit genießen“, sagte Blinken.

Lapid erklärte, man öffne gemeinsam mit den USA „eine Tür für alle Völker der Region, einschließlich der Palästinenser, und bieten ihnen an, den Weg von Terror und Zerstörung mit einer gemeinsamen Zukunft von Fortschritt und Erfolg auszutauschen“.

Sorge vor neuer Eskalation der Gewalt

Das Gipfeltreffen wurde überschattet von einem neuen tödlichen Anschlag in der israelischen Küstenstadt Chadera. Alle arabischen Außenminister verurteilten die Tat zweier israelischer Araber entschieden. Sie nährt weiter die Sorge vor einer neuen Eskalation der Gewalt im kommenden Monat - wenn die Muslime den Ramadan begehen, die Christen Ostern und die Juden Pessach. Dies betrifft Israel und die Palästinensergebiete gleichermaßen.

Vor allem Ägypten war immer wieder hilfreich bei einer Eindämmung der Spannungen zwischen Israel und militanten Palästinenserorganisationen. „Wir müssen uns Extremismus und Terrorismus entgegenstellen, für die Sicherheit und Stabilität der Region“, sagte der ägyptische Außenminister Samih Schukri. dpa

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