Kommentar Laura Liboschik zum Kaufrausch am Black Friday

Computer aus, Hirn an

  • laura liboschik Foto: Jacqueline Schuon
Es kommt eine schwarze Woche – für den Geldbeutel und die Umwelt. Genau in der Pandemiezeit, in der sich doch angeblich alles um Verzicht, Entschleunigung und Achtsamkeit dreht. Bei Rabatten hört der Verzicht auf – und das nur, weil das menschliche Gehirn auf Belohnung getrimmt ist. Die bunten Rabattschilder werfen uns in ein Urzeitmuster zurück, wir werden zu Schnäppchenjägern und Rabattsammlern. Es folgen Berge an Verpackungsmüll und an Produkten, die vor allem gekauft werden, weil sie billig erscheinen. Obwohl sie das oftmals gar nicht sind. Das Ausufern der Schnäppchentage zu einer „Black Week“ rund um den „Black Friday“ zeigt, wer die Profiteure sind: die Online-Händler, nicht die Kunden. Auch nicht die Einzelhändler in den Fußgängerzonen, die in der Rabattschlacht mitmischen wollen. Sie müssen sowieso schon gegen die Internetriesen und um jeden Kunden kämpfen. Die Pandemiezeit trifft sie zusätzlich und besonders hart, weil nur wenige Lust haben, in Coronazeiten zu shoppen.

Am Laptop, Tablet oder Smartphone gibt es keine Regeln, keine Einschränkungen. Aber wer sein Geld für Weihnachtsgeschenke ausgeben und auch in Zukunft noch durch geschmückte Geschäfte in der Stadt schlendern möchte, sollte das in der Pandemiezeit erst recht tun – mit Bedacht. Also: Computer aus, Hirn an.
© Südwest Presse 21.11.2020 07:45
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