Fliegen mit gutem Gewissen

Der Weg zu klimaneutralem Kraftstoff ist weit. Mit Windstrom soll synthetisches Kerosin erzeugt werden.
  • Am Flughafen Düsseldorf wird ein Flugzeug betankt. Foto: Maja Hitij/dpa
Flughäfen, Airlines und Flugzeughersteller stehen am Klima-Pranger. Weil es auf Sicht keine Alternative zum Verbrennen großer Mengen energiereichen Kerosins gibt, wenn man Jets mit mehr als 500 Tonnen Startgewicht in die Luft bekommen will, ist nun synthetischer Treibstoff zum Hoffnungsträger geworden. Er kann als Ethanol aus Biomasse gewonnen werden oder auch – mit hohem Energieaufwand – aus Wasserstoff. Eine weitere Alternative sind Solarreaktoren, in denen Synthese-Gas als Kerosinvorstufe hergestellt werden kann.

„Wir wollen erreichen, dass die luftverkehrsbedingten CO2-Emissionen auf null sinken“, heißt es in einer aktuellen Erklärung des deutschen Branchenverbandes BDL. „Power to X“ lautet die Formel: Wasserstoff wird per Elektrolyse aus Wasser gewonnen und mit Umgebungs-CO2 zu Treibstoff weiterverarbeitet. Das „X“ steht wahlweise für Gas oder flüssige Stoffe wie Diesel, Benzin oder eben Kerosin. Wenn dieses verbrannt wird, wird zwar CO2 freigesetzt, das aber zuvor der Umwelt entzogen wurde – ein klimaneutraler Kreislauf.

Elektrisch angetriebene Passagierjets hält Lars Wagner, Technikvorstand beim Münchner Triebwerksbauer MTU, für ferne Zukunftsmusik. „Für 150 bis 270 Passagiere ist das mit den heutigen Batterietechniken nicht machbar“, sagt er. Wagner hält daher den Einsatz alternativer Kraftstoffe für den besten Weg. Wenn man den zur Treibstoffproduktion notwendigen Strom nachhaltig erzeuge, könne man die CO2-Bilanz herkömmlicher Triebwerke um 80 bis 90 Prozent verbessern.

Der Lufthansa-Konzern erprobt seit 2011 alternative Kraftstoffe, die fossilem Kerosin beigemischt werden. Im Februar wurde eine Zusammenarbeit mit der Raffinerie Heide vereinbart, wo im Rahmen eines mit 4,2 Mio. EUR Steuergeld geförderten Forschungsprojekts Windstrom zur Produktion synthetischen Kerosins genutzt werden soll. dpa
© Südwest Presse 14.08.2019 07:45
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