Misstrauen in Staat

„Wir müssen uns selber helfen“: Trigema-Chef Grupp vertraut in Krisenzeiten nicht auf die Politik

+
Trigema-Chef Wolfgang Grupp kämpft aktuell mit steigenden Energiekosten in seinem Unternehmen.
  • schließen

Unternehmer Wolfgang Grupp ist derzeit als Krisenmanager gefragt. Auf Hilfe vom Staat baut er bei der Problemlösung allerdings nicht.

Burladingen - Die steigenden Energiepreise aufgrund des Ukraine-Kriegs treffen auch den Textilhersteller Trigema aus Burladingen (Baden-Württemberg). Laut Trigema-Chef Wolfgang Grupp sei die Gasrechnung zuletzt um das Neunfache in die Höhe geschossen - von 100.000 auf 900.000 Euro pro Monat. Um einen Produktionsstopp zu verhindern, wäre Grupp sogar bereit, weiter Gas aus Russland zu importieren* (BW24* berichtete). Sein oberstes Ziel: Arbeitsplätze zu sichern und keine Mitarbeiter zu entlassen.

Wie Grupp Anfang April erklärte, werde Trigema zunächst für vier Wochen auf die Nachtschicht verzichten. Das solle ein Viertel der Energiekosten einsparen. Bei Problemlösungen vertraut der Firmenmogul auf eigene Kompetenzen statt auf die Politik. „Wenn ich warte, bis die Politik das Problem gelöst hat, ist es zu spät. Das bringt nichts und dauert zu lange“, erklärte Grupp im Gespräch mit Focus. „Wir müssen uns selber helfen.“

Wolfgang Grupp: Steigende Energiepreise könnten für Trigema existenzbedrohend sein

Seinem Motto „100 Prozent made in Germany“ blieb Trigema immer treu. Noch nie hat das Unternehmen Staatshilfen in Anspruch genommen, noch nie einen Mitarbeiter entlassen müssen. Zudem verspricht Grupp den Kindern von Beschäftigten einen sicheren Ausbildungsplatz.*

Ob Trigema auch in Zukunft ausschließlich im Inland produzieren können wird, steht in den Sternen. Obwohl die Burladinger über 100 Prozent Eigenkapital verfügen, können die monatlichen Mehrkosten durch die steigenden Energiepreise existenzbedrohend sein. Schwierigkeiten bereitet der Firma auch ein Mangel an Fachkräften.

Trigema kämpft mit Mangel an Fachkräften

Der Mangel an Bewerbern für den Job als Näherin oder Näher führt laut Grupp dazu, dass Stellen in Deutschland zunehmend mit ausländischen Fachkräften besetzt werden. Ein Problem sieht der Firmen-Patriarch auch darin, dass sich in Deutschland viele junge Menschen für ein Studium statt einer Ausbildung entscheiden.* Auch sein Sohn, Wolfgang Grupp Junior, sieht den Fachkräftemangel problematisch. Der Trigema-Juniorchef plant sogar, Näherinnen auf lange Sicht durch Automaten zu ersetzen.*

Als Krisenmanager hat sich Grupp zuletzt 2020 bewiesen, als er aufgrund der Corona-Pandemie seine Produktion zeitweise umstellte: Statt Kleidung ließ er Masken produzieren.* Mit Stolz verweist er heute darauf, dass er noch nie ein Geschäftsjahr hatte, das mit einem Verlust endete. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Zurück zur Übersicht: Wirtschaft

Mehr zum Thema

Kommentare