Coronavirus Handel aktuell

Auf Schnäppchen komm raus

Die Rabattschlacht könnte im Corona-Jahr etwas kleiner ausfallen. Einen kühlen Kopf sollten Verbraucher vor allem beim Online-Kauf bewahren.
  • Zum „Black Friday“ locken die Händler mit Rabatten. Doch vielen Kunden ist gar nicht nach Shopping. Foto: Pascal Pochard-Casabianca/afp
  • Mode und Accessoires sind begehrt Foto: Grafik Peters / Quelle Statista
Keine fünf Wochen mehr bis Weihnachten. Das bedeutet für viele in normalen Jahren: Shopping, bis die Kreditkarte glüht. Dabei geht es nicht unbedingt nur um Geschenke, auch sich selbst möchte man vielleicht etwas gönnen. Unterstützt wird das Schnäppchenfieber zum Jahresende von Aktionstagen wie „Black Friday“ und „Cyber Monday“, die aus den USA stammen und sich auch in Deutschland etablieren – bei Onlinehändlern und in den Fußgängerzonen wird mit Rabatten geworben.

Doch in diesem Jahr könnte die Nachfrage nicht so hoch ausfallen, wie gehofft. Zwar rechnet der Handelsverband Deutschland (HDE) mit Rekordumsätzen. Insgesamt würden die Verbraucher bei der Schnäppchenjagd Ende November voraussichtlich rund 3,7 Milliarden Euro ausgeben. Das wären 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch andere Prognosen sind zurückhaltender. Laut einer Umfrage des Preisvergleichsportals Idealo wollen zwei Drittel der Verbraucher in diesem Jahr nicht am Black Friday teilnehmen oder zumindest weniger Geld ausgeben als im Vorjahr.

Da stellt sich die Frage: Lohnt sich das Einkaufen am „Black Friday“ überhaupt? Und bin ich sicher vor Betrügern?

Sind Produkte am „Black Friday“ wirklich günstiger? Das lässt sich pauschal nicht sagen. Viele Händler bieten echte Schnäppchen an, doch es empfiehlt sich immer, mit Skepsis an die Sache heranzugehen: Gerade Textilhändler nutzen Aktionstage gern, um Ware aus der Vorsaison abzuverkaufen – wem die günstige Jacke gefällt, der schlägt natürlich trotzdem zu. Oliver Buttler von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät außerdem, sich gerade bei teureren Elektronikartikeln im Vorfeld über den Marktpreis zu informieren. Die prominent beworbenen Rabatte beziehen sich nämlich häufig auf die Unverbindliche Preisempfehlung – und die ist gerade bei Elektronikartikeln oft schon nach kurzer Zeit überholt. „Man sollte die Preise seiner Wunschprodukte schon vor dem ,Black Friday' beobachten und vergleichen“, empfiehlt außerdem Michael Stempin, Preisexperte bei Idealo. Das Europäische Verbraucherschutzzentrum (EVZ) rät dazu, sich die Bezeichnung des Wunschprodukts genau anzuschauen. Bei genauerem Hinsehen ist das günstige Notebook dann vielleicht wesentlich schwächer ausgestattet, als das Wunschprodukt. Wer hier allerdings flexibel zum Beispiel bei Speichergröße oder Farbe ist, hat die Chance auf ein Schnäppchen, weiß Stempin: „Zwischen den verschiedenen Varianten gibt es durchaus preisliche Unterschiede.“

Häufig wird am „Black Friday“ online eingekauft. Wie schütze ich mich hier vor Betrügern? Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät vom Kauf per Vorkasse oder Direktüberweisung dringend ab. Dahinter können sich Fake-Angebote verbergen. Gerade bei unübersichtlichen Rabattschlachten gesellen sich Schwindler gerne dazu. Auf Nummer sicher geht, wer die Ware auf Rechnung bestellt und sie nach Erhalt bezahlt. Buttler würde von dieser Regel nur abweichen, wenn man den Händler kenne. Etwa das Buchgeschäft vor Ort, bei dem man wegen der Pandemie jetzt online bestellt.

Was kann ich tun, wenn ich trotz aller Vorsicht am Ende doch einem Betrüger aufgesessen bin? Wenn zum Beispiel die bestellte Ware nicht kommt oder der Liefertermin immer weiter verschoben wird, rät Buttler vom Kauf zurückzutreten. Hat man bei einem Shop bestellt, der sich erkennbar an deutsche Kunden richtet, besteht für 14 Tage nach Erhalt der Ware das Recht, vom Kauf zurückzutreten. Wer auf Rechnung bestellt, hat dann zumindest noch kein Geld verloren. Bei Kreditkartenzahlungen kann man versuchen, das Geld zurückzuholen. Auf jeden Fall sollte man Anzeige erstatten, rät Buttler. Am besten geht das unter online-strafanzeige.de. Dort werden Anzeigen gebündelt. Fake-Shops könnten danach schneller zugemacht werden, sagt der Verbraucherschützer. (mit dpa)

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© Südwest Presse 21.11.2020 07:45
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