Konflikt im News-Ticker

China verkündet „erfolgreich erledigte“ Manöver – Taiwan hält erneut militärische Abwehr-Übung ab

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Chinas militärische Aktionen in der Nähe von Taiwan spitzen sich zu. Taipeh simulierte in einer Übung nun einen Angriff durch China. Der News-Ticker.

Update vom 11. August, 14.00 Uhr: Taiwan hat inmitten der massiven Spannungen mit China erneut eine Militärübung zur Abwehr eines möglichen Angriffs abgehalten. Dabei wurden in Taiwans südlichstem Landkreis Pingtung scharfe Artillerie-Munition und Leuchtraketen abgefeuert, wie ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur AFP sagte. Die Übung dauerte rund eine Stunde. Hunderte Soldaten nahmen daran teil.

Pelosi verteidigt Besuch in Taiwan - „Werden es China nicht erlauben“

Update vom 10. August, 21.25 Uhr: „Ich glaube, das Militär hält es im Moment für keine gute Idee.“ So hatte Joe Biden die Reise der Vorsitzenden des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, im Vorfeld beurteilt. Die Politikerin verteidigte ihren Besuch in Taiwan am Mittwoch (10. August) in Washington. „Wir werden es China nicht erlauben, Taiwan zu isolieren“, sagte die Demokratin. Zwar halte China Taiwan beispielsweise von einer Mitgliedschaft in der Weltgesundheitsorganisation WHO ab, „aber sie halten uns nicht davon ab, nach Taiwan zu reisen“, so Pelosi.

Nancy Pelosi war mit ihrem Besuch in Taiwan seit einem Vierteljahrhundert die ranghöchste US-Politikerin dort. (Archivbild)

An ihrem Besuch zu Beginn des Monats hatte es vor allem aus China, aber auch aus anderen Ländern Kritik gegeben. Die chinesische Führung lehnt offizielle Kontakte anderer Länder zu Taiwan nämlich ab, weil sie die Insel als Teil der Volksrepublik ansieht, wohingegen Taiwan sich selbst als unabhängig betrachtet. Im Wissen um den Besuch der US-Politikerin hatte China seit vergangener Woche großangelegte Militärübungen rund um die demokratische Inselrepublik absolviert und dabei auch eine Eroberung geübt. Pelosi - protokollarisch in den USA die Nummer drei - war seit einem Vierteljahrhundert die ranghöchste US-Politikerin in Taiwan. 

Update vom 10. August, 12.17 Uhr: China hat seine Militärübungen rund um Taiwan nach eigenen Angaben vorerst abgeschlossen. Man habe „verschiedene Aufgaben erfolgreich erledigt“, teilte das östliche Kommando der Volksbefreiungsarmee mit. Durch gemeinsame Militäroperationen der Streitkräfte im See- und Luftraum rund um die Insel Taiwan sei die Kampffähigkeit der Armee „effektiv getestet“ worden. 

Veränderungen der Situation in der Taiwanstraße würden jedoch weiterhin großer Aufmerksamkeit geschenkt werden. So seien „regelmäßigen Patrouillen“ geplant. Auch sollen weiterhin militärisches Training und andere Vorbereitungen erfolgen. Das Militär werde die Souveränität und territoriale Integrität Chinas „entschlossen schützen“, hieß es. 

China droht im Taiwan-Konflikt: Gewalt als „letzter Ausweg“

Update vom 10. August, 8.21 Uhr: China hat erneut damit gedroht, Taiwan notfalls auch mit militärischen Mitteln einzunehmen. Peking werde stets große Anstrengungen unternehmen, eine friedliche Wiedervereinigung mit der Inselrepublik zu erreichen, hieß es in einem von der chinesischen Regierung veröffentlichten Weißbuch zur Taiwan-Frage.

