Nach Bund-Länder-Runde

2G-Schock im Einzelhandel: Ungeimpfte dürfen nicht mehr im Laden shoppen

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Das Coronavirus ist außer Rand und Band, die Zahlen steigen stetig. Nun werden die Maßnahmen verschärft. Im Einzelhandel gilt künftig bundesweit die 2G-Pflicht:

Update vom 3. Dezember: Baden-Württemberg hat die Regel bereits eingeführt, jetzt gilt sie für das gesamte Bundesgebiet. Der Corona-Gipfel von Bund und Ländern hat am Donnerstag (2. Dezember) schärfere Maßnahmen* beschlossen. Neben deutlicheren Kontaktbeschränkungen sind nicht geimpfte oder nicht genesene Personen in Deutschland künftig auch fast komplett vom öffentlichen Leben ausgeschlossen. In Restaurants, Kinos oder Theatern gilt künftig die 2G-Regelung auch im Einzelhandel. Ungeimpfte dürfen jetzt keine Ladengeschäfte mehr betreten. Ausgenommen von der Regel sind Geschäfte der täglichen Grundversorgung wie Supermärkte, Apotheken oder Drogerien.

2G-Schock im Einzelhandel: Dürfen Ungeimpfte bald nicht mehr Einkaufen gehen?

Erstmeldung vom 1. Dezember: Der Einkaufsbummel in der Vorweihnachtszeit wird anders als bisher in Deutschland und Baden-Württemberg*. Statt Wuseln und Drängeln vor den Regalen im Einzelhandel, dem Schlangestehen vor der Kasse und der unzähligen Tüten, die in den Einkaufsstraßen der Städte den Raum füllen, gibt es in diesem Jahr wohl eine strikte Regel, wer überhaupt in den Geschäften einkaufen darf! Was sich in einigen Bundesländern bereits angedeutet hat, kann nun bald Wirklichkeit werden: Die gemütliche Geschenkejagd gibt es aufgrund der Coronavirus-Situation wohl nur für Geimpfte und Genesene. Heißt: Im Einzelhandel könnte dann 2G gelten*, das forderte der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz wohl beim Corona-Gipfel am Dienstag*.

2G-Regel im Einzelhandel: Baden-Württemberg setzt auf Kontaktbeschränkung

Deutschlandweit wird derzeit über die anstehenden Regeländerungen diskutiert. In manchen Bundesländern gilt bereits ein Teil der schärferen Maßnahmen. „Wir haben sehr hohe Infektionsraten, eine hohe Hospitalisierungsrate. Unsere Intensivstationen sind schon überbelegt. Wir müssen Menschen in anderen Ländern unterbringen,“ erklärte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegenüber dem SWR. Besserung ist noch nicht in Sicht, das Infektionsgeschehen weiter hoch.

LandBaden-Württemberg
LandeshauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Grüne)
Bevölkerung11,07 Mio.

In Baden-Württemberg werden wohl Sportveranstaltungen wie Fußballspiele ohne Publikum stattfinden, Clubs und Weihnachtsmärkte geschlossen und es soll keine Alkoholabgabe mehr im öffentlichen Raum geben. Ein paar Einschränkungen mehr also, die vor allem eines zum Ziel haben: Die Kontaktbeschränkung zur Bekämpfung des Coronavirus. Diese neuen Regelungen und Maßnahmen* werden voraussichtlich am Freitag, den 03. Dezember, gelten. Für Schulen in Baden-Württemberg* gibt es demnach wohl keine Änderungen.

2G-Pflicht im Einzelhandel: Einige Bundesländer kündigen schärfere Maßnahmen an!

Auch in anderen Bundesländern wird es wohl weitere Einschränkungen geben, vor allem die 2G-Pflicht im Einzelhandel gilt als sehr wahrscheinlich. So hat das Bundesland Hamburg bekanntgegeben, dass ab Samstag der Einzelhandel nur mit 2G genutzt werden darf. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig fordert die deutschlandweite 2G-Pflicht und sagte im ZDF-Morgenmagazin: „Der Bund muss die Rechtslage ändern.“

In Bayern hat der Handel weiter offen, allerdings muss gewährleistet sein, dass nur ein Kunde auf 10 Quadratmeter kommt - nicht mehr. In Brandenburg hingegen gilt im Einzelhandel schon seit Ende November die 2G-Regel. Auch Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier hat bekanntgegeben, dass ab kommenden Sonntag (05.12.) im Einzelhandel die 2G-Pflicht gilt.

