Ende der Talfahrt

Nach einem schwierigen Geschäftsjahr sieht der Laserspezialist aus Ditzingen Licht am Ende des Tunnels. Vor allem Neuentwicklungen schlagen sich positiv in der Bilanz nieder.
  • Blickt auf Geschäfts- und Corona-Zahlen: Trumpf-Geschäftsführerin Nicola Leibinger-Kammüller. Foto: Marijan Murat/dpa
Dieses Geschäftsjahr wird in negativer Hinsicht in die Unternehmensgeschichte von Trumpf eingehen.“ Der Einstieg von Geschäftsführerin Nicola Leibinger-Kammüller in die Bilanz-Pressekonferenz von Trumpf (Ditzingen) könnte kaum pessimistischer klingen. Doch das Bild relativiert sich im Lauf der folgenden Stunde erheblich.

Zwar hat der Laserspezialist deutlich Federn gelassen, doch die Ebit-Rendite liegt mit 8,9 Prozent nahezu auf Vorjahresniveau (9,2 Prozent). Um das zu schaffen musste man sich bei Trumpf ordentlich anstrengen. Denn der Umsatz ging um 8 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro zurück, der Auftragseingang gab um 11 Prozent auf 3,3 Milliarden Euro nach.

Auch das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag mit 309 Millionen Euro 11,5 Prozent unter Vorjahresniveau. Damit entwickelte sich das Geschäftsjahr bei Trumpf immer noch besser als im Durchschnitt des Maschinenbaus insgesamt.

Dass die Rendite trotzdem kaum zurückging, liegt am strikten Sparprogramm, das die Ditzinger aufgesetzt haben: Urlaub wurde abgebaut, Überstunden abgeschmolzen, befristete Verträge nicht verlängert, Mitarbeiter von April an in Kurzarbeit geschickt. Auch Investitionen in Gebäude, die noch nicht begonnen waren, wurden verschoben.

In der Folge erhalten die Tarifmitarbeiter in diesem Jahr eine Prämie von 1155 Euro. Für Außendienstmitarbeiter, die aufgrund der Corona-Beschränkungen für einen Einsatz in Quarantäne mussten, gibt es außerdem einmal 1000 Euro extra.

Auch in die Zukunft blickt Leibinger-Kammüller eher optimistisch: „Wir sehen vorsichtige Anzeichen für das Ende der konjunkturellen Talfahrt. Aber noch keinen Aufschwung.“ Trotzdem: Der Rückgang bei Umsatz und neuen Aufträgen konnte im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres, das immer im Juli beginnt, gestoppt werden.

Einen wesentlichen Beitrag zum Umsatz lieferte auch in diesem Jahr die neu entwickelte EUV-Technologie. Gemeinsam mit dem niederländischen Kunden ASML liefert Trumpf spezielle Laser, mit deren Hilfe Chips für die Computerindustrie belichtet werden. Sie sind zum Beispiel in zahlreichen Smartphones, unter anderem im neuen iPhone 12, verbaut. Der Umsatz mit EUV stieg um 19 Prozent auf 460 Millionen Euro und steuerte damit ähnlich viel zum Gruppenumsatz bei wie die gesamte US-amerikanische Tochter von Trumpf.

Doch allein auf vergangenen Erfolgen will man sich in Ditzingen nicht ausruhen, ein neues Geschäftsmodell ist bereits in der Erprobung: Kunden in der Blechverarbeitung müssen Laserschneidemaschinen in Zukunft nicht mehr zwingend kaufen, sondern könnten die Maschine bei sich aufstellen und dann für jedes geschnittene Teil (Pay-per-Part-Modell) bezahlen. Dafür will Trumpf eine strategische Partnerschaft mit dem Rückversicherer Munich Re und dessen Tochter Relayr eingehen. Dieser würde die Maschine finanzieren und über die kontinuierlichen Zahlungen der Kunden eine Rendite erhalten. Lohnen soll sich das Modell für alle Seiten, wenn der Kunde die Maschine im Zwei-Schicht-Betrieb auslasten kann.

Im Moment befinde sich das Modell mit vier Kunden in der Erprobungsphase. 80 Prozent der Trumpf-Kunden haben nach Firmenangaben 25 Mitarbeiter und vier Maschinen im Betrieb. Für diese Größenordnung könnte das Modell interessant sein, glaubt man bei Trumpf, da dann große punktuelle Investitionen umgangen werden könnten.
© Südwest Presse 15.10.2020 07:45
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