Was ist eigentlich ein Co-Working Space?

  • Co-Working Spaces regen die Kreativität an und vermitteln durch den Austausch mit Gleichgesinnten viel Nestwärme. | Bild: pixabay, blackmachinex
Kein Büro, aber auch kein Home Office - Co-Working Spaces liegen irgendwo dazwischen. Einst eine Notlösung, haben sich die flexiblen Arbeitsplätze mittlerweile zu einer festen Größe für Start-ups und Freelancer etabliert. Sogar den Immobilienmarkt bringen sie in Bewegung.

"In ist, wer drin ist." So könnte man den Namen des "in:it co-working labs" in Gmünd auch deuten. Das Gründerzentrum in der Robert-von-Ostertag-Straße, das im vergangenen Jahr seine Büroflächen eröffnete, beherbergt mittlerweile ein gutes Dutzend Jungunternehmen, etwa aus den Branchen Web-Design und Online-Marketing. Aber auch eine Musikagentur und ein Software-Unternehmen, das sich auf Künstliche Intelligenz spezialisiert hat, haben Arbeitsplätze angemietet.

Kreativität und Nestwärme werden großgeschrieben
Das städtische Gründerzentrum setzt dabei offensiv und plakativ auf das Prinzip des "Co-Working". Der englische Begriff meint mehr als nur "zusammen arbeiten", vielmehr geht um Flexibilität, aber auch um sozialen Anschluss. Statt ein teures Büro über Monate oder ein ganzes Jahr zu mieten, kann man beim Co-Working günstige Arbeitsplätze auf einer großen, offenen Bürofläche buchen. Manchmal tage- oder wochenweise, häufig auch - wie bei in:it - für einen Monat. Die Arbeitsplätze sind voll ausgestattet, inklusive Highspeed-Internet, sodass Gründer und Start-ups sofort loslegen können. Dazu lassen sich Besprechungsräume nach Bedarf mieten, bezahlt wird pro Stunde.

Geboten wird beim Co- Working aber auch viel Nestwärme. Kontakt und Austausch mit den übrigen Co-Workern ist ausdrücklich erwünscht. Darauf ist auch das gesamte Konzept angelegt. Angefangen von der stylischen Kaffeebar, die in keinem Co-Working Space fehlen darf, bis hin zu Workshops, etwa über die Geheimnisse der Rechnungslegung, und reinen Party- oder Grill-Events. Gemeinsam mit anderen neue Ideen entwickeln, eigene wie fremde Produkte kritisch überprüfen, sich vernetzen: Das kommunikative Arbeitsumfeld, so die zugrundeliegende Idee des Co-Working, fördert die Kreativität - und hilft Gründern dabei, ihre innovativen Ideen erfolgreich umzusetzen.

Co-Working entstand aus der Not - und wurde ein globales Phänomen
Wie sollte es auch anders sein, kommt das Konzept der Co-Working Spaces aus den USA. Als "Erfinder" der Bewegung gilt der Software-Entwickler Brad Neuberg, der im Jahr 2005 in San Francisco den ersten "Space" eröffnet. Die Situation, die den Anstoß dazu gab, skizziert Neuberg so: "Ich war unglücklich, weil ich nicht alles, was ich wollte, gleichzeitig haben konnte: die Freiheit und Unabhängigkeit, für mich selbst zu arbeiten, sowie die Struktur und Gemeinschaft der Arbeit mit anderen." Im Co-Working Space sollten beide Seiten zusammenfinden.

Zu Beginn bestand das Publikum vor allem aus Freelancern, Künstlern und kleinen Unternehmen mit einem oder zwei Angestellten. Für sie waren die Space günstige Alternativen zum Coffeeshop, der Bibliothek oder dem Schreibtisch zuhause. Aus den bescheidenen Anfängen entstand innerhalb weniger Jahre eine globale Bewegung. 2008 gab es bereits 160 Spaces, hauptsächlich in den USA, aber auch schon in Berlin oder London. Ende 2019 sollen über 22.000 Spaces mit Arbeitsplätzen für rund 2,2 Millionen Co-Worker bestehen, schätzen Experten. Allein im Jahr 2018 stiegt die Anzahl der Co-Working Spaces um 20 Prozent an. Und nicht nur Selbständige und kleine Start-ups gehören zu den Mietern, sondern auch immer mehr Konzerne und Großunternehmen. Sei es, um sich von der kreativen Atmosphäre mental durchpusten zu lassen, sei es, um ganz pragmatisch Kurzzeit-Arbeitsplätze für Projektteams zu finden.

Co-Working Spaces bringen Bewegung in den Immobilienmarkt
Die meisten Co-Working Spaces findet man, wenig überraschend, in Großstädten. Trotz der medialen Aufmerksamkeit deuten die absoluten Zahlen allerdings darauf hin, dass es sich bei Co-Working Spaces noch um ein Nischenphänomen handelt. Laut einer Studie der Immobilienberatung Cushman & Wakefield werden weltweit gerade einmal ein Prozent aller verfügbaren Büroflächen für flexible Arbeitsplätze genutzt. Doch wie die Studie auch zeigt, verlassen die Spaces seit zwei, drei Jahren ihre Nische. International tätige Betreiber wie WeWork, Knotel oder The Wing bringen die Immobilienmärkte in Bewegung. So entfallen in London bereits 10 bis 20 Prozent aller Neuvermietungen an Co-Working Spaces.

Durch die zunehmende Popularisierung, die kontinuierlich steigende Nachfrage und eine immense Professionalisierung der Branche hat sich das Bild von Co-Working-Spaces grundlegend gewandelt. Die ersten Anbieter mussten noch Flächen nutzen, die bei anderen Unternehmen eher verpönt waren, etwa unzugängliche Hinterhöfe, leerstehende Hallen oder renovierungsbedürftige Industrieanlagen. Den Retro-Industrial-Look gibt es zwar immer noch, doch die Betreiber entwickeln immer neue Angebote, zum Beispiel solche mit Designer-Möbeln, Kaminlounges und eigener Bar.

Auch die gute Innenstadt-Lage mit Verkehrsanbindung ist fast schon selbstverständlich. Das ist bei "in:it" nicht anders, liegt das Gründerzentrum doch gerade einmal fünf Minuten Fußweg vom Bahnhof und ZOB entfernt. Damit ist das Zentrum auch für Start-up-Gründer und Freiberufler aus dem Umland eine attraktive Adresse. Und es ist nicht das einzige in der Region Ostwürttemberg. Co-Working-Plätze gibt es auch in Aalen bei "AAccelerator" und dem Innovationszentrum "Inno-Z" der Hochschule, dem TechnoLab in Heidenheim oder dem "Gründerbahnhof" in Giengen. Sie alle bieten neben individuellen Arbeitsplätzen auch viel Raum für Austausch und Networking - und schaffen so die Nestwärme, auf die schon Co-Working-Pionier Neuberg so viel Wert legte.

Bidlquelle: pixabay, blackmachinex

© Schwäbische Post 29.10.2019 08:59
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