Kurz vor der Bundestagswahl

Jetzt rückt Scholz in den Plagiatsjäger-Fokus: Mit Baerbocks „schockierendem“ Ergebnis noch nicht vergleichbar

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Plagiatsdiskussionen sorgten besonders zu Beginn des Bundestagswahlkampfs für Wirbel. Jetzt legt Medienwissenschaftler Weber noch einmal nach.

Berlin/Wien - Es geht weiter mit der Plagiatssuche: Nach Büchern von den Kanzlerkandidaten Annalena Baerbock und Armin Laschet durchforstet nun der Wiener Medienwissenschaftler Stefan Weber auch das Buch „Hoffnungsland. Eine neue deutsche Wirklichkeit“ von Olaf Scholz*. Wie Weber in seinem Blog schreibt, wurde er bislang an drei Stellen in dem 2017 erschienen Buch fündig. Dabei geht es um nicht gekennzeichnete Textpassagen von der Website der Bundeszentrale für politische Bildung und aus einem Artikel der Süddeutschen Zeitung.

Vor der Bundestagswahl: Plagiats-Funde in Büchern von allen drei Kanzlerkandidaten

Noch ist die Prüfung nicht abgeschlossen. Im quantitativen Vergleich zu den Funden etwa bei der Grünen-Kandidatin liegt Scholz noch deutlich hinter Baerbock. Laut dem „Endbericht“ wurde Weber bei ihr schließlich in hundert Fällen fündig. Aber: „Annalena Baerbock* hat nicht an 100 Stellen plagiiert“, schreibt Weber zu dem Buch „Jetzt“. „Womöglich sind es 200 oder 300 oder noch mehr Stellen. Aber wir haben die Untersuchung nun bei 100 Stellen abgebrochen, weil das Vorgehen und das Ausmaß aus unserer Sicht hinreichend dokumentiert sind und wir nun genug unbezahlte Arbeitsstunden in das Projekt investiert haben.“ Das Ergebnis jedenfalls ist aus seiner Sicht „schockierend“. Der Ullstein-Verlag hatte im Juli angekündigt, in Absprache mit Baerbock würden in einer möglichen nächsten Auflage sowie baldmöglichst im E-Book zusätzliche Quellenangaben ergänzt. Handwerkliche Fehler räumte sie auch in einer Wahlkampf-Sendung vor Schülern* ein.

Bei Unions-Kanzlerkandidat Laschet spricht Weber in einem Zwischenbericht von 17 Plagiatsfragmenten im Buch „Die Aufsteigerrepublik“. Laschet hatte nach ersten Vorwürfen von Ende Juli Fehler eingeräumt* und angekündigt, eine Prüfung des gesamten Werkes zu veranlassen.

Olaf Scholz, Kanzlerkandidat der SPD

Baerbocks Buch wird noch überarbeitet - Prüfung von Laschets Buch noch nicht abgeschlossen

Nach diesen jüngsten Veröffentlichung zu neuen mutmaßlich plagiierten Stellen in den Büchern der Kanzlerkandidaten verweisen die Sprecher der Betroffenen auf laufende Prüfverfahren. Eine Sprecherin von Baerbock erklärte am Dienstag laut dpa, dass Baerbocks Buch derzeit noch „gründlich und mit Sorgfalt überarbeitet werde“. Im Falle von Laschet teilte ein Sprecher mit, dass die Prüfung des Buches immer noch nicht abgeschlossen sei. Die SPD äußerte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen gegen Scholz.

„Abgekupfert wird im politischen Diskurs offenbar genau so dreist wie in der Wissenschaft, aber bei niemandem konnte man es bislang so werkprägend dokumentieren wie bei Annalena Baerbock“, erklärte Weber. „Sie ist Frau Guttenberg des politischen Sachbuchs.“ Aber auch von Armin Laschet* und Olaf Scholz „würde man sich erwarten, dass sie immer dann, wenn sie nicht in direkter Rede zitieren, eigene Worte verwenden“.

Baerbock, Scholz und Laschet: Inhaltlicher Streit und verbale Attacken im TV-Triell

Gerade die Anfangszeit des Wahlkampfes zur Bundestagswahl* war geprägt von Diskussionen über derartige persönliche Fehler der Kandidaten. Unter anderem mit Beginn der TV-Trielle und anderen Shows verlagerte sich dies mehr ins Inhaltliche. Die CDU präsentierte jüngst am Mittwoch beispielsweise ein Positionspapier zur Wirtschaftspolitik*. (cibo/dpa/AFP) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Florian Gaertner/photothek.de via www.imago-images.de

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