„Aber wir werden nicht auf die Anwendung von Gewalt verzichten, und wir behalten uns die Möglichkeit vor, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen“, hieß es weiter. Die Anwendung von Gewalt sei „unter zwingenden Umständen“ der „letzte Ausweg“. Man werde keine ausländische Einmischung in Taiwan tolerieren, so die chinesische Führung.

Spannungen mit China: Pelosi verteidigt Besuch in Taiwan

Update vom 9. August, 22.48 Uhr: Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, hat ihren Besuch in Taiwan trotz der massiven Spannungen mit China verteidigt. „Ja, es hat sich gelohnt“, sagte die 82-Jährige, die in der vergangenen Woche nach Asien gereist war, dem US-Sender NBC am Dienstag in einem Interview. „Das, was die Chinesen jetzt tun, ist das, was sie immer tun“, sagte sie mit Blick auf neue Militärmanöver in der Straße von Taiwan. Die Demokratin sagte, sie habe „überwältigende parteiübergreifende Unterstützung“ für ihren Besuch erfahren.

Taiwans Übungen offenbar keine Reaktion auf Chinas Militärmanöver

Update vom 9. August, 7.47 Uhr: Wie am Montag angekündigt, hat Taiwan in der Nacht auf Dienstag Übungen zur Abwehr eines möglichen Angriffs durch China abgehalten. Dabei wurden am Dienstag in Taiwans südlichstem Landkreis Pingtung scharfe Artillerie-Munition und Leuchtraketen abgefeuert, wie ein Journalist der Nachrichtenagentur AFP vor Ort berichtete. Die Übung soll etwa eine Stunde gedauert haben. Im Vorlauf der Übungen hatte China seinerseits über Tage hinweg Militärmanöver vor der Küste Taiwans abgehalten. Hierfür galt der Besuch von Nancy Pelosi als Auslöser.

Mit den Übungen mit hunderten Soldaten und 40 Haubitzen üben die Streitkräfte nach Angaben des Armeesprechers vom Vortag „Gegenmaßnahmen gegen simulierte feindliche Angriffe auf Taiwan“. Die Übungen waren demnach schon länger geplant und stellten keine Reaktion auf die Manöver Chinas dar.

Artillerie der taiwanesischen Armee wird bei einer Übung des Militärs am Dienstag in der Region Pingtung abgefeuert.

Taiwan plant Militär-Übungen - keine Reaktion auf chinesische Manöver

Update vom 8. August, 19.45 Uhr: Inmitten der fortgesetzten chinesischen Militärmanöver rund um Taiwan will die selbstregierte Insel eigene Übungen durchführen. Taiwans Außenministerium betonte: „Chinas Provokationen und Aggressionen haben den Status quo in der Straße von Taiwan beeinträchtigt und die Spannungen in der Region erhöht.“ Taiwan selbst kündigte nun für diese Woche Übungen seiner Landstreitkräfte zur Landeabwehr an. Nach Angaben des Militärs werden diese am Dienstag und Donnerstag in Pingtung, dem südlichsten Landkreis der Insel, stattfinden.

Die taiwanische Armee werde „Gegenmaßnahmen gegen simulierte feindliche Angriffe auf Taiwan üben“, sagte ein Sprecher der Streitkräfte der Nachrichtenagentur AFP. Hunderte Soldaten und rund 40 Haubitzen würden dabei zum Einsatz kommen. Die Übungen seien schon länger geplant gewesen und stellten keine Reaktion auf die Manöver Chinas dar. Taiwan hält regelmäßig Manöver ab, bei denen eine chinesische Invasion simuliert wird. Im Juli hatte das taiwanische Militär im Rahmen seiner größten jährlichen Übung die Abwehr von Angriffen aus dem Meer in einer „gemeinsamen Abfangoperation“ geübt.

Taiwan-Konflikt: Sorge um möglichen chinesischen Angriff auf die Insel

Update vom 8. August, 11.20 Uhr: Der Streit um Taiwan ist einer der gefährlichsten Konfliktherde der Welt. Nach Russlands Angriff auf die Ukraine wächst weltweit die Sorge, dass China auf ähnliche Weise versuchen könnte, die demokratische Insel zu erobern. 

