Welche Zusatzversicherungen sind nötig?

Drei bestimmte Policen sind besonders wichtig.

Ein Zuschuss zur Brille, großzügige Hilfe bei der Gebisssanierung, Einzelzimmer im Krankenhaus - den meisten Mitgliedern der 109 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland bleiben solche Leistungen häufig versagt. Der Grund dafür ist das "Wirtschaftlichkeitsgebot" im Sozialgesetzbuch (SGB V), das die Krankenkassen zur Sparsamkeit verpflichtet: "Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten."

Wollen Kassenpatienten zusätzliche Leistungen in Anspruch nehmen, müssen sie sie selbst bezahlen - oder eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben. Diese trägt dann die Kosten, die die Krankenkasse nicht übernimmt, etwa für die Behandlung beim Heilpraktiker, das hochwertige Zahnimplantat oder den Krankenrücktransport nach Hause. Es gibt eine ganze Reihe an Zusatzversicherungen. Aber vor allem drei Policen schützen gesetzlich Versicherte vor hohen Ausgaben.

Sinnvoll für alle, die gern ins Ausland verreisen, ist eine private Reise-Krankenversicherung. Sie kommt für die Kosten auf, wenn man im Urlaubsland ambulant oder stationär behandelt werden muss. Da selbst innerhalb der EU und in Ländern, mit denen diese ein Sozialversicherungsabkommen abgeschlossen haben, Urlauber häufig als Privatpatienten behandelt werden, steigt die Rechnung schnell auf mehrere Tausend Euro. Die Prämien für die Police liegen bei weniger als 20 Euro pro Jahr.

Eine weitere sinnvolle Police ist die Zahnzusatzversicherung. Denn die Krankenkassen zahlen bei Zahnersatz in der Regel nur einen Zuschuss von 50 bis 80 Prozent, gemessen an der festgelegten Regelversorgung. Bei höherwertigen Varianten (zum Beispiel Keramikkronen, Implantate oder Kunststofffüllungen), die mehr kosten als die Regelversorgung vorsieht, müssen die Patienten dann in die eigene Tasche greifen. Solche Mehrausgaben fängt die Zahnzusatzversicherung auf.

Eine dritte sinnvolle Zusatzversicherung ist die Pflegezusatzversicherung. Wird ein Kassenpatient zum Pflegefall, ist nur ein Teil der Kosten über die Pflegekasse abgedeckt. Doch eine professionelle Pflege durch einen ambulanten Dienst oder im Pflegeheim ist teuer. Der Eigenanteil, den Patienten für eine vollstationäre Pflege aufbringen müssen, lag im Juli 2019 bei rund 1.900 Euro, wie der Verband der Ersatzkassen (vdek) ausgerechnet hat. Je nach Pflegegrad zahlt die Zusatzversicherung dann einen vorab festgelegten Tagessatz, um solche Ausgaben auszugleichen.

Wer eine private Zusatzversicherung abschließen will, sollte sich vorher über Leistungen und Preise informieren. Manche Angebote sind auch nur Mitgliedern bestimmter Krankenkassen vorbehalten, die Policen der Envivas stehen etwa nur TK-Kunden offen. Vor Abschluss muss man eine Reihe von Fragen zum Gesundheitszustand beantworten. Ehrlichkeit ist dabei Pflicht - sonst könnte der Versicherer später die Zahlung ablehnen. Auch sich vor einer teuren Behandlung schnell noch um eine Police zu kümmern, funktioniert nicht. Sobald ein Arzt oder Zahnarzt eine konkrete Maßnahme vorschlägt, gilt dies als laufende Behandlung. Und die sind in der Regel von einer Kostenübernahme ausgenommen.

Photo by Erik Odin on Unsplash

© Schwäbische Post 24.10.2019 10:25
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