Bei Minikrediten genauer hinschauen: Warum diese oft so teuer sind

  • Zinsberechnung bei bekannten Minikredit-Anbietern im Vergleich zum durchschnittlichen Dispozins. | Quelle: Kreditheld.de
  • Kreditvergleich von Minikrediten zuzüglich Gebühren. | Quelle: Kreditheld.de

Minikredite sind beliebt. Kein Wunder, denn die Aussicht auf das schnelle und kleine Geld ist natürlich verlockend. Minikredite sind Kredite von unter 1.500 Euro, oft sogar die, die gar nicht die 1.000er-Marke überschreiten. Es gibt sie schnell und unkompliziert, die Beantragung ist einfach und sie sind einfach ideal, um diese eine, ja, genau diese, Anschaffung schnell über die Bühne zu bringen. Doch bei all der Verlockung sollten diese Kredite genauer unter die Lupe genommen werden, denn günstig ist manchmal das genaue Gegenteil.

Potenzielle Probleme bei Minikrediten
Zuerst muss natürlich gesagt werden, dass Minikredite eigentlich keine schlechte Idee sind. Wer beispielsweise ein sehr gutes Gehalt hat und monatlich ausreichend Geld übrighat, kann einen Minikredit nutzen, wenn einen Monat alles auf einmal kommt: Auto kaputt, Waschmaschine läuft aus, Kühlschrank funktioniert nicht mehr. Unter diesen Voraussetzungen wären die Bedingungen des Minikredits kaum ein Problem. Das gilt auch für diejenigen, die genau wissen, dass in einem oder zwei Monaten eine gute Finanzspritze auf dem Konto eingeht.

Trotzdem gibt es Probleme:

  • Zeitfaktor – ein Minikredit ist schnell genommen, muss aber auch schnell zurückgezahlt werden. Innerhalb von dreißig bis neunzig Tagen muss das Geld zurückgezahlt sein. Wie das obige Beispiel zeigt, ist dies nur möglich, wenn das Einkommen eigentlich gut ausreicht, um auch mal einen höheren Betrag zu bezahlen.
  • Auszahlungsfaktor – es gibt etliche Angebote, bei denen das Geld aus einem Minikredit innerhalb von wenigen Tagen auf dem Konto eingeht. Diese Angebote kosten aber zumeist mehr. Ansonsten gilt, dass die Kreditsumme innerhalb von vierzehn Tagen überwiesen wird. Als echte Notfallüberbrückung bietet sich somit der Kredit nur indirekt an.
  • Schuldenfaktor – wie gesagt, wer das Geld nur benötigt, um ein besonderes Angebot zu nutzen, das schlichtweg vor dem Gehaltseingang abläuft, kann sich der Kredit lohnen. Ansonsten droht durchaus die Schuldenfalle, denn wer Probleme hat, Rechnungen oder Anschaffungen zu zahlen, der wird wahrscheinlich auch Probleme haben, die Kreditsumme innerhalb einer kurzen Frist zurückzuzahlen. Eine Rechnung: Für die Reparatur müssen 900,00 Euro aufgenommen werden, die in drei Monaten zurückbezahlt werden müssen. Das sind nun 300,00 Euro, die monatlich zurückgelegt werden müssen. Wer dies schon regulär nicht schafft, der läuft Gefahr, dass auch am Ende der Laufzeit nicht zu schaffen. Minikredite mit Ratenzeiträumen von über 30 Tagen kosten oft übrigens deutlich mehr.
  • Auskunfteien – die meisten Anbieter von Minikrediten arbeiten mit Auskunfteien wie der SCHUFA und melden den Kredit auch an diese. Sollte es nun zur Kündigung des Kredits kommen, wird dies gemeldet. Ein nicht zurückgezahlter Kredit senkt die Bonität massiv.
  • Zinsen – diese sind beim Minikredit mitunter sogar höher als bei einem Dispokredit. Sie fallen zwar durch die kurze Laufzeit kaum ins Gewicht, aber das würden sie bei einem oft noch günstigeren Dispokredit auch nicht.