China zwingt jedes Land, das diplomatische Beziehungen mit Peking haben will, keine offiziellen Kontakte mit Taiwan zu unterhalten. Es ist vom „Ein-China-Grundsatz“ die Rede. Danach ist Peking die einzige legitime Vertretung Chinas.

Geschichte von Taiwan: Nur wenige Länder erkennen das Land an

Auf chinesischen Druck wurde Taiwan aus den Vereinten Nationen und internationalen Organisationen ausgeschlossen. Nur weniger als zwei Dutzend kleinere Länder unterhalten noch diplomatische Beziehungen. Deutschland oder die USA betreiben nur eine inoffizielle Vertretung in Taipeh.

Taiwan-Konflikt: China setzt Manöver überraschend fort – „notwendige Warnung“ an die USA

Update vom 8. August, 7.15 Uhr: China hat seine Manöver um Taiwan am Montag überraschend fortgesetzt. Ungeachtet seiner anfänglichen Ankündigung, dass die Militärübungen nur bis Sonntag laufen sollten, dauerten die „Kampfübungen“ in der Luft und See der Meerenge der Taiwanstraße an, wie das Staatsfernsehen berichtete. Die Volksbefreiungsarmee habe sich dabei auf „gemeinsame Einsätze gegen Unterseeboote und zum Angriff auf See konzentriert“.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Wu Qian, bezeichnete die Manöver am Montag als „notwendige Warnung“ an die USA und Taiwan. Es sei eine „angemessene“ Reaktion auf deren „Provokationen“. Die Spannungen seien „bewusst“ von den USA geschaffen worden, indem die Vorsitzende des amerikanischen Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, gegen den Widerstand aus Peking nach Taipeh gereist sei.

Bei der Ankündigung der Manöver am vergangenen Dienstag hatte die chinesische Führung ursprünglich einen Abschluss am Sonntag in Aussicht gestellt. Bisher wurde allerdings kein formelles Ende mitgeteilt. Einige chinesische Kommentatoren hatten vielmehr geäußert, dass die Militärübungen regelmäßig stattfinden und eine neue Normalität werden könnten.

China hat seine Manöver um Taiwan am Montag überraschend fortgesetzt.

Taiwan-Konflikt: USA wüten über „unverantwortliche“ Chinesen und sprechen von „signifikanter Eskalation“

Update vom 7. August, 9.36 Uhr: „Sie sind provokant, unverantwortlich und erhöhen das Risiko, sich zu verkalkulieren“: Mit diesen Worten hat ein Weißes-Haus-Sprecher Chinas Militär-Manöver um Taiwan verurteilt. Das berichtet der Guardian. Diese Aktivitäten seien „eine signifikante Eskalation in Chinas Bemühungen, den Status Quo zu ändern“, zitiert die britische Zeitung den US-Regierungssprecher weiter.

Die chinesische Regierung wiederum hat die Joe-Biden-Regierung erneut für Nancy Pelosis Besuch scharf kritisiert: Vize-Außenministerin Hua Chunying warf ihr auf Twitter vor, sie sollte „aufhören, auf Chinas Türschwelle die Muskeln spielen zu lassen.“

Die Visite Pelosis in Taiwan war die ranghöchste aus den USA seit einem Vierteljahrhundert - China ist verärgert, weil es die Insel für sich beansprucht. 

Trump wütet über Taiwan-Reise von „verrückter“ Pelosi: „Was zum Teufel“

Update vom 6. August, 11.45 Uhr: Ex-US-Präsident Donald Trump hat bei einer Rede im US-Bundesstaat Wisconsin den Taiwan-Besuch der Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, kritisiert. „Verrückte Nancy Pelosi, was zum Teufel!“, sagte Trump bei seiner Rede vor Unterstützern. „Was hatte sie in Taiwan zu suchen?“, fragte er weiter. Pelosi sei „ein Traum für China“ gewesen und habe der Volksrepublik einen „Vorwand“ gegeben. „Sie haben auf diesen Vorwand gewartet“, so Trump.

