Bosch und Conti halten sich nicht an Blei-Grenzwerte

Weltweit sollen Millionen von Fahrzeugen betroffen sein. Das Kraftfahrtbundesamt fordert eidesstattliche Versicherungen und Gutachten.
  • Eine Conti-Mitarbeiterin hält eine Leiterplatte mit der Steuerungs-Elektronik für Elektroautos in der Hand. Foto: Daniel Karmann/dpa
  • Bei Bosch mehren sich die schlechten Nachrichten. Foto: Sebastian Gollnow/dpa
In Millionen von Autos sind in den vergangenen Jahren Elektrikteile mit Bleimengen eingebaut worden, die über den EU-Grenzwerten lagen. Die deutschen Zulieferer Continental und Bosch räumten am Wochenende ein, die Vorschriften nicht eingehalten zu haben.

Nach übereinstimmenden Aussagen der beiden Unternehmen und des niedersächsischen Umweltministeriums besteht jedoch keine Gefahr für Mensch und Umwelt. „Die betroffenen Komponenten sind fest in den Fahrzeugen verbaut und keinem Verschleiß ausgesetzt“, stellte das Ministerium am Sonntag fest.

Keine Gesundheitsgefahr

Bei den Teilen handelt es sich überwiegend um Leiterplatten und darauf montierte Kondensatoren. Das Schwermetall Blei ist für die Umwelt nur dann gefährlich, wenn es sich in Verbindungen löst oder als Staub in die Atemluft gelangt. Nach Angaben von Continental geht es um eine Bleimenge von durchschnittlich rund 0,0003 Gramm je Komponente oberhalb des Grenzwerts.

Continental hatte zuerst mitgeteilt, man habe die „geringfügige Überschreitung“ der gesetzlichen Grenzwerte selbst festgestellt und Anfang Juni den zuständigen Behörden gemeldet. Ein Bosch-Sprecher sagte am Sonntag auf Anfrage, das Unternehmen sei „vor einigen Wochen“ auf den Sachverhalt aufmerksam geworden. Die Auslieferung potenziell betroffener Produkte sei daraufhin gestoppt worden. Zur Zahl und genauen Art der Produkte machte der Sprecher des Stuttgarter Stifungsunternehmens keine Angaben.

Unklar blieb zunächst, ob den betroffenen Autos ein behördlicher Rückruf droht. Continental teilte mit, die fraglichen Bauteile mit dem Blei seien vor allem seit 2016 verwendet worden. Nach Informationen der „Bild am Sonntag“ sind die Komponenten in Fahrzeugen fast aller Autohersteller weltweit zu finden. Es soll sich um mehrere Millionen Autos handeln, die nach 2013 produziert worden sind.

Conti wollte sich nicht über den Umfang eines möglichen Rückrufs äußern. Der Grund: Die Grenzwerte für Schwermetalle in diversen Bauteilen in den Jahren 2013, 2015 und 2016 hätten sich geändert. Der Konzern hatte die Einzelteile von einem chinesischen Zulieferer erhalten und diese in seinen Komponenten verbaut. Formal hat Continental gegen die jeweils gültige Altfahrzeug-Richtlinie der EU verstoßen, die abhängig vom Datum der Typgenehmigung eines Fahrzeugmodells Grenzwerte festlegt. Das niedersächsische Umweltministerium wies darauf hin, dass die gleichen Komponenten in Nutzfahrzeugen über 3,5 Tonnen legal verbaut werden dürften.

Dennoch könnte auch die Typengenehmigung für neue Automodelle in Gefahr sein. Das Kraftfahrt-Bundesamt fordert nun eidesstattliche Versicherungen und Gutachten darüber, dass der Bleigehalt in allen Bauteilen gesetzeskonform ist. Bernd Röder
© Südwest Presse 12.08.2019 07:45
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