Altersvorsorge, finanzielle Unabhängigkeit und Co.: Warum Frauen ihre Finanzen selbst in die Hand nehmen sollten

Grundsätzlich gilt: In Sachen Sparen besitzen Frauen etwa ein gleich starkes Bewusstsein wie Männer. 52,99 Prozent der Damen und 46,25 Prozent der Herren fassen den Vorsatz, regelmäßig Geld zur Seite zu legen. Jüngere Frauen, die Anfang der 1980er Jahr bis in die späten 1990er Jahre geboren wurden, sind laut Studien bezüglich ihrer Finanzen aufgeklärter als ihre Vorgängerinnen. Eine Umfrage hat ergeben, dass die finanzielle Unabhängigkeit für viele Frauen (genauer gesagt für vier von fünf Frauen) von großer Wichtigkeit ist. Allerdings beschäftigt sich nur gut die Hälfte der Befragten mit dem Thema Geldanlage. Dies führt dazu, dass Frauen im Alter finanziell meist deutlich schwächer dastehen als Männer. Ein vermuteter Grund: Sie verlassen sich oftmals auf ihren Partner, der für sie schon alles regeln wird.

Starke Abhängigkeit deutscher Frauen von ihren Männern

Obwohl immer mehr verheiratete Frauen berufstätig sind, beteiligen sie sich nur zu einem geringen Anteil von 22,4 Prozent an dem Familieneinkommen. Schaut man sich die Zahlen, beispielsweise in Dänemark mit 42 Prozent an, ist dieser verhältnismäßig niedrig. In Familien mit Kindern ist es für Frauen auch heute noch nicht immer möglich, einer Arbeit nachzugehen. Hier herrscht weiterhin die klassische Form vor: Sie versorgt die Familie, er verdient das Geld. Die Mütter sind dann oft im Nachteil, wenn die Beziehung scheitert, denn die Erziehungsjahre vermindern die spätere Rente zum Teil deutlich.

Viele Frauen denken über diesen Umstand nur wenig oder gar überhaupt nicht nach. Sie erledigen unentgeltlich ihre Hausarbeit. Über die Altersvorsorge oder den Fall eine Trennung wird mit dem Partner in den meisten Fällen nicht gesprochen. Tatsächlich wird in zahlreichen Partnerschaften Geld als Gesprächsthema vermieden, um keine Streitigkeiten aufkommen zu lassen. Besonders Frauen tun sich oftmals schwer, ihre persönlichen Finanzen in die eigenen Hände zu nehmen und ökonomische Forderungen zu stellen.

Tatsächlich sind in Deutschland viele Frauen so stark abhängig von ihren Männern wie in kaum einem anderen Industrieland. Somit ist auch ihr Armutsrisiko sehr groß. Nachstehende Punkte zeigen auf, dass es gerade die Frauen in Deutschland nötig haben, sich um finanzielle Unabhängigkeit und die eigene Altersvorsorge zu kümmern.

  • Das Einkommen von Männern liegt im Schnitt knapp 40 Prozent über dem der Frauen.
  • Fast 60 Prozent höher sind die Altersbezüge der Herren.
  • Männer verfügen in der Regel über mehr Angespartes.
  • Als arm gelten in Deutschland rund 40 Prozent der Alleinerziehenden – davon sind 90 Prozent Frauen.

Ungünstiger Arbeitsmarkt für Mütter

In Bezug auf eine Trennung und die spätere Versorgung im Rentenalter ist es daher für Frauen wichtig, ihre Finanzen selbst in die Hand zu nehmen. Erschwerend kommt für sie hinzu, dass selbst bei Berufstätigkeit nur eine Teilzeitarbeit geleistet wird. Tatsächlich sind 69 Prozent aller berufstätigen Mütter wöchentlich im Durchschnitt nur 18.5 Stunden tätig. Über vier Millionen der deutschen Minijobber sind zudem Frauen. Sind die Kinder langsam älter oder selbstständig geworden, ist es nur schwer, in eine Vollzeitstelle zurückzukehren. Unternehmen sind wenig an Mitarbeitern interessiert, die jahrelang keiner regulären Beschäftigung nachgegangen sind. Somit stellt sich die Situation in Deutschland wie folgt dar: 63 Prozent der verheirateten Frauen zwischen 30 und 50 Jahren verdienen unter 1.000 Euro monatlich. Dementsprechend gering ist auch ihr Rentenanspruch.

