Gemeinsam gegen Amazon

Die größte deutsche Kette Thalia Mayersche und das Tübinger Unternehmen Osiander arbeiten in Zukunft bei Beschaffung, IT und Online-Shop zusammen, um US-Konzernen die Stirn zu bieten.
  • Der Osiander-Laden in Göppingen. Die Filialen bleiben unverändert, nur das Sortiment soll erweitert werden. Foto: Staufenpress
Das Ziel ist klar: Es geht den Buchhandelsketten Thalia Mayersche und Osiander darum, gegen internationale Konzerne wie Amazon anzukommen. Aus diesem Grund gehen die größte Kette Deutschlands mit 310 Filialen und das Tübinger Familienunternehmen mit 72 Läden in Süddeutschland über eine gemeinsame Vertriebsgesellschaft eine strategische Partnerschaft ein. Gestern stimmte das Bundeskartellamt den Plänen zu.

Die neue „Osiander Vertriebsgesellschaft“ (OVG) wird von Osiander und Thalia Mayersche gemeinsam gehalten, Thalia Mayersche verfügt dabei allerdings über die Anteilsmehrheit. Sie umfasst die Bereiche Beschaffung, IT und E-Commerce für beide Unternehmen. „Die Osiander GmbH bleibt 100 Prozent selbstständig, wir haben keine Anteile abgegeben“, betont Osiander-Geschäftsführer Christian Riethmüller unserer Zeitung gegenüber. „Unser Kerngeschäft, die Buchhandlungen mit den Mitarbeitern, den Mietverträgen, den Ladeneinrichtungen und der Sortimentsgestaltung, bleibt in unserer Hand“, sagt Riethmüller.

So sollen Besonderheiten dieser Buchhandelskette wie die Lieferung per Fahrradkurier in größeren süddeutschen Städten nun nicht aufgegeben, sondern ausgeweitet werden. Es gebe also keine Verschmelzung , sondern Thalia habe die Mehrheit der Anteile der gemeinsamen Vertriebsgesellschaft mit den drei wichtigen Bereichen IT, E-Commerce und Beschaffung übernommen.

„Gerade bei IT und E-Commerce wird die Technik immer wichtiger, die Veränderungen geschehen immer schneller. Da können große multinationale Wettbewerber mehr investieren und sind uns technisch überlegen.“ Diese Situation verbessere sich, wenn sich Firmen zusammenschlössen. „So können wir gegen die starken multinationalen Konzerne die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Buchhändler stärken.“ Er geht davon aus, dass durch die Neuorganisation die Digitalisierung vorangetrieben werden könne, dass Prozesse effizienter gestaltet und Kosten gesenkt werden. Die Vertriebsgesellschaft stehe anderen Händlern offen.

Für die Kunden habe die Initiative Vorteile, sagt Riethmüller. Das Sortiment werden vor allem online in den Bereichen Spiele, Schreibwaren, Schulbedarf, Geschenkartikel und DVDs erweitert, im Online-Shop gebe es eine bessere Suchmaschine und weitere technische Fortschritte wie eine App, mit der zum Beispiel im Laden bezahlt werden kann, ohne zur Kasse zu gehen. Das soll den Service ergänzen.

Osiander stütze sich in Zukunft auf die Sortimentsauswahl von Thalia, erklärt er, wähle daraus aus und runde das Sortiment dann mit Osiander-spezifischen Sortimentsschwerpunkten ab. Der überwiegende Teil der Waren werde zentral geordert, einen Teil wählten die Buchhändler vor Ort selbst aus. Die Abwicklung und Logistik erfolge über die Thalia-Plattform.

Die ersten Gespräche wurden laut Riethmüller weit vor der Corona-Krise geführt. „Die Auswirkung der Krise, dass vor allem Amazon als reiner Online-Händler profitiert, zeigt, dass es die richtige Entscheidung war.“ Dass der zentrale Wareneingang in Tübingen nun geschlossen werde und dort 32 Arbeitsplätze wegfallen, habe mit der Zusammenarbeit nichts zu tun, das sei ebenfalls länger geplant gewesen.

Das Bundeskartellamt hat nichts gegen die Gründung der Vertriebsgesellschaft. Präsident Andreas Mundt: „Durch den Zusammenschluss mit Osiander kann Thalia seine starke Position im deutschen Buchhandel weiter ausbauen. Dennoch führt das Vorhaben weder für Verbraucher noch für Buchverlage oder Barsortimenter zu einer erheblichen Behinderung des Wettbewerbs.“ Gerade mit dem Online-Handel und mit der Vielzahl von kleineren und mittleren Sortimentsbuchhändlern bestünden weiterhin gute Einkaufsalternativen.
© Südwest Presse 20.11.2020 07:45
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