Nach neuer Erklärung

Erdogan-Wende im Botschafter-Eklat: Türkischer Staatschef spricht von „Rückzieher“

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Recep Tayyip Erdogan sieht sich als Gewinner der Krise um die Solidaritätsbekundung von Botschaftern für Osman Kavala 

In der Türkei bahnte sich ein politischer Eklat an. Jetzt hat Erdogan davon Abstand genommen mehrere Botschafter auszuweisen. Denn er sieht sich als Sieger.

Ankara - Eine plötzliche Wende im politischen Zoff um die mögliche Ausweisung von mehreren Botschaftern aus der Türkei. Staatschef Recep Tayyip Erdogan* hat nun von der angedrohten Ausweisung Abstand genommen.

Wende in der Botschafter-Krise in der Türkei: Man will Wiener Konvention einhalten

Die Botschafter hätten „einen Rückzieher gemacht“ und „werden in Zukunft vorsichtiger sein“, sagte Erdogan am Montagabend. Zuvor hatten einige der betroffenen Botschaften eine Erklärung veröffentlicht, wonach sie sich gemäß der Wiener Konvention daran halten, sich nicht in die inneren Angelegenheiten des Gastlandes einzumischen.

Die Entspannung zeichnete sich ab, als die US-Vertretung in der Türkei am Montagnachmittag auf Twitter eine entsprechende Stellungnahme veröffentlicht hatte. Die deutsche Botschaft teilte die Erklärung in dem Onlinedienst.

„Unsere Absicht war nicht, eine Krise zu verursachen“, verteidigte Erdogan am Abend in einer Fernsehansprache sein Vorgehen. Es sei nur darum gegangen, „unsere Ehre, unseren Stolz und unsere souveränen Rechte zu schützen“.

Wende in der Botschafter-Krise in der Türkei: Ursache ist Solidaritätsbekundung für inhaftierten Kulturförderer

Erdogan hatte am Wochenende für einen Eklat gesorgt, indem er ankündigte, zehn westliche Botschafter zu „unerwünschten Personen“ erklären zu lassen. Auf die auch als „persona non grata“ bekannte Einstufung folgt in der Regel die Ausweisung.

Die Diplomaten aus Deutschland, Frankreich, den USA und sieben weiteren Ländern zogen Erdogans Zorn auf sich, als sie eine Solidaritätsbekundung für den inhaftierten Osman Kavala veröffentlichten. In einem gemeinsamen Appell hatten sie zur Freilassung des ohne Verurteilung im Gefängnis einsitzenden türkischen Kulturförderers aufgerufen.

Wende in der Botschafter-Krise in der Türkei: Berlin reagierte am Vormittag noch verstimmt

Die Entspannung durch die Tweets der Diplomaten in der Türkei überrascht. Denn die Bundesregierung hatte sich noch am Montagvormittag verstimmt über die Drohungen aus Ankara gezeigt. Die Aussagen Erdogans nehme die Regierung „mit Sorge zur Kenntnis und auch mit Unverständnis“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Mit den anderen betroffenen Staaten habe sich Berlin am Wochenende „intensiv“ beraten.

Diese Gespräche dauerten weiter an, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes. Sie hatte zudem erklärt, sollte die Einstufung der Diplomaten als unerwünschte Personen tatsächlich erfolgen, würde dies im Widerspruch zur Tiefe und zur Bedeutung der deutsch-türkischen Beziehungen stehen. Es würde auch nicht dem „Umgang unter Nato-Verbündeten“ entsprechen.

Es war erwartet worden, dass die betroffenen Nationen auf eine Ausweisung mit der gleichen Maßnahme reagiert hätten. Dies hätte die Beziehungen Ankaras zu westlichen Ländern dramatisch verschlechtert. (afp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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