Für Real schlägt die Stunde der Wahrheit

Der russische Investor SCP übernimmt die Märkte. Dem Unternehmen droht die Zerschlagung.
  • Einkaufswagen vor einer Real-Filiale. Foto: Martin Gerten/dpa
Für die rund 34 000 Mitarbeiter der angeschlagenen SB-Kette Real rückt die Stunde der Wahrheit näher: An diesem Donnerstag soll die zum Metro-Konzern gehörende Kette in den Besitz des russischen Finanzinvestors SCP übergehen. Es ist eine entscheidende Etappe auf dem Weg zur Zerschlagung des Unternehmens. Die Gewerkschaft Verdi sieht in der Übernahme eine „Existenzgefährdung für tausende Menschen“, wie Verdi-Bundesvorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger sagte.

SCP hatte zwar erst kürzlich versichert, alle Mitarbeiter würden mit ihren bestehenden Verträgen zu den bestehenden Konditionen übernommen. SCP hat aber bereits angekündigt, 141 der zuletzt noch rund 270 Real-Märkte verkaufen zu wollen – 88 an Kaufland, 53 an Edeka. Die Mitarbeiter sollen übernommen werden, wie SCP betonte. Der Vorsitzende des Verwaltungsrats von SCP Retail Investments, Patrick Kaudewitz, betonte: „Wir werden so für fast die Hälfte der Real-Märkte und deren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Klarheit und Planbarkeit schaffen können.“ Die ersten Märkte sollen ab dem vierten Quartal an die neuen Besitzer übergeben werden. Der gesamte Prozess werde sich über einen Zeitraum von rund 18 Monaten erstrecken.

Der zuletzt kräftig gewachsene Online-Marktplatz real.de soll eine neue Heimat unter dem Dach der Schwarz-Gruppe finden und unter dem dem Namen Kaufland weitergeführt werden. Die Schwarz-Gruppe, die mit ihren Sparten Lidl und Kaufland weltweit mehr als 12 000 Filialen betreibt und einen Umsatz von mehr als 100 Mrd. EUR erreicht, ist bislang im E-Commerce nur wenig präsent. Dabei hatte der Online-Handel mit Lebensmitteln in der Corona-Krise einen Boom.

Der Konzern will dies Lücke nun offenbar schließen. „Real.de ist ein wesentlicher Baustein unseres künftigen Angebots. Die Kombination aus stationärem Geschäft und Online-Handel wird uns zusätzliche Möglichkeiten eröffnen“, sagte Rolf Schumann, Vorstand Digitalisierung der Schwarz-Gruppe.

Was die restlichen mehr als 100 Real-Filialen angeht, so ist ihr Schicksal offen. Als mögliche Kaufinteressenten gelten Rewe und Globus. Auch eine Aufteilung einzelner Märkte in kleinere Flächen zur besseren Verwertung schloss der Finanzinvestor nicht aus. Rund 30 Märkte müssten allerdings mangels Perspektiven geschlossen werden, hieß es bereits bei der Unterzeichnung des Kaufvertrages im Frühjahr. Real war zuletzt das Sorgenkind bei dem Düsseldorfer Handelsriesen Metro und hatte dort im Geschäftsjahr 2018/19 für tiefrote Zahlen gesorgt.

Erich Reimann
© Südwest Presse 25.06.2020 07:45
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