vbw-Studie

Über 50 Cent je Kilowattstunde: Strompreis könnte 2023 dramatisch steigen 

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Stromleitungen am Umspannwerk: Unternehmen und private Haushalte müssen sich auch im kommenden Jahr wohl auf drastische Preissteigerungen bei Strom einstellen.
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Strom könnte im nächsten Jahr noch viel teurer werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). 

München - Ein dauerhafter russischer Gaslieferstopp dürfte nach einer aktuellen Studie zu einem weiteren drastischen Strompreisanstieg führen. Danach könnte eine Megawattstunde (MWh) im Großhandel im kommenden Jahr im Jahresschnitt über 500 Euro kosten, hat das Schweizer Prognoseinstitut Prognos errechnet. Das wären gut 13 Mal mehr als vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2019. Damals hatte die Megawattstunde Strom noch mit 38 Euro zu Buche geschlagen.

Auch in den kommenden Jahren dürfte der Strompreis nicht auf das Niveau von 2020 zurückfallen, heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Studie im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw).

Damit müssen Unternehmen und private Haushalte den Gürtel künftig wohl noch enger schnallen. Aktuell zahlen etwa Verbraucher im Schnitt umgerechnet rund 30 Cent je Kilowattstunde. Bei einem Großhandelspreis von 500 Euro je MWh müssten sich private Haushalte dann auf ein Niveau von 50 Cent je Kilowattstunde einstellen und damit rund zwei Drittel mehr als derzeit üblich.

Studie zum Strompreis: Drei Szenarien

  • Der Prognose von über 500 Euro liegt das ungünstigste Szenario zugrunde. Es unterstellt, dass Russland auch im kommenden Jahr kein Gas mehr liefert und schreibt damit die aktuelle Lage fort.
  • Im mittleren Szenario geht das Schweizer Institut davon aus, dass sich der Gaspreis auf dem Niveau des laufenden Jahres stabilisiert und dann bis 2040 auf 70 Euro je Megawattstunde zurückgeht.
  • Im unteren Preispfad unterstellen die Prognos-Experten für 2023 einen Preis von 104 Euro je Megawattstunde, um dann bis 2040 auf 57 Euro abzuschmelzen. Allerdings liegt diesen Berechnungen die Annahme zugrunde, dass Russland wieder so viel Gas liefert, wie vor dem Ausbruch des Ukraine-Kriegs. Das halten viele Beobachter derzeit für sehr unwahrscheinlich.

vbw-Chef Brossardt: „Enorme Belastungen für Unternehmen“

„Die hohen Strompreise sind enorme zusätzliche Belastungen für die Unternehmen“, sagte vbw-Hauptgeschäftsführer Bettram Brossardt. Hier müsse die Bundesregierung „dringend gegensteuern“.  Neben einer Absenkung der Stromsteuer auf das europarechtliche Mindestniveau forderte Brossardt erneut die Einführung eines europäischen Industriestrompreises.

Daneben sprach sich Brossardt für eine vorübergehende Änderung des Preismechanismus am Strommarkt aus. Bisher richtet sich dieser nach den Grenzkosten - das sind die Produktionskosten des teuersten Kraftwerks (Merit Order-Prinzip). Den Preis solle übergangsweise die zweitteuerste Erzeugungsvariante bestimmen, forderte der vbw-Hauptgeschäftsführer. Außerdem solle der Staat über eine Art Darlehen 90 Prozent der Verluste übernehmen, die auf die drastisch gestiegenen Gaspreise zurückzuführen seien. Die Unternehmen sollten die Hilfen zurückzahlen, sobald sich die Lage für sie verbessert habe.

Hohe Energiepreise werden zur existentiellen Bedrohung

Wie brisant die Lage für energie-intensive Branchen in Deutschland derzeit ist, zeigt etwa der Blick auf die Aluminium-Industrie. Zur Herstellung einer Tonne Alu benötigen Unternehmen nach eigenen Angaben rund 15 MWh Strom. Bei einem Strompreis von 500 Euro je MWh fallen damit alleine 7500 Euro Stromkosten an. Auf dem Weltmarkt wird die Tonne Aluminium derzeit aber nur für rund 2400 Euro gehandelt. Damit machen die Hersteller in Deutschland mit jeder Tonne Alu derzeit 5100 Euro Verlust.

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