„Keine funktionierende ICEs, Abgeordnete anpöbeln“ 

Ex-Siemens-Chef Kaeser kassiert verheerendes Echo auf Tweets

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Joe Kaeser sorgt mit seinem Auftreten schon mal für Kopfschütteln. Jetzt hat der Ex-Siemens-Chef sich über die mangelhafte Diskretion von Abgeordneten mokiert.

München – Joe Kaeser ist harsche öffentliche Kritik eigentlich gewohnt. Kurz nach der Annexion der Krim reiste der damalige Siemens-Chef im März 2014 zum Entsetzen vieler Beobachter nach Russland, um sich mit Wladimir Putin zu treffen.

Auch seine Teilnahme an einer Wirtschaftskonferenz in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad nach der Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi und sein unerwartetes Hohelied auf den früheren US-Präsidenten Donald Trump trugen dem Niederbayern teils geharnischte Kritik ein.

Inzwischen ist Kaeser zwar nicht mehr operativ verantwortlich, sondern vor allem Chef-Kontrolleur bei Siemens Energy, aber allzu viele Sorgen um die öffentliche Wirkung seiner Worte macht Kaeser sich offenbar immer noch nicht. 

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser: Tweet sorgt für hitzige Reaktionen

Erst am Donnerstag (3. Februar) hat der Siemens-Boss a.D. mit einem unbedarften Tweet erneut für kollektives Kopfschütteln gesorgt*. Er sitze gerade inmitten von Abgeordneten im Flieger nach München, verkündete der Ex-Siemens-Boss seinen knapp 42.000 Follower via Twitter.

Die Abgeordneten würden sich „hörbar über das Wochenende freuen …. und nebenbei Internas austauschen. Einige mit CSU-Bändchen“, lästerte der ehemalige Top-Manager. Er rechne gerade „so ungefähr aus, wie viele davon ich mit meiner Einkommensteuer finanziere…“ Außerdem frage er sich, ob dieses Geld nicht besser ausgegeben werden könnte, etwa „für Pflegekräfte oder Polizist*innen und andere Menschen, die täglich wirklich für die Bürger da sind“.

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser: Heftiger Angriff auf FDP-Staatssekretär

Und weil Kaeser schon dabei war, bekam auch der FDP-Abgeordnete Thomas Sattelberger gleich noch einen mit. Unter den hörbar erregten Abgeordneten sei einer von der FDP, der früher „flache Kolumnen in Boulevard-Magazinen geschrieben hat“, stänkerte Kaeser in Anspielung auf Sattelberger, der es mit dem Regierungswechsel immerhin zum Parlamentarischen Staatssekretär im Bildungsministerium gebracht hat und seinen Wahlkreis in München hat.

Den Seitenhieb vom Manager-Pensionär wollte der Liberale so nicht auf sich sitzen lassen. „Was flacher war, Ihre Verbeugung vor Trump oder Putin oder meine Essays im Manager Magazin mögen andere beurteilen“, ließ der frühere Personal-Vorstand der Deutschen Telekom den ehemaligen Siemens-Boss wissen. Doch den Plauder-Hinweis wies Sattelberger entrüstet zurück. Diese „ehrenrührige Behauptung“ verbitte er sich. „Das mögen die CSU’ler gemacht haben“. Er jedoch habe „schweigend“ und offenbar kreuzbrav auf seinem Sitz gesessen.

Joe Kaeser: Der frühere Siemens-Chef hat auf Twitter über Abgeordnete gelästert - und damit hitzige Reaktionen ausgelöst.

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser: Duell der Dax-Großkopferten

Auf Twitter sorgt der Zwist der ehemaligen Dax-Großkopferten jetzt für ein gepflegtes Social-Media-Beben - und jede Menge Popcorn-Bedarf.

Kaesers Tweet sei „populistischer Blödsinn“, kommentierte ein User. Er mache sich Argumente der AfD zu eigen, schreibt ein anderer, und betreibe damit „ein Verächtlichmachen der parlamentarischen Demokratie“. Auch sonst kommt es für Kaeser knüppelhart. „Keinen ICE mit sommertüchtiger Klimaanlage bauen können, aber Abgeordnete anpöbeln, das haben wir gerne“, spottet Prof. Jan Schnellenbach von der Uni Cottbus.

Ex-Siemens-Chef Joe Kaeser: Eimerweise Häme

Für eimerweise Häme sorgen auch Kaesers Schulkenntnisse. Der Plural von „internum“, sei „Interna“ nicht „Internas“ wie zahlreiche ehemalige Latein-Schüler anmahnen. Und warum der frühere Siemens-Chef, dessen Konzern die Bahn mit ICEs versorgt, auf der Strecke von Berlin nach München fliegt, statt umweltgerecht den Zug zu nehmen, bleibt vielen Usern ebenfalls ein Rätsel.

Immerhin: Ein – womöglich vergiftetes - Lob gibt es dann aber doch: Kaeser, schreibt ein User, könne schon mal „gendern“. Nur bei „Bürgern“ müsse er noch dazu lernen. Die korrekte Schreibweise, erinnert ein anderer User, laute „Bürger:innen“.  

Rubriklistenbild: © Peter Kneffel/dpa

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