Taiwan-Konflikt: Blinken mit Vorwurf gegen China - „zunehmend destabilisierend“

Update vom 6. August, 11.25 Uhr: US-Außenminister Antony Blinken hat China vorgeworfen, den Besuch der US-Spitzenpolitikerin Nancy Pelosi in Taiwan zu benutzen, um die Spannungen um die demokratische Insel zu eskalieren. Peking habe bereits in den vergangenen Jahren „zunehmend destabilisierende und potenziell gefährliche Aktionen in Bezug auf Taiwan durchgeführt“, sagte Blinken bei einem Besuch auf den Philippinen.

Die Änderung des Status quo in der Meerenge der Taiwanstraße gehe von Peking aus, nicht von den Vereinigten Staaten, erklärte Blinken mit Blick auf die chinesischen Raketentests und Militärübungen in der Nähe von Taiwan. Blinken sprach von einem „totalen Missverhältnis“ zwischen Pelosis friedlichem Besuch einerseits und Chinas eskalierenden Militärmanövern andererseits.

Taiwan-Konflikt: Aufsehen in China wegen Pelosi-Besuch in Taipeh

Erstmeldung vom 6. August: München - Die Sprecherin des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sorgte mit ihrem Besuch in der demokratisch selbstregierten Insel Taiwan für großes Aufsehen in China. Peking betrachtet die Insel als eigenes Territorium und somit eine innere Angelegenheit. Pelosis Besuch wurde daher als „Verletzung der chinesischen Souveränität“ wahrgenommen.

China führt Militärmanöver um Taiwan durch - Taipeh wirft Peking „Angriffssimulation“ vor

Als Reaktion startete Chinas „Volksbefreiungsarmee“ (PLA) Militärmanöver in sechs Gebieten um die Insel. Nach Einschätzung des taiwanischen Militärs hat China bei diesen Manövern nun einen Angriff auf die Insel „simuliert“. Wie das Verteidigungsministerium in Taipeh berichtete, operierten zahlreiche Militärflugzeuge und Kriegsschiffe am Morgen in der Nähe Taiwans.

Einige von ihnen hätten die inoffizielle, aber meist von beiden Seiten respektierte „Medianlinie“ in der Mitte der Taiwanstraße überquert, die das Festland und die Insel trennt. Als Reaktion habe Taiwans Militär Flugzeuge sowie Warnungen über Funk geschickt und Raketenabwehrsysteme mobilisiert, um die chinesischen Militärmaschinen zu verfolgen. Chinesische Flugzeuge dringen regelmäßig in die Luftverteidigungszone der Insel ein.

