Lisa-Maria Kellermayr

Corona-Gegner: Bedrohte Ärztin ist tot – Haben die Behörden versagt?

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Die im Kampf gegen Corona höchst engagierte Ärztin Lisa-Maria Kellermayr wird tot in ihrer Praxis aufgefunden. Sie war zuvor monatelang von Impfgegnern bedroht worden.

Seelwalchen am Attersee/Österreich – Die österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr ist tot in ihrer Praxis in Seewalchen am Attersee aufgefunden worden. Wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichten, schließt die Staatsanwaltschaft Fremdeinwirkung aus. Es seien Abschiedsbriefe gefunden worden, zu deren Inhalt man aber nichts sagen wolle. Aufgrund ihres Engagements in der Corona-Pandemie war Kellermayr, die mehrfach öffentlich als Expertin aufgetreten war und stets die Wirksamkeit der Impfungen betont hatte, in der Vergangenheit von Corona-Leugnern:innen und Impfgegner:innen terrorisiert und bedroht worden.

Erst kürzlich hatte ein Mann aus Oberbayern auf Twitter geschrieben, sie werde vor ein „Volkstribunal“ gezerrt werden. Der Mann war Kellermayr auch früher schon verbal angegangen, schreibt der österreichische Standard. Juristische Schritte der Ärztin gegen ihn hätten aber nichts gebracht. Die Aussage sei von der Meinungsfreiheit gedeckt, hieß es vonseiten der deutschen Behörden. Aufgrund der zahlreichen Drohungen hatte Kellermayr ihre Praxis Mitte Juli endgültig schließen müssen. Zuvor hatte sie bereits 100.000 Euro für Schutzmaßnahmen ausgegeben und beschäftigte auch einen Security-Mitarbeiter, um sich und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schützen. Doch trotz der Sicherheitsmaßnahmen sah Kellermayr für sich und ihre Mitarbeiter:innen keine Perspektive, je wieder unter normalen Umständen arbeiten zu können.

Verstorbene Ärztin Kellermayr: Österreichische Polizei bezichtigte sie der Lüge

Der oberösterreichischen Polizei gab Kellermayr eine Mitschuld an ihrer Situation. Bei einer Kundgebung gegen Corona-Maßnahmen im vergangenen Jahr hatten Impfgegner:innen den Haupteingang und die Rettungsausfahrt des Klinikums Wels-Grieskirchen in Oberösterreich blockiert. Als Kellermayr ein Video davon auf Twitter postete und die Blockierer:innen kritisierte, warf die oberösterreichischen Polizei ihr „Falschmeldung“ vor. Es sei nicht zu Behinderungen von Rettungskräften noch zu sonstigen Straftaten gekommen, schrieb damals ein Polizeisprecher auf Twitter. Diese Aussage hätte radikalen Aktivist:innen gezeigt, dass man sie attackieren könne, erklärte Kellermayr später. Auch die Ermittlungen der Polizei hätten nichts gebracht.

In ihrem Fall hätten die Behörden versagt, erklärte Kellermayr erst kürzlich dem Standard. „Was mir passieren kann, das kann jedem Bürger passieren, der kein Promi ist oder über besondere Verbindungen verfügt.“ Vonseiten der oberösterreichischen Polizei hieß es am heutigen Freitag (29. Juli): „Der Fall ist sehr bedauerlich. Wir haben Frau Kellermayer seit November intensiv betreut. Haben das auch noch einmal intensiviert, nachdem sie ihre Praxis geschlossen hatte. Sie wurde regelmäßig vom Verfassungsschutz kontaktiert.“ Wie n-tv berichtet, würden die Ermittlungen gegen die Drohschreiber:innen teilweise noch laufen, seien teilweise aber auch eingestellt worden, weil die Zuständigkeiten in die Hände Deutschlands falle.

Die in Sachen Corona höchst engagierte österreichische Ärztin Lisa-Maria Kellermayr wurde tot in ihrer Praxis aufgefunden. (Symbolfoto)

Österreich: Gesundheitsminister Rauch zeigt sich bestürzt

Bestürzt zeigte sich heute auch der österreichische Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne). Auf Twitter drückte er Kellermayrs Familie sein Beileid aus und schrieb: „Als Ärztin hat sie ihr Leben der Gesundheit und dem Wohlergehen anderer gewidmet. Morddrohungen gegen sie und ihre Mitarbeitenden waren brutale Realität. Hass gegen Menschen ist unentschuldbar. Dieser Hass muss endlich aufhören.“ (Niklas Hecht)

Im Interview mit der FR warnt der Soziologe Wilhelm Heitmeyer vor rechten Bedrohungsallianzen, die sich bei „Querdenken“-Demos zeigen. Er spricht von einer „asymmetrischen Polarisierung“ nach dem Motto „Leise Mehrheit, laute Minderheit“.

Rubriklistenbild: © Christoph Hardt/Imago

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