Kommentar Thomas Veitinger zum Sparkurs von Thyssenkrupp

Hilflos und dauerkrank

  • Thomas Veitinger Foto: Volkmar Könneke/SWP
Thyssenkrupp ist das England unter den deutschen Großunternehmen: einst Gigant, heute Dauerkranker. Und wie bei einem Angeschlagenen verschlimmern neue Infektionen den hilflosen Zustand besonders. Der Stahlkonzern leidet unter den Auswirkungen der Corona-Pandemie. Das Stahlgeschäft ist schwach, Umsätze mit Autoherstellern eingebrochen. Allein das Stahlwerk in Duisburg verlor im abgelaufenen Geschäftsjahr Unsummen. Die Perle Aufzugssparte ist längst verkauft, weitere Unternehmensteile sollen veräußert werden, 11 000 Stellen fallen weg.

Die Frage ist: Wird das reichen? Der Umbau zum grünen Konzern ist langwierig. Ein Zusammenlegen der Stahlsparte oder deren Verkauf an den britischen Konzern Liberty Steel ist bei dem wackeligen Zustand von Thyssenkrupp unsicher.

Um zu verstehen, wie es mit dem Traditionskonzern so weit kommen konnte, ist ein Blick in die Vergangenheit nötig, zu überheblichen, machtliebenden, beratungsresistenten Patriarchen. Ein Stahlwerkbau in Brasilien wurde zum Fiasko, ein Hin und Her bei der Strategie ließ das Fundament erodieren.

Nun braucht Thyssenkrupp dringend Geld, einen staatlichen Einstieg soll es nicht geben. Wenn die Welt nicht bald gesundet und mehr Stahl und Autoteile ordert, könnte das Unternehmen bald auf die Intensivstation kommen.
© Südwest Presse 20.11.2020 07:45
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