Energiekrise

Gasnot wegen Russland: Ist Fracking die Alternative? Was dafür spricht - und was dagegen

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Angesichts der Gaskrise ist die Diskussion um das umstrittene Fracking in Deutschland neu entflammt. Warum die Technik so umstritten ist, was die Befürworter sagen.

Berlin/München – Das Erdgas wird knapp in Deutschland. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine ist klar, dass Wladimir Putins Land kein zuverlässiger Energielieferant mehr ist. Durch die Gas-Pipeline Nord Stream 1 strömt seit über zwei Wochen überhaupt kein Gas mehr. Umso drängender wird die Suche nach einem Ersatz der russischen Energielieferungen. Dabei wird auch immer wieder Fracking diskutiert – doch die Gas-Gewinnungsmethode sorgt für Zwiespalt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur umstrittenen Fördermethode.

Was ist Fracking überhaupt?

Fracking ist eine Methode, um Gas oder Öl aus tiefen Schiefer-, Ton-, Mergel- oder Kohleflözgesteinen zu fördern. Dazu wird eine Mischung aus Sand, Wasser, und Chemikalien mit viel Druck in den Boden gepresst. Dadurch brechen die Gesteinsschichten auf und Erdgas und -öl können so aus den Ritzen herausdringen und an die Erdoberfläche gepumpt werden. Bei dieser Methode handelt es sich um unkonventionelles Fracking. Das konventionelle Fracking funktioniert ähnlich, dabei wird jedoch deutlich weniger Frackingflüssigkeit genutzt und es werden nur Restvorkommen aus den gewöhnlichen Vorkommen genutzt.

Beim Fracking wird ein Wasser-Sand-Chemikalien-Gemisch in die Erde gepresst, um Gas oder Öl zu fördern.

Wie umweltschädlich ist Fracking?

Eine der größten Sorgen beim Fracking ist die Verunreinigung des Grundwassers. Umweltschützer befürchten, dass Chemikalien bei den Bohrungen in das Wasser gelangen könnten. Aber auch die Lärm- und Luftemissionen, sowie den großen Flächenverbrauch und den hohen Wasserverbrauch nennt das Bundesumweltministerium als mögliche Umweltrisiken.

Die verschiedenen Fracking-Probleme:

  • Erdbeben: Durch das Fracking entstehen in der Regel kleine Erdbeben – das ist normal. Doch in der Vergangenheit traten immer häufiger stärkere Beben auf, welche teils sogar Häuser beschädigten. So hat beispielsweise Fracking in Kanada im Jahr 2016 ein Erdbeben der Stärke 4,8 ausgelöst, berichtet Deutschlandfunk.de.
  • Entsorgung des Lagerstättenwassers: Beim Fracking dringt auch das sogenannte Lagerstättenwasser an die Oberfläche. Das besteht laut dem Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie Niedersachsen aus Wasser, gelösten Salzen und Kohlenwasserstoffen. Es kann jedoch auch Schwermetalle wie Quecksilber oder natürliche radioaktive Stoffe enthalten. Es gibt die Möglichkeit, dieses Wasser zur weiteren Förderung zurück in die Erde zu pressen. Jedoch bleibt meist auch ein Anteil, der entsorgt werden muss.
  • Wasserverbrauch: Laut eines Gutachtens des Umweltbundesamtes aus dem Jahr 2014 werden pro Bohrloch zwischen einigen Tausend und einigen zehntausend Kubikmetern an Wasser verbraucht, schreibt das Handelsblatt. Zum Vergleich: Die Bewohner einer Stadt mit einer Million Einwohner verbrauchen pro Tag im Durchschnitt 128.000 Kubikmeter Wasser – also so viel wie zehn bis hundert Bohrlöcher, je nach Verbrauch. Umweltschützer halten den hohen Wasserverbrauch aber besonders aufgrund der immer häufiger auftretenden Dürreperioden für viel zu hoch.
  • Methan: Beim Fracking löst sich auch Methangas aus den Gesteinsschichten. Dieses ist weitaus klimaschädigender als CO2 und treibt somit auch den Klimawandel weiter voran. Umweltaktivist Andy Gheorghiu sagte dem Handelsblatt dazu: „Wenn wir jetzt in Deutschland wieder mit dem Fracking anfangen, zementieren wir die fossile Abhängigkeit weiter.“

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Wird in Deutschland Fracking betrieben?

Nein, seit dem Jahr 2017 ist unkonventionelles Fracking in Deutschland verboten. Auf der Website des Bundesumweltministeriums heißt es dazu: „Es gilt der Grundsatz: Der Schutz der Gesundheit und der Schutz des Trinkwassers haben Vorrang vor wirtschaftlichen Interessen. Der Einsatz der unkonventionellen Fracking-Technologie [...] wird verboten, da die Risiken nicht zu verantworten sind beziehungsweise nicht abschließend bewertet werden können.“

Für Diskussionen sorgt jedoch immer wieder, dass Deutschland Fracking-Gas aus anderen Ländern importiert, die Technik selbst aber hierzulande verbietet. Im niederländischen Groningen liegt beispielsweise ein großes Erdgasvorkommen, wo auch Fracking betrieben wird - mit weitreichenden Folgen. So weisen viele Häuser in dem Gebiet wegen der künstlich erzeugten Erdbeben inzwischen Risse im Mauerwerk auf.

Wie viel Gas könnte man in Deutschland durch Fracking fördern?

Hans-Joachim Kümpel, der von 2007 bis 2016 Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) war, hält eine Fördermenge von 15 Milliarden Kubikmetern Erdgas für technisch realistisch. Das ist jedoch weniger als ein Drittel der Menge, die bisher jährlich aus Russland kam. Dafür würden seinen Schätzungen zufolge zwischen 50 und 200 Bohrplätze mit jeweils zehn Bohrungen benötigt werden.

Könnte man mit Fracking einen Gas-Mangel im kommenden Winter noch abwenden?

Angesichts der immer angespannteren Energie-Situation in Deutschland fordern immer mehr Politiker, das Fracking-Verbot noch einmal zu überdenken. Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) erklärte beispielsweise, dass das Fracking genutzt werden müsse, „wo es verantwortbar ist“. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) zeigte sich in der Vergangenheit offen gegenüber der Fördermethode.

Doch so einfach ist es nicht. Denn damit ein Unternehmen Fracking betreibt, muss das auch wirtschaftlich rentabel sein. Das sei jedoch erst nach drei bis sieben Jahren Betrieb der Fall, berichtet das Handelsblatt unter Berufung auf Branchenexperten. Zudem würde es vier Monate dauern, bis entsprechende Förderanlagen das erste Gas liefern könnten. Bis dahin wäre der deutsche Winter ohnehin fast wieder vorbei. Diese Anlagen müssten außerdem erst einmal beschafft werden und zu den potenziellen Gas-Vorkommen geliefert werden.

Auch Hans-Joachim Kümpel ist sich sicher, dass das Fracking keine schnelle Lösung für das ausbleibende russische Gas ist. Dem Handelsblatt sagt er: „Diese Menge durch heimisches Fracking zu gewinnen, ist illusorisch.“ Um alleine die 15 Milliarden Kubikmeter zu fördern, würde es ihm zufolge mindestens zwei bis drei Jahre dauern. (ph/dpa)

Rubriklistenbild: © Bill Bachmann/Imago Images

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