Verbraucherkredite mit günstigen Zinsen – wie sehr lohnen sich diese noch?

Kredite erfreuen sich in Deutschland schon seit einigen Jahren sehr großer Beliebtheit. So wurden allein im Jahr 2019 Kredite mit einer Gesamtsumme von 1,86 Billionen Euro an private Haushalte vergeben. Auf den ersten Blick scheinen auch die günstigen zinsen dafür verantwortlich zu sein, dass immer mehr Kredite nachgefragt und auch vergeben werden. Doch bei genauerem Hinsehen fällt auf: Die tatsächlichen Kreditzinsen sind letztlich sogar gestiegen. Doch was bedeutet das genau und was sollten Kreditnehmer beachten?

Abbildung 1: Zinssatz ist nicht gleich Zinssatz – tatsächlich wurden Kredite in den letzten 12 Monaten sogar teurer. Was sollten Kreditnehmer in Bezug auf die Zinsen beachten? Bildquelle: @ Robert Anasch / Unsplash.com

Werbezins vs. 2/3-Zins – die Differenz wächst immer weiter

Um das oben beschriebene Phänomen näher zu verstehen, ist es wichtig, die verschiedenen Zinssätze genau zu unterscheiden:

  1. Werbezinssatz

    Der Werbezinssatz ist der effektive Jahreszins, ab dem eine Bank überhaupt einen Onlinekredit vergibt. So ein Angebot könnte „Kredite ab 0,99% effektivem Jahreszins“ lauten. Im Kleingedruckten steht dann allerdings die Zinsspanne, die zum Beispiel von 0,99 bis 8,99% reicht.

    In der Praxis bedeutet das, dass die Kreditnehmer mit Top-Bonität eventuell einen Kredit für 0,99% Zinsen pro Jahr bekommen, während Kreditnehmer mit eher schlechter Bonität eher im Bereich von 7-8,99% pro Jahr landen. Dies zeigt sehr eindeutig, dass der Werbezinssatz nicht sehr aussagekräftig ist, wenn es um die tatsächlichen Kreditkosten geht.

  2. 2/3-Zinssatz

    Hinter dem sogenannten „2/3-Zinssatz“ verbirgt sich der Zinssatz aus dem repräsentativen Beispiel. Bei jeder Kreditwerbung sind Anbieter laut §6a Preisangabenverordnung (PangV) verpflichtet, ein repräsentatives Beispiel anzugeben. Dies steht oft kleingeruckt unter den Werbekonditionen. Der dort verwendete Zinssatz muss von den Banken zwingend so gewählt werden, dass er für durchschnittlich zwei Drittel aller Kunden auch in Bezug auf ihre Bonität realistisch ist. Dieser Zinssatz zeigt also grob die Zinsen, die die große Mehrheit mit durchschnittlicher Bonität für einen Kredit bei der entsprechenden Bank bezahlen muss. 

Das Portal Kreditvergleich.net hat einen Index für Privatkredite erschaffen, der die Differenz zwischen den Werbezinsen und dem 2/3-Zins aller Banken veranschaulicht. Darin zeigt sich sehr anschaulich, dass der 2/3-Zins in den letzten 12 Monaten um durchschnittlich 8,11% gestiegen ist. Lag er im Mai 2019 noch bei 3,81%, schlug er im April 2020 schon mit 4,106% zu Buche. Ganz anders der Werbezins: Dieser sank im gleichen Zeitraum von 3,31% auf 2,92% pro Jahr – eine Veränderung nach unten um 13,882%.

Was hat die Differenz zu bedeuten?

Die Differenz zeigt eindeutig, dass die Banken also mit immer günstigeren Zinsen werben, aber die Kreditnehmer bei einem Abschluss trotzdem mehr für die Kreditbeträge bezahlen müssen. Dies kann unterschiedliche Ursachen haben. Dazu gehören unter anderem:

  1. Die durchschnittliche Bonität der Kunden hat sich verschlechtert

    Ein denkbarer Grund für steigende 2/3-Zinssätze könnte darin liegen, dass die Bonität der Kunden im durchschnitt abgesunken ist. Angesichts der schon 2019 einsetzenden Eintrübung des Wirtschaftsklimas erweist sich diese Annahme nicht als vollkommen abwegig.

