Konflikte

Türkei: Luftangriffe gegen Kurdenmilizen in Syrien und Irak

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Laut dem türkischen Verteidigungsministerium haben Kampfflugzeuge und bewaffnete Drohnen an der Operation teilgenommen (Archivbild).

Die türkische Luftwaffe bombardiert erneut Ziele in den nördlichen Regionen Syriens und Iraks. Aus dem Bundestag kommt Kritik.

Istanbul - Die Türkei hat nach eigenen Angaben in einer neuen Luftoffensive Stellungen von Kurdenmilizen in Nordsyrien und im Nordirak bombardiert.

Es seien unter anderem Schutzräume und Munitionslager getroffen worden, teilte das Verteidigungsministerium in Ankara am Mittwoch mit. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden mindestens vier Menschen in Nordostsyrien getötet - weitere Todesopfer seien zu befürchten.

Die von Kurdenmilizen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) bestätigten den Tod von vier eigenen Kämpfern. Man werde nicht still untätig bleiben im Angesicht der Angriffe, teilten die SDF mit.

Das türkische Verteidigungsministerium erklärte nach Angaben der staatliche Nachrichtenagentur Anadolu, an der „Operation Winteradler“ hätten zahlreiche Kampfflugzeuge und bewaffnete Drohnen teilgenommen. Das Militär habe fast 80 Ziele an drei verschiedenen Orten in Nordostsyrien und im Nordirak bombardiert. Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte am Mittwoch zu der Operation: „Sie haben keinen Ort gefunden, um sich zu verstecken.“

Der Militäreinsatz richtete sich nach türkischen Angaben gegen die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien, die beide von der Türkei als Terrororganisationen eingestuft werden. Ankara begründet die Luftschläge in den Nachbarländern mit Selbstverteidigung. In Europa und den USA steht nur die PKK auf der Terrorliste. Die Kurdenmilizen in Syrien sind dagegen Verbündete der USA im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS).

Die vier Menschen seien in der Nacht infolge eines Drohnenangriffs auf ein Kraftwerk in der nordostsyrischen Stadt Derik getötet worden, teilte die Beobachtungsstelle mit. Es gebe zudem zahlreiche Verletzte. In der Nähe des Kraftwerks gebe es Stellungen der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), die von der Kurdenmiliz YPG angeführt wird. Durch den Angriff sei der Strom in den umliegenden Dörfern ausgefallen.

Die Türkei hat bereits mehrmals Militäreinsätze gegen die PKK im Irak und gegen die Kurdenmiliz YPG in Syrien geführt. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestags hatte in der Vergangenheit bei ähnlichen Einsätzen bezweifelt, dass diese mit dem Völkerrecht vereinbar sind.

Die Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen kritisierte die Luftangriffe und forderte laut einer Mitteilung am Mittwoch ein Ende der Bombardierungen auf zivile Ziele im Norden Iraks und Syriens.

Das Hauptquartier der PKK liegt in den nordirakischen Kandil-Bergen. Ankara geht auch immer wieder militärisch gegen deren Stellungen in der Südosttürkei vor. Die PKK wiederum verübt Anschläge.

Der seit 1984 andauernde Konflikt kostete bislang Zehntausende Menschen das Leben. Ein Waffenstillstand war im Sommer 2015 gescheitert. dpa

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