China und Taiwan: Darum geht es in dem Konflikt

Taiwans F-16-Kampfjet (links) überwacht einen der beiden chinesischen H-6-Bomber, die den Bashi-Kanal südlich von Taiwan und die Miyako-Straße in der Nähe der japanischen Insel Okinawa überflogen.
Seit Jahrzehnten schon schwelt der Taiwan-Konflikt. Noch bleibt es bei Provokationen der Volksrepublik China; eines Tages aber könnte Peking Ernst machen und in Taiwan einmarschieren. Denn die chinesische Regierung hält die demokratisch regierte Insel für eine „abtrünnige Provinz“ und droht mit einer gewaltsamen „Wiedervereinigung“. Die Hintergründe des Konflikts reichen zurück bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts. © Taiwan Ministry of Defence/AFP
Chinas letzter Kaiser Puyi
Im Jahr 1911 zerbricht das viele Jahrtausende alte chinesische Kaiserreich. Der letzte Kaiser Puyi (Bild) wird abgesetzt, die Xinhai-Revolution verändert China für immer. Doch der Weg in die Moderne ist steinig. Die Jahre nach der Republikgründung waren von Wirren und internen Konflikten geprägt.  © Imago
Porträt von Sun Yatsen auf dem Tiananmen-Platz in Peking
Im Jahr 1912 gründet Sun Yat-sen (Bild) die Republik China. Es folgen Jahre des Konflikts. 1921 gründeten Aktivisten in Shanghai die Kommunistische Partei, die zum erbitterten Gegner der Nationalisten (Guomindang) Suns wird. Unter seinem Nachfolger Chiang Kai-shek kommt es zum Bürgerkrieg mit den Kommunisten. Erst der Einmarsch Japans in China ab 1937 setzt den Kämpfen ein vorübergehendes Ende. © Imago
Mao Zedong ruft die Volksrepublik China aus
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und der Kapitulation Japans flammt der Bürgerkrieg wieder auf. Aus diesem gehen 1949 die Kommunisten als Sieger hervor. Mao Zedong ruft am 1. Oktober in Peking die Volksrepublik China aus (Bild).  © Imago Images
Chiang Kai-shek
Verlierer des Bürgerkriegs sind die Nationalisten um General Chiang Kai-shek (Bild). Sie fliehen 1949 auf die Insel Taiwan. Diese war von 1895 bis 1945 japanische Kolonie und nach der Niederlage der Japaner an China zurückgegeben worden. Auf Taiwan lebt seitdem die 1912 gegründete Republik China weiter. Viele Jahre lang träumt Chiang davon, das kommunistisch regierte Festland zurückzuerobern – während er zu Hause in Taiwan mit eiserner Hand als Diktator regiert. © Imago
Richard Nixon und Zhou Enlai 1972
Nach 1949 gibt es zwei Chinas: die 1949 gegründete Volksrepublik China und die Republik China auf Taiwan, die 1912 gegründet wurde. Über Jahre gilt die taiwanische Regierung als legitime Vertreterin Chinas. Doch in den 70er-Jahren wenden sich immer mehr Staaten von Taiwan ab und erkennen die kommunistische Volksrepublik offiziell an. 1972 verliert Taiwan auch seinen Sitz in den Vereinten Nationen, und Peking übernimmt. Auch die USA brechen mit Taiwan und erkennen 1979 – sieben Jahre nach Richard Nixons legendärem Peking-Besuch (Bild) – die Regierung in Peking an. Gleichzeitig verpflichten sie sich, Taiwan mit Waffenlieferungen zu unterstützen. © Imago/UIG
Chiang Ching-Kuo in Taipeh
Im Jahr 1975 stirbt Taiwans Dikator Chiang Kai-shek. Neuer Präsident wird drei Jahre später dessen Sohn Chiang Ching-kuo (Bild). Dieser öffnet Taiwan zur Welt und beginnt mit demokratischen Reformen. © imago stock&people
Chip made in Taiwan
Ab den 80er-Jahren erlebt Taiwan ein Wirtschaftswunder: „Made in Taiwan“ wird weltweit zum Inbegriff für günstige Waren aus Fernost. Im Laufe der Jahre wandelt sich das Land vom Produzenten billiger Produkte wie Plastikspielzeug zur Hightech-Nation. Heute hat in Taiwan einer der wichtigsten Halbleiter-Hersteller der Welt - das Unternehmen TSMC ist Weltmarktführer. © Torsten Becker/Imago
Tsai Ing-wen
