Private Finanzen: Das ändert sich in 2020

Neues Jahr, neues Glück – und wichtige Neuregelungen, die die Finanzen der Verbraucher betreffen. Die wichtigsten Änderungen stellen wir hier vor.

Das Entlastungsgesetz für pflegende Angehörige kommt

Das Thema Pflege wird zum Dauerbrenner: Laut Zahlen des Statistischen Bundesamts ist die Zahl pflegebedürftiger Personen zwischen 1999 und 2017 um 1,4 Millionen gestiegen und könnte sich bis 2050 um weitere zwei Millionen erhöhen. Für die Pflegekosten müssen neben der Pflegeversicherung oft die erwachsenen Kinder aufkommen, wenn Rücklagen und Einkommen der Eltern nicht reichen.

Um starke Einschnitte beim Lebensstandard zu vermeiden, hat der Staat ein sogenanntes Schonvermögen festgelegt. Diese Regelung sieht aktuell einen Mindestselbstbehalt von 1.800 Euro und für den Ehepartner von zusätzlich 1.440 Euro vor.

Ab 2020 sollen erwachsene Kinder, die pflegebedürftige Eltern haben, durch das neue Angehörigen-Entlastungsgesetz erst ab einem Bruttojahreseinkommen von 100.000 Euro Unterhaltszahlungen leisten müssen. Das Einkommen der Ehepartner wird nicht mehr berücksichtigt.

Rürup-Rente: Höhere Sonderausgaben absetzbar

„Die private Altersvorsorge wird immer wichtiger, gleichzeitig erfordern die Niedrigzinsen ein Umdenken in der Geldanlage.“ So Günther Blaich von Swiss Life Select in einem Interview. Das gilt für Angestellte und noch mehr für Selbstständige. Besonders für Letztere hat der Staat die auch als Basisrente bekannte Rürup-Rente ins Leben gerufen. Das staatlich geförderte Pendant zur Riester-Rente wird von Swiss Life Select und anderen Finanzdienstleistern empfohlen. Es ist besonders für Selbstständige ein Weg, um für später vorzusorgen – beispielsweise in Form eines Fondssparplans. Die Beiträge zur Rürup-Rente sind bis zu einer gewissen Höhe als Sonderausgaben vom zu versteuernden Einkommen abzugsfähig.

Die gute Nachricht für Rürup-Sparer: Der Höchstbetrag, der hier zur Vorsorge aufgewendet werden darf, steigt ab 2020 auf voraussichtlich 25.046 Euro für Ledige und 50.092 Euro für Verheiratete. 90 Prozent davon sind dann steuerlich absetzbar, 2019 waren es noch 88 Prozent. Ab 2025 können Sparer die vollen 100 Prozent steuerlich geltend machen.

Sonderabschreibung für neuen Wohnraum

Gute Neuigkeiten auch für Immobilieneigentümer: Neben der linearen Abschreibung von zwei Prozent kommen sie ab 2020 auch in den Genuss einer Sonderabschreibung.

Sie beträgt im Jahr der Anschaffung oder Fertigstellung und in den drei Jahren danach bis zu fünf Prozent der dafür angefallenen Kosten pro Jahr. Immobilienbesitzer können allerdings nur eine Summe von 2.000 Euro pro Quadratmeter steuerlich geltend machen.

Die Voraussetzungen:

  • Der Bauantrag oder die Bauanzeige muss zwischen 1. September 2018 und 31. Dezember 2021 gestellt worden sein.
  • Es wird Wohnraum in einer neuen Immobilie oder einem Bestandsobjekt geschaffen.
  • Die Anschaffungs- oder Herstellungskosten dürfen nicht höher als 3.000 Euro pro Quadratmeter sein.
  • Die Immobilie dient im Anschaffungs- oder Herstellungsjahr und in den neun Folgejahren zu Wohnzwecken.

Betriebliche Altersversorgung: Geringere Sozialabgaben und Steuern

Im neuen Jahr steigt die Beitragsbemessungsgrenze (BBG) erneut an. Sie ist der maximale jährliche Bruttogehaltsbetrag, der zur Erhebung der Beiträge für die gesetzliche Rentenversicherung dient – Bruttogehalt, das darüber liegt, ist beitragsfrei.

Die BBG steigt 2020 in den neuen Bundesländern auf 82.800 Euro und in den neuen auf 77.400 Euro. Die Steigerungen haben Einfluss auf die betriebliche Altersversorgung (bAV): Bis zu vier Prozent der BBG können Arbeitnehmer ohne Abzug von Sozialabgaben und acht Prozent ohne Steuerabzug in eine Direktversicherung, einen Pensionsfonds oder eine Pensionskasse investieren.

Anstieg des Zusatzbeitrags der gesetzlichen Krankenkassen

Neben dem allgemeinen Beitragssatz der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) erheben die Krankenkassen einen Zusatzbeitrag, der je zur Hälfte vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber gezahlt wird. Bei Rentnern übernimmt die Rentenversicherung den Part des Arbeitgebers. Zurzeit beträgt der durchschnittliche Zusatzbeitrag 0,9 Prozent. 2020 wird er voraussichtlich auf 1,1 Prozent ansteigen.

Allerdings: Die Krankenkassen können selbst entscheiden, ob sie den Zusatzbeitrag erhöhen oder nicht. Experten prognostizieren, dass die meisten Kassen aufgrund ihrer hohen Rücklagen von einer Anhebung absehen. Im Falle einer Erhöhung haben Arbeitnehmer ein Sonderkündigungsrecht zum Ende des Monats, in dem der Zusatzbeitrag erhöht wurde. Sie können dann in eine andere Krankenkasse mit besseren Konditionen wechseln.

Bild von Alexander Stein auf Pixabay

© Schwäbische Post 26.11.2019 11:22
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