Experten empfehlen Impfstoff weiter

BioNTech: Herz-Probleme nach Impfung? Das ist bislang über die Nebenwirkung bekannt

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Ende April meldete Israel Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer BioNTech-Impfung. Die neusten Studienergebnisse geben Anlass zur Sorge. Experten empfehlen die Impfung jedoch weiter:

Das Neun-Millionen-Einwohner-Land Israel setzt seit dem 19. Dezember erfolgreich eine Impfkampagne um. Neuinfektionen und schwere Erkrankungen sind in den vergangenen Monaten stark zurückgegangen. Deshalb hat das Land die staatlichen Corona-Maßnahmen Anfang Juni nahezu komplett aufgehoben. Fast die gesamte Bevölkerung ist mit dem Impfstoff der Mainzer Firma BioNTech* geimpft worden. Trotz dieser Erfolgsmeldungen drängt sich inzwischen die Frage auf, ob die Impfung schwere Nebenwirkungen verursachen könnte. Bereits im April vermuteten israelische Wissenschaftler eine Verbindung zwischen einer Corona-Impfung mit dem Vakzin von BioNTech und dem Auftreten einer sogenannten Myokarditis*, also einer Herzmuskelentzündung. Das berichtet HEIDELBERG24*.

BioNTech: Zusammenhang zwischen Herzmuskelentzündung und Impfung

Eine vorläufige Studie hat 62 Fälle von Myokarditis bei mehr als fünf Millionen Geimpften nachgewiesen, mittlerweile sind es 275. Eine aktuelle Untersuchung in Israel ist zu dem Ergebnis gekommen, dass es einen möglichen Zusammenhang zwischen der zweiten Dosis des BioNTech-Impfstoffes und einer Herzmuskelentzündung bei jungen Männern zwischen 16 und 30 gebe. Die Rate der Komplikationen liege zwischen einem von 3.000 und einem von 6.000 geimpften 16- bis 24-Jährigen. Das entspricht dem 5- bis 25-fachen des Üblichen. Die meisten Fälle von Herzmuskelentzündungen seien jedoch milde verlaufen und innerhalb weniger Wochen ausgeheilt. Das sei typisch für eine Myokarditis.

In den USA ist diese Nebenwirkung ebenfalls beobachtet worden - auch nach einer Impfung mit dem mRNA-Impfstoff von Moderna. Laut dem Magazin „Science“ sind in der EU 107 Fälle von Myokarditis erfasst worden, was einem Fall auf 175.000 Dosen entsprechen würde. Allerdings sind in Europa bisher wenige Menschen in der betroffenen Altersgruppe geimpft worden. Auch im Alltag erkranken vor allem junge Männer an einer Herzmuskelentzündung. Häufig werden sie durch Virus-Erkrankungen ausgelöst, unter anderem durch eine Covid-19-Erkrankung.

Herzmuskelentzündung nach BioNTech-Impfung? So oft kommt Myokarditis im Alltag vor

Bisher sind zwei Todesfälle im Zusammenhang mit einer Myokarditis erfasst worden, eine ursächliche Wirkung der Impfung sei jedoch nicht belegt. Im Coronavirus-Podcast der NDR weist Virologin Sandra Ciesek darauf hin, dass Fälle von Herzmuskelentzündung in der Allgemeinbevölkerung häufiger vorkommen, als angenommen. „Man vermutet, dass bei Männern ungefähr sechs von 100.000 pro Jahr eine Myokarditis entwickeln. Bei Frauen sind es vier pro 100.000 pro Jahr. Das ist gar nicht so selten, wenn man es hochrechnet.“

Was zu den Herzmuskelentzündungen führt, ist nicht bekannt. Es ist möglich, dass die mRNA selbst das Immunsystem der jungen Männer zu einer Überreaktion stimuliert.

BioNTech-Impfung: Israel will Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren impfen

Israel will kommende Woche mit der Impfung von Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren gegen das Coronavirus* beginnen. Das hat das Gesundheitsministerium nach längeren Beratungen am Mittwoch (3. Juni) mitgeteilt. Die Gefahren einer Erkrankung seien höher als mögliche Nebenwirkungen der Impfung. „Die Fälle von Herzmuskelentzündungen bei 16- bis 19-Jährigen waren selten und sind meist ohne Komplikationen verlaufen“, heißt es in der Mitteilung.

Angesichts der äußerst niedrigen Corona-Infektionsrate in Israel empfiehlt das Ministerium vorerst die Impfung von Risikopatienten, Angehörigen von Risikopatienten und Jugendlichen in Familien, die ins Ausland reisen wollen. „Abgesehen von den Risikogruppen kann jeder geimpft werden, der daran interessiert ist“, hieß es weiter.

Auch die amerikanische Behörde für Arzneimittelsicherheit empfiehlt die Impfung junger Männer mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer weiter. Der Nutzen überwiege die Risiken ganz klar, heißt es in der Mitteilung.

BioNTech für Kinder und Jugendliche zugelassen: Gibt STIKO eine Empfehlung ab?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut hatte nach der Zulassung von Comirnaty für 12- bis 15-Jährige bereits signalisiert, die Impfung für diese Altersgruppe nicht pauschal zu empfehlen, hat sich aber noch nicht offiziell geäußert. Mit dem Beschluss, die Impfkampagne auch auf Kinder auszuweiten, ist die Bund-Länder-Runde der STIKO-Empfehlung zuvor gekommen und überging die Bedenken des Gremiums. „Es ist keine generelle Empfehlung der STIKO für alle gesunden Kinder zu erwarten“, so STIKO-Vorsitzender Thomas Mertens am 4. Juni im ZDF-„Morgenmagazin“*. Noch immer würden schlichtweg nicht genug aussagekräftige Daten und Erkenntnisse darüber vorliegen, die eine allgemeine Impf-Empfehlung für alle gesunden Kinder rechtfertigten. (kp) HEIDELBERG24* ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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