    Tipp: Sollten Kreditzinsen aufgrund der eigenen Bonität eher schlecht ausfallen, hilft oft ein zweiter Kreditnehmer. Wer ein Darlehen zusammen mit dem berufstätigen Ehe- oder Lebenspartner aufnimmt, zahlt oftmals geringere Zinsen. Die Banken honorieren hierbei die geringere Ausfallwahrscheinlichkeit bei zwei zahlungsfähigen Kreditnehmern.

  2. Die Banken verstärken ihre Vertriebsbemühungen

    Der Wettbewerb im Bereich der Onlinekredite ist sehr hart, so dass die Banken um jeden einzelnen Kunden kämpfen. Dies liegt vor allem an den guten Vergleichsmöglichkeiten, die potenzielle Kunden heute im Internet nutzen können. Geringere Werbezinssätze erzeugen Aufmerksamkeit bei potenziellen Kreditnehmern und können so den Absatz steigern.

    Tipp: In diesem Zusammenhang hilft es, die Angebote der einzelnen Banken genau unter die Lupe zu nehmen. Beim Kreditvergleich sollten Nutzer zudem auch immer den 2/3-Zins im Blick behalten. Wer wirklich eine Top-Bonität aufweist (hohes Einkommen, einwandfreie SCHUFA-Auskunft), kann auch bei Banken mit niedrigerem Werbezins anfragen. 

In den meisten Fällen ist es für durchschnittliche Kreditnehmer also sehr hilfreich, stets auch einen Blick auf den 2/3-Zinssatz einer Bank zu werfen. Somit lässt sich bereits erahnen, wo die jeweilige Bank die mittlere Bonität ansetzt und welche Preispolitik diese verfolgt.

Zinsen sind nicht alles: Worauf ist bei einem Kredit noch zu achten?

Die Zinsen sind ganz klar das wichtigste Entscheidungskriterium im Hinblick auf einen Kredit. Trotzdem existieren einige weitere Merkmale, die je nach persönlicher Situation interessant sein können. Dazu gehören:

  1. Schnelle Auszahlung

    Wenn der Geldbedarf eilig ist, sollten Interessenten sich einen volldigitalen Kredit beschaffen. Hier entfällt der lästige Postweg und alle Schritte lassen sich digital vollziehen. In den meisten Fällen erscheint dabei eine Auszahlung innerhalb von 24-48 Stunden nach der ersten Anfrage als realistisch.

  2. Sondertilgungen

    Wer die Rückzahlung beschleunigt, kann die Zinskosten unter dem Strich weiter senken. Je kürzer die Laufzeit, desto seltener wird der Zins am Ende berechnet. Leider können zusätzliche Tilgungen mit einer Vorfälligkeitsentschädigung zwischen 0,5 und 1% der Restschuld (je nach Restlaufzeit) belegt werden. Viele Banken stellen jedoch auch kostenfreie Sondertilgungen zur Verfügung.

  3. Ratenflexibilität

    Kredite werden immer für einen bestimmten Zeitraum in der Zukunft geschlossen. Doch niemand weiß, wie sich die Zukunft entwickelt. Aus diesem Grund kann es sinnvoll sein, die Rate bei Zahlungsschwierigkeiten zu senken oder auch mal eine Rate auszusetzen. Einige Bankenstellen solcher Services kostenfrei zur Verfügung. 

Mit dem richtigen Ratenkredit die Kosten niedrig halten

Am Ende lässt sich festhalten, dass Kredite noch nie so einfach abzuschließen waren wie heute. Wer sich für ein Darlehen interessiert, sollte die Angebote jedoch immer sorgfältig vergleichen. Die Zinsunterschiede zwischen den Banken fallen mitunter deutlich aus. Darüber hinaus ist es jedoch auch wichtig, immer auf den 2/3-Zins zu achten. Die Differenz zwischen Werbezinsen und 2/3-Zins ist zuletzt erheblich gestiegen und zeigt, dass sich aus den Werbezinssätzen oft nicht die tatsächlichen Kosten für ein Kreditangebot herauslesen lassen. Wer hierbei die Augen offenhält und ferner auch einen Kredit mit den richtigen Leistungen wählt, spart unter dem Strich viel Geld und Ärger. 

© Schwäbische Post 15.05.2020 14:16
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