In Baden-Württemberg konnte man bislang ab der Alarmstufe I noch mit einem 3G-Nachweis einkaufen. Geimpft, genesen oder getestet also. In Alarmstufe II geht das ebenfalls, aber: Wenn in einem Stadt- oder Landkreis die Sieben-Tage-Inzidenz an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 500 liegt, dann gilt 2G. Das bedeutet für alle Ungeimpften, dass sie keinen Zugang mehr zum Einzelhandel haben. In Baden-Württemberg liegt derzeit der Landesdurchschnitt bei 508,8 (die aktuellen Zahlen).

Ausgenommen von der 2G-Regel im Einzelhandel sind überall Geschäfte der Grundversorgung. Supermärkte, Apotheken und Drogerien beispielsweise bleiben frei zugänglich. Auch Abholangebote und Lieferdienste sind weiterhin ohne 2G-Pflicht.

2G-Regel im Einzelhandel: Handelsverbände reagieren empört

Die Reaktion auf das Vorhaben die 2G-Regel im Einzelhandel einzuführen, lies nicht lange auf sich warten. So zeigte sich der Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) entsetzt. Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann: „Die neuerlichen Pläne der Ministerpräsidentenkonferenz, im nicht privilegierten Einzelhandel flächendeckend die 2G-Regelung einzuführen, sind ein weiterer Schlag ins Gesicht für alle Händlerinnen und Händler, die in den letzten 20 Monaten bereits zahlreiche Sonderopfer für unsere Gesellschaft gebracht haben.“

Dabei verweist der Handelsverband darauf, dass sowohl das Robert-Koch-Institut (RKI) also auch „kürzlich veröffentliche Auswertungen der Warnmeldungen der Lucca-App“ zeigten, dass der Einzelhandel kein Pandemie-Treiber sei. Der Meinung ist auch Stefan Genth. „Diese Maßnahme verfehlt das Ziel, denn der Handel ist kein Pandemietreiber“, erklärt der Geschäftsführer des Handelsverband Deutschland (HDE) gegenüber WELT.

HDE-Chef Stefan Genth warnt vor der 2G-Regel im Einzelhandel.

Hagmann hingegen bemängelt vor allem, dass der Impfschutz nur sechs Monate hält und noch nicht jeder ein Booster-Angebot wahrnehmen konnte. „Hier würden also doppelt geimpfte Personen, die sich auch Boostern lassen wollen, vom Einkauf im stationären Einzelhandel ausgeschlossen werden, wodurch den ohnehin schon angeschlagenen Händlerinnen und Händlern weitere Kunden wegfallen würden“, so Hagmann in einer Mitteilung.

2G-Regel im Einzelhandel: Achtung beim Nachweis - Gelber Impfpass gilt nicht mehr

Währenddessen sprach sich der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz auch nochmal für das Impfen aus. „Wir müssen impfen, wir müssen dafür sorgen, dass diejenigen, die schon zwei Impfungen haben, eine Auffrischungsimpfung bekommen. Und da geht es um viele, viele Millionen Impfungen“, so Scholz gegenüber den ARD-Tagesthemen am Dienstag.

Ob die Kritik etwas ändert, bleibt abzuwarten. Am Donnerstag werden Bund und Länder voraussichtlich bekannt geben, welche Regeln gelten werden. Eine Änderung gibt es jedoch bereits ab diesem Mittwoch. Die gelben Impfpässe sind kein gültiger Nachweis für die Impfung mehr.

Ab dem 01. Dezember 2021 gilt nur noch das digitale Impfzertifikat. Heißt: Auf dem Smartphone wird mit einem auslesbaren QR-Code der Nachweis erbracht. Vor allem ältere Menschen sind dadurch zum Teil verunsichert. Aber keine Sorge: Wer kein Smartphone besitzt, erhält ein Impfzertifikat in Papierform direkt nach der Impfung oder in einer Apotheke. Darauf ist ebenfalls ein gültiger QR-Code. (tobi) *HEIDELBERG24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © dpa/PA Wire-Peter Byrne/Montage HEADLINE24

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