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„Südrussland“: Wladimir Putin will wohl neuen Staat gründen

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Ein Bericht legt Putins weitere Schritte in der Ukraine nahe. In internen Dokumenten wird eine Propagandageschichte vertieft.

Moskau/Kiew – Russlands Strategie im Ukraine-Krieg ist undurchsichtiger denn je. Dem gescheiterten Angriff auf Kiew folgte die „Befreiung“ des Donbass, wie es Wladimir Putin nennt. Diese kommt allerdings nur sehr langsam voran. Militärfachleute vermuteten zuletzt, dass der Kreml ein Kriegsende am 9. Mai, dem „Tag des Sieges“ über Nazi-Deutschland, forciere. An diesem Tag findet in Moskau eine pompöse Militärparade statt. Russlands Außenminister Sergej Lawrow widersprach dieser Annahme mittlerweile vehement. „Unser Militär wird seine Handlungen nicht künstlich an irgendeinem Datum ausrichten“, so Lawrow gegenüber dem italienischen TV-Sender Mediaset.

Was Russlands weitere Kriegspläne sein könnten, legt nun ein Medienbericht nahe. Wie der ukrainische Rundfunksender Radio Free Europe/Radio Svoboda berichtet, soll ein Staat im Staat installiert werden. Die Rede ist von einem Gebilde namens „Südrussland“, in der Ukraine. Welche Gebiete das konkret umfassen soll, bleibt unklar. Quelle des Berichts ist offenbar ein internes Dokument aus dem Kreml, das den Titel „Das Manifest des südrussischen Volksrats“ trägt. Datiert ist es auf den 16. April. Es greift laut Bericht die russische Propagandageschichte auf, wonach die Ukraine seit dem Jahr 2014 von „Nazis“ regiert werde: „In Antwort auf den Terror und die Einführung der Nazi-Ideologie durch den ehemaligen Staat Ukraine, nimmt der südrussische Volksrat die Macht in unsere Hände und errichtet einen neuen Staat Südrussland.“

Ukraine-Krieg: „Südrussland“ – Wladimir Putin will offenbar Staat im Staat errichten

Ähnliche Vorhaben waren zuletzt aus der Stadt Cherson, im Süden der Ukraine, zu vernehmen. Der dort von Wladimir Putin eingesetzte Statthalter gab bekannt, dass Cherson unter russischer Kontrolle stehe. Eine Volksabstimmung darüber sei nicht geplant.

Wladimir Putin in St. Petersburg. (Archivfoto)

Das von Radio Free Europe/Radio Svoboda aufgegriffene Dokument widerspricht dieser Vorgehensweise. Zahlreiche Referenden seien in verschiedenen Städten geplant. Das bestätigt ein Bericht des russischen Exil-Mediums Meduza: In Donezk und Luhansk seien für den 14. beziehungsweise 15. Mai Volksabstimmungen geplant. Die Legitimität solcher Referenden wird stark angezweifelt.

Die von Radio Free Europe/Radio Svoboda als auch von Meduza veröffentlichten Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen. Wichtig ist in diesem Kontext die Tatsache, dass der genannte Rundfunksender der United States Agency for Global Media untersteht. Dabei handelt es sich um eine Behörde der US-Regierung. Die Anstalt wird vom Kongress finanziert. Sprich: Ähnlich wie bei russischen Staatsnachrichtenagenturen kann auch in diesem Fall wohl kaum von Unabhängigkeit die Rede sein. (tu)

Rubriklistenbild: © ALEXEY DANICHEV

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