Taiwan gilt heute als eines der gesellschaftlich liberalsten und demokratischsten Länder der Welt. In Demokratie-Ranglisten landet die Insel mit ihren knapp 24 Millionen Einwohnern immer wieder auf den vordersten Plätzen. Als bislang einziges Land in Asien führte Taiwan 2019 sogar die Ehe für alle ein. Regiert wird das Land seit 2016 von Präsidentin Tsai Ing-wen (Bild) von der Demokratischen Fortschrittspartei. © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping
Obwohl Taiwan nie Teil der Volksrepublik China war, will Staats- und Parteichef Xi Jinping (Bild) die Insel gewaltsam eingliedern. Seit Jahrzehnten droht die kommunistische Führung mit der Anwendung von Gewalt. Die meisten Staaten der Welt – auch Deutschland und die USA – sehen Taiwan zwar als einen Teil von China an – betonen aber, dass eine „Wiedervereinigung“ nur friedlich vonstattengehen dürfe. Danach sieht es derzeit allerdings nicht aus. Die kommunistiche Diktatur Chinas ist für die meisten Taiwaner nicht attraktiv. © Dale de la Rey/AFP
Militärübung in Kaohsiung
Ob und wann China Ernst macht und in Taiwan einmarschiert, ist völlig offen. Es gibt Analysten, die mit einer Invasion bereits in den nächsten Jahren rechnen – etwa 2027, wenn sich die Gründung der Volksbefreiungsarmee zum 100. Mal jährt. Auch das Jahr 2049 – dann wird die Volksrepublik China 100 Jahre alt – wird genannt. Entscheidend dürfte sein, wie sicher sich China ist, einen Krieg auch zu gewinnen. Zahlenmäßig ist Pekings Armee der Volksrepublik den taiwanischen Streitkräften überlegen. Die Taiwaner sind dennoch gut vorbereitet. Jedes Jahr finden große Militärübungen statt; die Bevölkerung trainiert den Ernstfall, und die USA liefern Hightech-Waffen.  © Sam Yeh/AFP
Xi Jinping auf einem chinesischen Kriegsschiff
Analysten halten es für ebenso möglich, dass China zunächst nicht zu einer Invasion Taiwans blasen wird, sondern mit gezielten Nadelstichen versuchen könnte, den Kampfgeist der Taiwaner zu schwächen. So könnte Xi Jinping (Bild) eine Seeblockade anordnen, um die Insel Taiwan vom Rest der Welt abzuschneiden. Auch ein massiver Cyberangriff wird für möglich gehalten.  © Li Gang/Xinhua/Imago
Protest in Taiwan
Auch wenn die Volksrepublik weiterhin auf eine friedliche „Wiedervereinigung“ mit Taiwan setzt: Danach sieht es derzeit nicht aus. Denn die meisten Taiwaner fühlen sich längst nicht mehr als Chinesen, sondern eben als Taiwaner. Für sie ist es eine Horrorvorstellung, Teil der kommunistischen Volksrepublik zu werden und ihre demokratischen Traditionen und Freiheiten opfern zu müssen. Vor allem das chinesische Vorgehen gegen die Demokratiebewegung in Hongkong hat ihnen gezeigt, was passiert, wenn die Kommunistische Partei den Menschen ihre Freiheiten nimmt. © Ritchie B. Tongo/EPA/dpa

Taiwanischer Beamter im Hotel tot aufgefunden - er war für die Raketenproduktion zuständig

Indes wurde der für die Raketenproduktion des Inselstaates zuständige hohe taiwanische Beamte Ouyang Lixing in einem Hotel im Süden von Taiwan tot aufgefunden. Dies berichtete die britische Zeitung The Guardian unter Berufung auf taiwanische Medien. Todesursache des Wissenschaftlers sei dabei ein Herzinfarkt, hieß es. Behörden zufolge sei kein äußeres Einwirken festgestellt worden. Der Beamte soll laut seiner Familie an einer Herzkrankheit gelitten haben, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.

Der 57-jährige Lixing war der stellvertretende Leiter des militärischen „Chung-Shan Instituts für Wissenschaft und Technologie“. Dort leitete er mehrere Projekte für die Produktion von Raketen für die taiwanische Armee.

Die Lage um Taiwan spitzt sich also weiter zu. Ein Experte erklärte gegenüber Merkur.de, was eine Eskalation des Taiwan-Konfliktes für Deutschland bedeuten würde. Wie kam es überhaupt zu den Spannungen im fernen Osten? Der Hintergrund zum Taiwan-China-Konflikt. (bb)

Rubriklistenbild: © SAM YEH/afp

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