TV-Beitrag sorgt für Wirbel

Kritik an Scharia-Räten in Großbritannien

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Ein aufgeschlagener Koran (Archivbild).

London - In Großbritannien sorgt ein TV-Beitrag für Kritik an der Rechtspraxis islamischer Scharia-Räte gegenüber misshandelten Ehefrauen.

In dem Bericht des Senders BBC, der am Montagabend in der Sendung Panorama ausgestrahlt wird, gibt eine Undercorver-Reporterin gegenüber dem Vorsitzenden des Scharia-Rates der Stadt Leyton an, sie werde von ihrem Mann regelmäßig geschlagen. Richter Suhaib Hasan fragt sie daraufhin in einem vorab veröffentlichten Sendeausschnitt, ob ihr Verhalten die Schläge provoziert habe. „Ich finde, Du solltest mutig genug sein, um ihn zu fragen: Sag mir, warum Du verärgert bist. Ist es wegen meines Kochens? Ist es, weil ich meine Freundinnen sehe? Damit ich mich korrigieren kann.“

Nur im äußersten Fall solle die Frau die Misshandlungen bei der Polizei anzeigen, so der Islam-Gelehrte. Sie müsse sich darüber bewusst sein, dass sie dann die gemeinsame Wohnung verlassen und in ein Frauenhaus ziehen müsse. Dies sei eine sehr schlechte Wahl. „Frauen sind nicht glücklich an solchen Orten.“ Der BBC sagte Hasan: „Wir sind nicht hier, um Scheidungen auszusprechen. Wir wollen zuerst vermitteln.“

Das sind die Taliban

Das sind die Taliban

Der Begriff Taliban (“Koranschüler“) hat sich als Bezeichnung für die islamistischen Aufständischen in Afghanistan eingebürgert. © dpa
Die “Gotteskrieger“ kämpfen für einen Abzug der ausländischen Soldaten und den Sturz der Regierung Karsai. © AP
Sie wollen wieder ihr Islamisches Emirat Afghanistan errichten. © AP
Bis 2001 hatten sie die Macht über das Land am Hindukusch. © AP
Maßstab aller Ordnung ist für die Taliban eine besonders strenge Auslegung der Scharia, des islamischen Rechts. Foto: Afghanische Frau in einem Burka-Schleier. © dpa
Gegründet wurde die Bewegung von Absolventen pakistanischer und afghanischer Koranschulen. © AP
Die Taliban sind Sunniten, wie die Mitglieder aller derzeit international operierender islamistischer Terrorgruppen. © AP
Die Taliban konnten sich unter ihrem Anführer Mullah Omar nach dem Sturz ihres Regimes wieder zu einer schlagkräftigen Guerillatruppe formieren. © AP
Trotz mehr als 100 000 ausländischer Soldaten im Land sind sie seit einigen Monaten stark wie nie zuvor. © AP
Schätzungen über die Zahl ihrer Kämpfer reichen bis zu mehreren zehntausend. © AP
Anschläge und Angriffe werden oft vom benachbarten Pakistan aus gesteuert. © AP
Dabei nehmen die Taliban keine Rücksicht auf Unbeteiligte und sind für die meisten zivilen Opfer in dem Konflikt verantwortlich. © AP

In Großbritannien gibt es 85 Scharia-Räte, die insbesondere bei Fragen des Familienrechts vermitteln sollen, aber keine Entscheidungen fällen dürfen, die britischen Gesetzen zuwiderlaufen. Laut BBC befasst sich der Scharia-Rat in Leyton monatlich mit rund 50 Streitfällen.

Das Oberhausmitglied Caroline Cox reagierte empört auf den geheimen Mitschnitt. Das System der Vermittlung von Scharia-Räten in Eheangelegenheiten sei wegen ihrer Diskriminierung von Frauen „völlig unvereinbar mit den Werten unseres Landes. Es ist Zeit, eine Linie in den Sand zu ziehen und zu sagen: 'Genug ist genug'“. Cox setzt sich derzeit für ein Gesetz ein, das Scharia-Höfen ausdrücklich den Status von Gerichten untersagt.

Der Kronanwalt für Fälle häuslicher Gewalt in Norwestengland, Nazir Afzal, erklärte, er sei enttäuscht, aber nicht überrascht. Die meisten Scharia-Höfe leisteten zwar gute Arbeit, einige setzten Frauen jedoch Gefahren aus.

kna

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