Meerblick als Geldanlage

Die Immobilienpreise fallen in Folge der Corona-Pandemie. Was Interessierte über den Urlaubstraum von den eigenen vier Wänden wissen sollten.
  • Wäre das was – ein Ferienhaus direkt an der Nordsee? Immobilien in Top-Lagen sind selbst in Krisenzeiten relativ wertstabil. Bei vermeintlichen Schnäppchen gilt: Vorsicht! Foto: ©alexandre zveiger/shutterstock.com
Haus mit Traumblick statt Geld auf der Bank? Der Zeitpunkt für ein solches Investment könnte in Folge der Corona-Pandemie günstig sein. Das Deutsche Institut der Wirtschaft (DIW) prognostiziert einen Preisrückgang bei Wohnimmobilien in Deutschland von bis zu 12 Prozent. Im Ausland könnten schon bald Ferienwohnungen deutlich günstiger sein. Immobilienstudien zufolge werden die Preise in Ländern wie Italien oder Spanien zwischen 10 bis 25 Prozent nachgeben. Aber ist ein Urlaubsdomizil wirklich eine gute Anlageidee?

„Zumindest sollte das Risiko nicht unterschätzt werden, denn eine Wohnung in guter Lage in Köln oder München wird wohl kaum lange leer stehen“, sagt Rainer Laborenz, Geschäftsführer von Azemos Vermögensmanagement. Bei einer Ferienimmobilie seien Vermieter abhängig von Reisetrends. Der häufige Bewohnerwechsel führte zudem zu einem höheren Verschleiß und gerade bei Objekten im Ausland könne die Distanz ein Problem sein.

„Viele erwerben ein solches Ferienobjekt, weil sie an diesem Ort gerne Urlaub machen“, sagt Ralph Kinnart, Relationship Manager bei B&K Vermögen aus Köln. Der Preisrückgang durch die Corona-Zeit hilft dabei aber nur bedingt: „Gerade die in der Saison dauervermieteten Objekte in Top-Lagen, etwa direkt am Strand, sind auch in Krisenzeiten relativ wertstabil“, erklärt der Vermögensfachmann.

Bei vermeintlichen Schnäppchen gilt es nach seinen Worten lieber zweimal hinzusehen. „Keinesfalls sollte man sich aus einer Ferienlaune heraus eine Immobilie anschaffen“, betont Laborenz: „Man sollte mit dem Blick eines Vermieters an die Sache ran gehen.“ Denn ein Urlaubsdomizil als Investment lohnt sich meist nur, wenn die Priorität nicht auf der Eigennutzung liegt. „Der gewählte Ort sollte zumindest eine Vermietung von vier bis fünf Monaten im Jahr erlauben“, erläutert der Experte. Der Besitzer selbst kommt dann erst in der weniger ertragreichen Nachsaison zum Zuge.

Dazu kommt ein nicht zu unterschätzender zeitlicher Aufwand. Denn bei einem Ferienhaus gibt es eigentlich immer etwas zu tun und zu erneuern. Gerade bei Objekten im Ausland ist das über eine große Distanz allein kaum machbar. Da braucht es professionelle Unterstützung vor Ort, die Gäste empfängt, Schäden begutachtet und Handwerker mit Reparaturen beauftragt. Das muss in die Gesamtkalkulation einberechnet werden. Nicht unterschätzt werden dürfen zusätzlich die juristischen und steuerlichen Landesunterschiede beim Kauf. „Eine spezialisierte, deutschsprachige Anwaltskanzlei vor Ort sollte mit der Abwicklung beauftragt werden“, rät deshalb Laborenz und empfiehlt, Steuerthemen vorab zu klären. Je nach Land kann zum Beispiel die Grunderwerbssteuer erheblich variieren oder Spekulationssteuer beim Wiederverkauf fällig werden. „Kaum jemand beherrscht zudem eine Fremdsprache so perfekt, um typische juristische Fallstricke zu erkennen“, sagt Laborenz.

Selbst in Österreich gelte es, die lokalen Gegebenheiten genau zu kennen. Um nicht zum Beispiel am Ende ohne Vermietungserlaubnis dazustehen, sei ein erfahrener einheimischer Beistand sehr hilfreich. „Kompetente und vertrauenswürdige Unterstützung vor Ort ist unabdingbar, auch wenn sie erst einmal etwas kostet“, ist Laborenz überzeugt.

„Urlaubsimmobilien sind kein Investment für jedermann“, fasst Kinnart zusammen. Bevor über den Kauf eines Ferienhauses nachgedacht wird, sollte das Eigenheim daheim abbezahlt sein und idealerweise ein breit aufgestellter Vermögensmix für die Altersvorsorge Sicherheit bieten. Damit aus dem Ferientraum kein Albtraum wird, sollte zudem eine finanzielle Reserve für unvorhergesehene Ereignisse bleiben. Das, so Kinnart, habe gerade die Corona-Krise deutlich gemacht.
© Südwest Presse 29.06.2020 07:45
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