Unabhängigkeit auch im Rentenalter durch Arbeiten

Auch wenn es oftmals schwierig ist, neben der Versorgung des Haushaltes und der Kinder einem Beruf nachzugehen, sollten Frauen der Rente zuliebe möglichst frühzeitig wieder in den Job einsteigen. Selbst wenn ein zusätzliches Gehalt in der Ehe nicht benötigt wird, darf man die Altersvorsorge nicht aus den Augen lassen. Zudem erhalten Frauen eine höhere finanzielle Unabhängigkeit vom Mann bereits während der Ehe. Im Fall einer Trennung stehen sie so eher auf eigenen Beinen und eine finanzielle Lebensgrundlage ist vorhanden. Besteht keine Notwendigkeit, das Gehalt der Frau in das Familieneinkommen zu integrieren, ist der frühere Wiedereinstieg in das Berufsleben doch eine gute Chance, um in die eigene Zukunft zu investieren.

Gespartes Geld vermehren

Leider machen es Niedrigzinsen heute wenig attraktiv, Geld auf einem Sparbuch zu verwahren. Das Ersparte ist dort zwar relativ sicher, vermehrt sich jedoch nicht. Es gibt jedoch einige Anlagemöglichkeiten, bei denen die Auszahlung von Zinsen das angesparte Geld für die Zukunft vermehrt. Die höchsten Zinsen erhält man noch bei einem Festgeldkonto. Je länger die vereinbarte Laufzeit ist, desto höher ist der Zinssatz. Ein Tagesgeldkonto lohnt sich mittlerweile kaum noch. Entweder gibt es überhaupt keine Zinsen oder sie sind sehr niedrig.

Eine interessante Möglichkeit besteht darin, Geld bei Banken im Ausland anzulegen. Viele Geldinstitute der Europäischen Union bieten einen deutlich höheren Zinssatz als in Deutschland. Das Risiko außerhalb unserer Grenzen Geld anzulegen, ist gering. Denn grundsätzlich gilt: In allen Staaten der EU wird eine uneingeschränkte Einlagensicherung bis 100.000 Euro pro Anlage geboten.

Zusätzliche Altersvorsorge

Wenn eine geringe Rente aufgrund der Erziehungsjahre erwartet wird, sollte man sich bereits frühzeitig um eine private Altersvorsorge kümmern. Blauäugigkeit in Bezug auf die Ehe ist fehl am Platz. Auch wenn die Liebe zum Partner endlos scheint: Wer jederzeit für finanzielle Unabhängigkeit sorgt, ist auf der sichereren Seite. Es gibt verschiedene Vorsorgemodelle, die sich unter anderem in der Laufzeit, der Verzinsung und der Höhe der Beiträge sowie hinsichtlich der Auszahlung unterscheiden. Wer wirklich auf seinen eigenen Beinen stehen möchte, lässt die zu erwartende Rente des Ehemannes außer Acht. Hier geht es darum, als Frau auch im Rentenalter das eigene Leben selbst finanzieren zu können.

Pixabay.com © StockSnap CCO Public Domain
Pixabay.com © Tumisu CCO Public Domain

© Schwäbische Post 18.03.2020 14:13
3713 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?
Kommentar schreiben
Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.

Anmeldung zum E-Mail-Newsletter aus der Redaktion

Die wichtigsten und interessantesten Meldungen des aktuellen Tages aus der Redaktion direkt in Ihr E-Mail-Postfach – täglich und kostenlos jeden Abend.

Jetzt kostenlos anmelden

Aktuelle Meldungen direkt auf Ihr Handy