„Mehrere Hundert Luftfahrzeuge“

Entscheidende Drohnen-Mission im Krieg? Putin reist in den Iran - Was er dort will

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Mai 2021: Die iranische Revolutionsgarde veröffentlichte das Foto einer neuen Drohne mit dem Namen „Gaza“.
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Drohnen werden im Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu maßgeblichen Waffen. Genau deshalb reist Moskau-Machthaber Wladimir Putin jetzt offenbar in den Iran. Die USA sind höchst besorgt.

München/Moskau/Teheran - Findet Moskau im Ukraine-Krieg einen neuen Verbündeten? Russlands Präsident Wladimir Putin wird am kommenden Dienstag (19. Juli) in den Iran reisen. Neben dem iranischen Präsidenten Ebrahim Raisi wolle er dort den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan treffen, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow der Agentur Interfax zufolge. Demnach soll es bei dem Treffen um Syrien gehen. Die USA haben aus der Ferne jedoch erhebliche Zweifel an dieser Version und befürchten eine enorme Waffenlieferung von Teheran an die russischen Invasionstruppen in der Ukraine.

Ukraine-Krieg: Iran liefert Russland angeblich Drohnen

Dabei soll es um Kampfdrohnen gehen, die den ukrainischen Streitkräften bei der Verteidigung ihrer Heimat massiv schaden könnten, so die ersten Einschätzungen von Experten.

„Unsere Informationen zeigen, dass sich die iranische Regierung darauf vorbereitet, schnell mehrere Hundert unbemannte Luftfahrzeuge bereitzustellen. Darunter sind auch solche, die Waffen transportieren können“, erklärte der Nationale Sicherheitsberater von US-Präsident Joe Biden, Jake Sullivan. Bei den Drohnen soll es sich laut Sullivan um fortschrittliche Modelle handeln, die auch Raketen abfeuern können.

Im Video: USA meinen - Iran will Russland Drohnen für Krieg gegen Ukraine liefern

Noch im Juli sollten russische Soldaten in Iran im Umgang mit den Drohnen geschult werden, vermutet die US-Regierung. Entsprechende Drohnen gelten als besonders wirkungsvoll in der Bekämpfung von Artillerie. In den vergangenen Wochen hatte der Westen der Ukraine solche Waffensysteme geliefert. Zum Beispiel kündigte Deutschland die Lieferung von insgesamt zehn hochmodernen Panzerhaubitzen 2000 an. Die ersten sind bereits vor Tagen im Kampfgebiet im Osten des Landes eingetroffen.

Ukraine-Krieg: Unterstützung Russlands durch Drohnen? Iran verweist auf angebliche Neutralität

Teheran wies den Bericht aus den Vereinigten Staaten indes zurück und bekräftigte seine Neutralität. „Unser Standpunkt im Ukraine-Konflikt ist bekannt“, sagte Außenamtssprecher Nasser Kanaani laut Deutscher Presse-Agentur (dpa). Der Iran sei demnach für eine diplomatische und gegen eine militärische Lösung. Doch: Wegen US-Sanktionen gegen die Regierung der Islamischen Republik konnte der Iran zuletzt militärische Ausrüstung fast nur noch aus Russland beziehen. Entsprechend eng sind die Beziehungen zwischen Moskau und Teheran.

Iranische Kampfdrohne Schahed 129

Die Schahed 129 ist die erste selbst entwickelte Kampfdrohne des Iran. Das unbemannte Luftfahrzeug wurde im September 2013 bei der Luftwaffe der Iranischen Revolutionsgarde (IRSAF) in Dienst gestellt. Die Drohne hat eine Reichweite von 1700 Kilometern und einen Aufklärungsradius von 200 Kilometern.

Sie kann unbestätigten Angaben zufolge vier Sadid-345-Gleitbomben mit sich führen und damit Panzer sowie Artillerie bekämpfen. Ihre Marine-Version „Simorgh“ ist offenbar in der Lage, Antischiffsraketen abzufeuern.

Wie ist die Drohnen-Lieferung einzuordnen? Der erwartete Deal sei eine „bedeutende Aussage“ über Grenzen russischer Militär-Fähigkeiten, erklärte Frederick Kagan, Direktor des Critical Threats Project am American Enterprise Institute, der Washington Post. Es gebe verschiedene Hinweise darauf, dass den russischen Truppen die Präzisionswaffen ausgehen, was die Drohnen aus dem Iran ändern würden, meinte er. Nach Angaben von Kiew haben die ukrainischen Streitkräfte ihrerseits hunderte russischer T-72-Panzer und Schützenpanzer von den Typen BMP-1 und BMP-2 mithilfe von Drohnen zerstört.

Russland-Ukraine-Krieg: Gegenoffensive im Raum Cherson erwartet, heftige Kämpfe im Donbass

Diese sind kaum zu verteidigen. Die unbemannten Luftfahrzeuge können stundenlang über dem Schlachtfeld schweben. Die iranische Schahed-129-Drohne hat zum Beispiel eine Reichweite von 1700 Kilometern und einen Aufklärungsradius von 200 Kilometern. „Es ist schwierig, abzuschätzen, was die Auswirkungen sein werden. Aber es wird den Russen eindeutig mehr Möglichkeiten geben, Luftangriffe durchzuführen, und das vermutlich tiefer in ukrainischem Territorium, als sie es bis jetzt gemacht haben“, sagte Kagan der Washington Post.. Wochen später gibt es Behauptungen, im Kreml sei man unzufrieden mit der Qualität der gelieferten Fluggeräte.

Derzeit wird eine riesige ukrainische Gegenoffensive erwartet, um Gebiete im Süden des Landes um Cherson herum zwischen Dnepr, Schwarzem Meer und Krim zurückzuerobern. Auch im Donbass wird heftig gekämpft, hier sind die ukrainischen Verteidiger seit Wochen in der Defensive. Bringen iranische Drohnen schon bald militärische Vorteile für die Besatzer? (pm)

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