Der Minikredit hat zwar eine Daseinsberechtigung und bietet sich teilweise sogar in einzelnen Fällen an. Es hängt jedoch immer von den Rahmenbedingungen ab. In vielen Fällen lohnt es sich, bei Banken nach Kleinkrediten zu schauen. Mittlerweile geben durchaus Banken Kredite auch im Rahmen von unter 1.500 Euro. Sie laufen deutlich länger, sind jedoch aufgrund der merklich günstigeren Zinssätze oft auch nicht viel teurer.

Ist der Dispokredit eventuell doch die bessere Lösung?
Allgemein wird vor dem Dispokredit immer gewarnt. Er ist teuer, was durchaus stimmt, wenn die Verzinsung aufs Jahr gerechnet wird. Er dient ebenfalls als Schuldenfalle, da faktisch immer weniger Geld auf dem Konto ist, da der Dispokredit automatisch mit jedem Geldeingang ein Stück weit ausgeglichen wird. Aber ist er nicht manchmal die bessere Alternative zu einem Minikredit?

Ein Überblick:

  • Verzinsung – der Jahreszins eines Dispokredit ist hoch, allerdings variiert er je nach Bank und Konto. Fakt ist: Mit den üblichen Kreditzinsen eines herkömmlichen Kredits kann er nicht mithalten und läuft er länger als ein Minikredit, sind die Zinsen auch teurer als die des Minikredits. Bei gleichschneller Rückzahlung ist er jedoch in Einzelfällen sogar günstiger als Minikredite.
  • Rückzahlung – hier trumpft er auf. Muss der Minikredit spätestens nach neunzig Tagen, je nach Vertrag, zurückgezahlt sein, gibt es beim Dispokredit kein fixes Rückzahlungsdatum. Das erlaubt es gerade bei einem kleineren Einkommen, monatlich einen gewissen Betrag auszugleichen.
  • Gefahr – wer sich dauerhaft im Dispokredit befindet und das Limit immer weiter ins Minus zieht, der läuft natürlich Gefahr, sich zu verschulden. Auch ein Dispokredit sollte so schnell, wie nur möglich, ausgeglichen werden.

Dafür ist der Dispokredit natürlich bequem, sofern er ohnehin schon mit dem Konto einhergeht und nicht extra beantragt werden muss. Bei einem höheren Dispokredit oder einem Konto, welches immer mal wieder im Minus ist, sollte jedoch eher über einen Ratenkredit nachgedacht werden, der auch zum Ausgleich des Dispos genutzt werden kann. Vielen Menschen fällt es leichter, über Monate oder Jahre eine feste Rate zu zahlen, als selbst dafür zu sorgen, dass der Dispokredit ausgeglichen wird. Nun sind auch die Kosten wesentlich höher als für jeden Ratenkredit.

Der Vorteil: Da Ratenkredite meist ein wenig höher sind, kann die Neuanschaffung samt Ausgleich bewirkt werden. Und wer nun noch Glück hat, der hat später immer noch Kreditgeld auf der hohen Kante und kann so eine Rücklage bilden.

Fazit - jede Lösung hängt vom Umstand ab
Minikredite wirken auf den ersten Blick wie eine sehr unkomplizierte Finanzierungslösung, die aufgrund der kurzen Laufzeit kaum etwas kostet. Zwar schlagen die zum Teil recht hohen Zinssätze bei den kurzen Laufzeiten tatsächlich kaum durch, jedoch bedeutet dies auch, dass der Kreditnehmer die komplette Kreditsumme innerhalb weniger Monate zurückzahlen muss. Wer also einen größeren finanziellen Engpass überbrücken möchte, kann Minikredite nicht gebrauchen. In vielen Fällen lohnt es sich sogar, auf den klassischen Dispokredit zu setzen, da dessen Zinsen in vielen Fällen auch nicht höher ausfallen. Hierbei ist jedoch kein zusätzlicher Antrag nötig. Trotzdem sollte auch der Dispokredit nicht zu lange genutzt werden, da sonst die Kosten überhand nehmen.

Bildquellen: Kreditheld.de

© Schwäbische Post 02.09.2019 10:17
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