Toyota-Rückruf: Der Fluch des Erfolgs

Tokio - Toyota steckt in der wohl größten Krise seiner Firmengeschichte. Gerade erst zum weltgrößten Autobauer aufgestiegen, droht der jahrelang aufgebaute Ruf nachhaltig beschädigt zu werden.

Bisher galten die Autos als besonders zuverlässig und sicher - doch sollen 19 Menschen in den vergangenen zehn Jahren gestorben sein, weil ihre Autos sich nicht mehr stoppen ließen. Die Zahl hat die US-Behörde für Straßensicherheit zusammengetragen. Ein Ausschuss des amerikanischen Kongresses fragt nun, seit wann der Konzern von den Problemen wusste. Weltweit müssen insgesamt rund 8 Millionen Autos wegen fehlkonstruierter Gaspedale zur Reparatur.

“Ein Rückruf wie bei Toyota erschüttert die Marke“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer. An der Börse ist der Wert von Toyota innerhalb weniger Tage um rund 15 Milliarden Euro geschrumpft. Japanische Politiker und Medien fürchten schon, dass die gesamte Autoindustrie des Landes Schaden nimmt.

Die 15 größten Autobauer der Welt

Die 15 größten Autobauer der Welt

Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 1: Herzlichen Glückwunsch an Toyota. Verkaufte Autos 2008: 8.972.000. Platz 2007: 2 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 2: General Motors. Verkaufte Autos 2008: 8.350.000. Platz 2007: 1 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 3: Volkswagen. Verkaufte Autos 2008: 6.230.000. Platz 2007: 4 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 4: Nissan/Renault. Verkaufte Autos 2008: 6.090.000. Platz 2007: 5 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 5: Ford. Verkaufte Autos 2008: 5.404.000. Platz 2007: 3 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 6: Hyundai/Kia. Verkaufte Autos 2008: 4.158.000. Platz 2007: 6 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 7: Honda. Verkaufte Autos 2008: 3.783.000. Platz 2007: 7 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 8: PSA (Peugeot/Citroen). Verkaufte Autos 2008: 3.260.000. Platz 2007: 8 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 9: Fiat. Verkaufte Autos 2008: 2.524.000. Platz 2007: 10 © dpa
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 10: Suzuki. Verkaufte Autos 2008: 2.385.000. Platz 2007: 11 © dpa
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 11: Daimler. Verkaufte Autos 2008: 2.057.000. Platz 2007: 12 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 12: Chrysler. Verkaufte Autos 2008: 2.010.000. Platz 2007: 9 © dpa ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 13: BMW. Verkaufte Autos 2008: 1.436.000. Platz 2007: 13 © dpa
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 14: Mazda. Verkaufte Autos 2008: 1.349.000. Platz 2007: 15 © ap
Die 15 größten Autobauer der Welt
Platz 15: Mitsubishi. Verkaufte Autos 2008: 1.309.000. Platz 2007: 14 © dpa ap

Toyota ist ausgerechnet sein Erfolgsrezept zum Verhängnis geworden: Die Japaner haben es wie kaum ein anderer Hersteller verstanden, ein einmal entwickeltes Bauteil in Dutzenden unterschiedlicher Modelle auf der ganzen Welt einzusetzen. “Das Gaspedal sieht der Kunde nicht. Das kann der Hersteller vom Kleinwagen bis zur Luxuslimousine einsetzen“, sagt Autofachmann Peter Bosch von der Managementberatung Oliver Wyman. Das treibt die Gewinne.

Die Kehrseite der Medaille: Macht die Technik Probleme, sind die Folgen unüberschaubar. Wie jetzt bei Toyota. “Wir ahnen die Kosten nur - es werden über hundert Millionen Dollar sein“, sagt Bosch. Dudenhöffer spricht sogar von einem Milliardenbetrag. Der japanische Konzern hat den Verkauf der betroffenen Modelle gestoppt, seine Produktion in Nordamerika angehalten und muss für die Reparaturen gerade stehen. Auch PSA Peugeot Citroën hat es erwischt - wegen baugleicher Teile in einigen Modellen wurden Rückrufe notwendig.

Toyota versucht händeringend, zumindest den Image-Schaden zu begrenzen. In großen Anzeigen informiert das Unternehmen seit dem Wochenende in amerikanischen Zeitungen über den jüngsten Rückruf - zu spät, wie Experten kritisieren. Schon vor fast zwei Wochen hatte der Konzern in den USA über klemmende Gaspedale berichtet. Die Kunden in Europa und anderen Teilen der Welt erfuhren Ende vergangener Woche von den Problemen.

Alles Elektro

Alles Elektro

Peugeot iON
Der Peugeot iON ist ein Elektro-Stadtauto mit 60 PS und 130 km Reichweite, ist bis zu 130 Sachen schnell und soll Ende 2010 starten. © Peugeot
Elektrostudie Ampera von Opel
Die Elektrostudie Ampera von Opel hat einen 150 PS starken E-Motor sowie einen 1,4-Liter-Benziner als Stromgenerator. © AP
Mercedes S 500 Plug-in Hybrid
Der Mercedes S 500 Plug-in Hybrid mit 448 PS verbraucht nur 3,2 Liter auf 100 km und lässt sich an jeder Steckdose aufladen. Auf der IAA wurde er von Mercedes Boss Dieter Zetsche präsentiert. © AP
Toyota Auris Vollhybrid
Der Toyota Auris Vollhybrid mit 136 PS ist ein Kompaktauto, hat einen Benziner und einen Elektromotor. Soll Mitte 2010 starten. © Toyota
Elektro E-Up VW
Ausblick auf ein Elektro-Stadtauto von VW: Studie „E-Up!“ © dpa
Renault Zoe
Renault Zoe: Ab 2012 das Elektroauto in der Nähe von Paris produziert. © Renault

In den USA hat Toyota mittlerweile eine Reparaturlösung gefunden: Die ersten von 2,3 Millionen Autos sollen noch in dieser Woche in die Werkstätten kommen. In Europa sind 1,8 Millionen Fahrzeuge betroffen, auch im Nahen Osten und China müssen Kunden zu ihren Händlern.

Es ist der zweite Rückruf dieses Ausmaßes in Folge. Im vergangenen Jahr hatten sich die Berichte über rutschende Fußmatten gemehrt, die das Gaspedal zu verkeilen drohten. Ein Unfall mit vier Toten machte in den USA landesweit Schlagzeilen. 5,3 Millionen Wagen müssen deshalb in die Werkstätten.

Etliche Wagen sind von beiden Defekten gleichzeitig betroffen - ein Umstand, der viele Kunden an Toyota zweifeln lässt. Die Konkurrenz macht sich das zunutze und lockt Toyota-Fahrer mit satten Rabatten. So bietet der größte US-Rivale General Motors jedem, der umsteigt, 1000 Dollar.

Branchenbeobachter schätzen, dass Toyota im Januar bereits Marktanteile in den USA hat einbüßen müssen - ein schwerer Dämpfer für ein Unternehmen, das sich zum zweitbeliebtesten Hersteller in Nordamerika hochgearbeitet hat. Autoexperte Bosch warnt aber die Konkurrenz davor, Toyota zu unterschätzen: “Die werden wieder zurückkommen.“

Von Daniel Schnettler

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

Kommentare